Frankreich "Leute wie euch will ich bei mir nicht. Basta!"

  • Ein heimlich aufgenommenes Video zeigt offenbar, wie ein Restaurantbesitzer zwei muslimische Frauen aus seinem Lokal wirft.
  • Politiker in Frankreich haben die Aussagen des Mannes scharf verurteilt. Ihm drohen juristische und geschäftliche Konsequenzen.
  • Der Restaurantbesitzer hat sich mittlerweile mehrfach entschuldigt.
Von Paul Munzinger

Hitzig hat Frankreich in den vergangenen Wochen über das sogenannte Burkini-Verbot diskutiert, nun facht ein Video die Debatte über Islamfeindlichkeit weiter an. Es soll den Besitzer eines Restaurants in der Stadt Tremblay-en-France zeigen, wie er zwei muslimische Frauen aus seinem Lokal wirft. Dabei sagt er: "Die Terroristen sind Muslime. Und alle Muslime sind Terroristen."

Vorausgegangen war offenbar ein Streit. Eine der Frauen sagt in dem Video, sie wolle nicht von einem Rassisten bedient werden. Rassisten wie er legten keine Bomben und töteten keine Menschen, entgegnet der Mann. Am Ende wirft er die Frauen aus dem Lokal. "Leute wie euch will ich bei mir nicht. Basta!"

Eine der beiden Frauen hat das Video offenbar heimlich aufgenommen. Die andere trägt ein Kopftuch, das ist auf dem Film zu erkennen. Französische Medien berichten, beide Frauen seien verschleiert gewesen. Warum es zum Streit kam, ist unklar.

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Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein

Politiker in Frankreich haben die Aussagen des Mannes scharf verurteilt. Die Bevölkerung von Tremblay fühle sich verletzt und beschämt durch eine "Einstellung, die im Widerspruch zu unseren Werten der Toleranz, der Brüderlichkeit und des Rechts steht", teilte der Bürgermeister der Stadt nordöstlich von Paris in einem Beitrag auf Facebook mit.

Die französische Familienministerin Laurence Rossignol schrieb am Sonntag auf Twitter, sie habe die Interministerielle Delegation zum Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus (DILCRA) eingeschaltet, um Ermittlungen und Sanktionen gegen das "nicht hinnehmbare Verhalten des Restaurantbesitzers" einzuleiten. Auch die Staatsanwaltschaft Bobigny hat Ermittlungen aufgenommen, wegen rassistischer Diskriminierung.

Die beiden Frauen hätten sich an den nationalen Verband gegen Islamophobie in Frankreich (CCIF) gewandt, der auch zu den Klägern gegen ein Burkini-Verbot vor dem französischen Staatsrat gehört hatte. Das teilte CCIF-Leiter Marwan Muhammad am Sonntag via Twitter mit. Er rief dazu auf, den Vorfall so weitreichend wie möglich publik zu machen, die Frauen selbst aber nicht zu belästigen oder persönliche Informationen zu verbreiten. Zudem sollten Versammlungen vor dem Restaurant unterbleiben, um nicht den geringsten Zwischenfall zu riskieren. Ende der Woche werde man sich zu der Angelegenheit erklären, kündigte Muhammad am Montag an.

"Meine Worte haben meine Gedanken überholt"

Die Kreuzung vor dem Restaurant Le Cénacle

(Foto: Screenshot Google Streetview; www.google.de/maps)

Der Restaurantbesitzer hat sich mittlerweile mehrfach entschuldigt. Am Sonntag gab er Le Parisien zufolge an, ein Freund von ihm sei beim Terrorangriff auf den Nachtclub Bataclan im vergangenen November getötet worden. Dem Fernsehsender BFM TV sagte er, seine Worte hätten seine Gedanken überholt. Er wolle sich bei den beiden Frauen und bei der gesamten muslimischen Gemeinde entschuldigen. Muslime seien nette Menschen.

Auch im Gespräch mit aufgebrachten muslimischen Bewohnern von Tremblay entschuldigte er sich; auch davon gibt es ein Video. "Wenn wir alle Terroristen wären", will ein Mann wissen, "wären Sie dann noch am Leben?" Woher kommen diese Gedanken, diese Sätze, fragt ein anderer. Wer ist schuld daran? "Im Fernsehen sieht man Leute, die andere töten", murmelt der Restaurantbesitzer, sichtlich in die Enge getrieben. "Man sagt, dass das Muslime sind."

Ihm drohen nun nicht nur juristische, sondern auch geschäftliche Konsequenzen. Zahlreiche Menschen nutzten die Bewertungsfunktion auf der Facebook-Seite des Restaurants Le Cénacle, um ihren Unmut auszudrücken. Mehr als 21 000 Menschen haben dem Lokal die schlechteste mögliche Note gegeben, von insgesamt knapp 22 000 Bewertungen. Ob dieser Shitstorm auf das CCIF zurückzuführen ist, ist nicht klar. Leiter Muhammad hatte am Sonntag auch dazu aufgerufen, "den Ruf des Restaurants in allen Online-Foren zu ruinieren, in denen es verzeichnet ist".

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