Hamburg "Partypolizei" aus Berlin wird vom G-20-Einsatz zurückgeschickt

Ein Polizeieinsatz in Hamburg vor dem G-20-Gipfel. Nun wurden Beamte aus Berlin nach Hause geschickt.

(Foto: REUTERS)
  • Hunderte Berliner Polizisten sollten in Hamburg die Absicherung des G-20-Gipfels unterstützen.
  • Doch nun wurden gleich drei Hundertschaften vorzeitig aus dem Einsatz entlassen. Wegen unangemessenen Verhaltens.
  • Die Vorwürfe lauten: Urinieren und Sex in der Öffentlichkeit. Außerdem soll eine Polizistin im Bademantel und mit der Waffe in der Hand auf dem Tisch getanzt haben.
Von Antonie Rietzschel, Berlin

Es ist noch gar nicht lange her, da versuchte die Berliner Polizei für mehr Wertschätzung ihrer Arbeit zu werben. Mit provokanten Plakaten: "Zwischen Beamtenarsch und Arschretter liegt oft nur ein vereitelter Überfall", stand darauf. Oder einfach nur: "Da für dich." Nun ließe sich problemlos ein weiterer Slogan hinzufügen: "Party für dich." Denn die Beamten können es offensichtlich richtig krachen lassen. So geschehen in Hamburg, wo eigentlich mehrere Hundert Berliner Polizisten helfen sollten, den G-20-Gipfel abzusichern.

Jetzt hat der Einsatzleiter gleich drei Hundertschaften vorzeitig nach Berlin zurückgeschickt. Die Kollegen sollten eigentlich erst diesen Mittwoch nach Hause fahren, wurden jedoch schon am Montagabend aus dem Einsatz entlassen. Wegen "unangemessenen Verhaltens", wie es aus Hamburg heißt. Eine ziemlich trockene Beschreibung für die Sause, die die Polizisten offensichtlich zwischen ihren Einsätzen feierten.

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Die Beamten waren in einem Containerdorf in Bad Segeberg bei Hamburg untergebracht. Wie die Berliner Zeitung schreibt, wusste der Hamburger Polizeiführer nach einem früheren gemeinsamen Einsatz bei den Castor-Transporten über die Feierwut der Kollegen Bescheid. Er soll sich deswegen für eine abgelegene Unterbringung entschieden haben. Doch ob Reeperbahn oder Containerdorf, die Kollegen scheinen überall Spaß zu haben.

Der Berliner Polizei liegen Vorwürfe wegen verschiedener Verstöße vor: Nach einer ausgelassenen Party sollen mehrere Beamte gegen den Zaun gepinkelt haben. Eine Kollegin tanzte offenbar nur im Bademantel und mit einer Waffe in der Hand auf dem Tisch. Ein Polizistenpärchen soll in aller Öffentlichkeit Sex gehabt haben. Aufgeflogen war das Ganze, nachdem sich Anwohner wegen Ruhestörung beschwerten. Der Sicherheitsdienst hat die einzelnen Verstöße zudem dokumentiert.

Die Kollegen müssen sich erklären

In der Hauptstadt freut man sich natürlich nicht über das neue Image der Polizei. "Es ist einfach nur peinlich, wie sich die Kollegen dort verhalten haben", sagt der Pressesprecher der Berliner Polizei, Thomas Neuendorf. Seine Behörde veröffentlichte eine Mitteilung, in der es sehr knapp heißt, dass der Polizeipräsident informiert sei. Von den betroffenen Kollegen habe man Stellungnahmen erbeten. Davon hängt dann das weitere Vorgehen ab. Darüber hinaus gibt es keinen Kommentar.

Die Beamten sollten sich wahrscheinlich eine bessere Entschuldigung ausdenken als die, die derzeit die Berliner Zeitung lanciert. Demnach war ihnen einfach nur langweilig. Es habe keinen Fernseher, kein Freizeitangebot gegeben. Man habe aufeinandergehockt.

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