Ermittlungen zur Todesursache Zeugin des NSU-Ausschusses erlag Lungenembolie

  • Eine Zeugin des Stuttgarter NSU-Untersuchungsausschusses ist gestorben. Ihr Lebensgefährte fand die 20-Jährige mit einem Krampfanfall in ihrer Wohnung.
  • Nun liegt das vorläufige Obduktionsergebnis vor: Es gebe keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden, teilte die Polizei am Montag mit.
  • Dennoch hat die Staatsanwaltschaft weitere Analysen angeordnet.

Lebensgefährte findet 20-Jährige mit Krampfanfall

Eine 20-jährige Frau, die Anfang des Monats als Zeugin im NSU-Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags ausgesagt hatte, ist plötzlich gestorben. Nun liegt das vorläufige Obduktionsergebnis vor: Einer Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und des Polizeipräsidiums Karlsruhe zufolge starb sie an einer Lungenembolie. Anzeichen für eine wie auch immer geartete Fremdeinwirkung hätten sich nicht ergeben, hieß es am Montag.

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Karlsruhe bereits am Sonntag mitgeteilt hatten, fand der Lebensgefährte der jungen Frau sie am Samstagabend mit einem Krampfanfall in ihrer Wohnung. Die Ärzte hätten ihr Leben nicht mehr retten können. Extremismusexperten wie der Berliner Politikprofessor Hajo Funke, forderten daraufhin eine "intensivste Aufklärung" von den Sicherheitsbehörden. Ansonsten wäre dies ein weiterer ungeklärter Todesfall.

Frau hatte Motocross-Unfall

Den Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei zufolge hatte die junge Frau am vergangenen Dienstag beim Motocross-Training einen leichten Unfall. Nach einem Fahrfehler sei sie bei geringer Geschwindigkeit mit dem Geländemotorrad ihres Lebensgefährten gestürzt und habe sich eine Prellung am Knie zugezogen.

Am Dienstagabend ließ sich die 20-Jährige im Krankenhaus ambulant versorgen. Zwei Tage später ging sie zu ihrem Hausarzt. Sowohl Klinik wie auch Hausarzt hätten eine Thrombosevorsorge durchgeführt, heißt es in der Mitteilung. Dennoch dürfte die Verletzung eine Verstopfung eines Blutgefäßes der Lunge ausgelöst haben, die dann zum Tod der Frau führte. Das sei das vorläufige Ergebnis der am Institut für Rechts- und Verkehrsmedizin der Universität Heidelberg durchgeführten Obduktion.

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat nun weitere Analysen angeordnet. Noch untersucht werde, ob die Frau nicht womöglich doch vergiftet wurde. "Wir sind uns der Brisanz des Falles bewusst", sagte der Staatsanwalt. Damit spielt er auf den mysteriösen Tod des ehemaligen Neonazis Florian H. im Herbst 2013 an, mit dem die junge Frau aus Kraichtal (Kreis Karlsruhe) kurzzeitig liiert war.

Ex-Freundin von ehemaligem Neonazi Florian H.

Florian H., ein ehemaliger Neonazi, war im Herbst 2013 in einem Wagen in Stuttgart verbrannt. Er hatte einmal behauptet, er habe gewusst, wer die Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn getötet hat. Der Mord wird den Rechtsterroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) zugerechnet. Am Tag seines Todes hatte H. noch einmal von der Polizei befragt werden sollen.

Die 20-Jährige hatte Anfang März als Zeugin im NSU-Ausschuss in Stuttgart in nicht-öffentlicher Sitzung ausgesagt, weil sie erklärt hatte, sie fühle sich bedroht. Der Ausschuss soll die Verbindungen der rechten Terrorzelle in den Südwesten Deutschlands und mögliches Behördenversagen genauer betrachten.