Ärger um Zigeunersauce Nicht nur eine Geschmacksfrage

Naht das Ende der Zigeunersauce? Das Forum für Sinti und Roma fordert Lebensmittelhersteller zur Umbenennung des Saucen-Klassikers auf. Die Unternehmen zeigen sich verständnisvoll - wollen aber vorerst nicht handeln.

Von Felicitas Kock

Der Negerkuss verschwand vor Jahren aus den Regalen der Republik, jetzt könnte mit der Zigeunersauce ähnliches geschehen. Das "Forum für Sinti und Roma" hat über eine Anwaltskanzlei einen Brief an fünf Lebensmittelhersteller gesandt und darum gebeten, den Namen der Sauce zu ändern.

"Mir ist klar, dass die Lebensmittelhersteller niemanden diskriminieren wollen, wenn sie im Zusammenhang mit einer Sauce oder einem Schnitzel das Wort Zigeuner in den Mund nehmen", sagt Juristin Kerstin Rauls-Ndiaye, die den Verband in der Angelegenheit vertritt, "aber der Begriff ist eben sehr negativ besetzt." Die Sinti und Roma empfänden ihn größtenteils als diskriminierend, im allgemeinen Sprachgebrauch werde zunehmend darauf verzichtet. "Dann sollte die Volksgruppe auch darauf pochen dürfen, dass die Unternehmen sich eine andere Bezeichnung einfallen lassen", so die Anwältin zu Süddeutsche.de.

Nicht so einfach

Von Herstellerseite hat man sich laut eigenen Aussagen vor einem halben Jahr mit einem ähnlichen Fall befasst. "Eines unserer Mitgliedsunternehmen ist darauf angesprochen worden", sagt Markus Weck, Geschäftsführer des Verbands der Hersteller kulinarischer Lebensmittel e.V. Der Verband habe daraufhin zum Begriff der Zigeunersauce recherchiert. Bei den Nachforschungen sei herausgekommen, dass die Sauce bereits 1903 im Le guide culinaire erwähnt worden sei. Es handele sich also um eine sehr alte Bezeichnung, die auf ein bestimmte Geschmacksrichtung verweise. Nämlich: "ungarisch, scharf, mit Paprika und/oder Zwiebeln".

"Die Verbraucher wissen einfach gleich, was sie erwartet, wenn sie Zigeunersauce kaufen", sagt Markus Weck. Es sei deshalb nicht so einfach, einen neuen Begriff einzuführen. Man könne sie auch nicht Schaschlik-Soße nennen, denn die gebe es bereits und es seien durchaus Unterschiede im Geschmack feststellbar.

Dennoch nehme Weck die Vorwürfe ernst. Als das Thema vor einem halben Jahr zum ersten Mal aufgekommen sei, habe der Herstellerverband eine Bitte um Einschätzung an drei Organisationen geschickt: An den Zentralrat der Sinti und Roma in Deutschland, die Sinti Allianz Deutschland und den Jenischen Bund. Leider habe es bislang keine Rückmeldungen gegeben. "Solange es um das Ansinnen Einzelner geht, sehen wir uns nicht gezwungen, da etwas zu unternehmen", sagt Weck. Wenn sich herausstellen sollte, dass eine größere Gruppe sich durch die Bezeichnung Zigeunersauce diskriminiert fühle, müsse man weitersehen.

Eine Meinung, die auch bei Unilever geteilt wird. "Wir sind grundsätzlich zu Kompromissen bereit", sagt der Pressesprecher des Unternehmens, zu dem auch der Lebensmittelhersteller Knorr gehört, welcher vom Forum für Sinti und Roma bezüglich der Zigeunersauce angeschrieben wurde. Damit über einen solchen Kompromiss nachgedacht werden könne, müsse es aber einen Konsens unter den Sinti und Roma geben, ob sie sich durch die Namensgebung tatsächlich gestört fühlten oder nicht, so der Sprecher zu Süddeutsche.de.

Reflektierter Sprachgebrauch

Das Forum für Sinti und Roma war für Süddeutsche.de nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Beim Zentralrat gibt es jedoch Verständnis für das Ansinnen des Forums. Der Begriff Zigeuner sei nicht wertneutral, sondern zeige "eine deutliche Verbindung mit extrem negativen Vorurteilen bis hin zu rassistischen Stereotypen". Der Zentralrat habe aber zu keiner Zeit ein Verbot des Wortes Zigeuner gefordert.

Die Bezeichnung als Sinti und als Roma sei eine Frage des Respekts gegenüber der Minderheit. Es gehe nicht um eine dogmatische Sprachregelung, sondern um einen kritischen und reflektierten Sprachgebrauch in allen Lebensbereichen.