23. Dezember 2012, 19:06 Weihnachtswetter in Deutschland Rekordwärme und Überschwemmungen

Ein Grad plus auf der Zugspitze, 20 Grad im Alpenvorland: Für den Heiligabend werden Rekordtemperaturen erwartet und weite Teile Deutschlands können sich auf frühlingshaftes Wetter einstellen - doch Tief Quirina bringt nicht nur Wärme, sondern auch sehr viel Wasser.

Damit es Peter Altmaier an Heiligabend warm genug hat, braucht er eigentlich nur die Fenster aufzumachen und zusätzlich ein paar Weihnachtskerzen anzuzünden. Denn beim Umweltminister ist es nach eigener Aussage "nicht wärmer als 18 Grad". Weiter heize er nicht, und ohnhin sei er ordentlich vor Wärmerverlust geschützt, sagte der mollige CDU-Politiker der Rheinischen Post.

In seinem Heimatwahlkreis Saarlouis wird es Wetterportalen im Internet zufolge bis zu 14 Grad warm. Weiße Weihnachten, ein Wunsch, den manche Kinder neben Videospielen, Puppen und Lego-Steinen auf ihre Liste für das Christkind oder den Weihnachtsmann setzen, wird es dieses Jahr nirgendwo in Deutschland geben, wenn man von hohen Bergen wie der Zugspitze absieht, auf deren Gipfel der Schnee etwa 2,20 Meter hoch liegt.

Ganz im Gegenteil: Während in Osteuropa die Menschen bibbern, sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) für das Alpenvorland bei Föhn Temperaturen von bis zu 20 Grad vorher. "Das ist wirklich ungewöhnlich mild für die Jahreszeit", meint Meteorologe Florian Bilgeri. Örtlich wird sogar ein Rekord für den 24. Dezember erwartet, etwa in München mit 18 Grad. Bis jetzt war in München der Heiligabend 1977 mit 14,5 Grad laut DWD-Statistik der wärmste.

Grund für die frühlingshaften Verhältnisse seien milde Strömungen, die aus den Subtropen nach Bayern gelängen, sagte der DWD. Damit lassen auch die Niederschläge nach. Am 24. Dezember ist es "weitgehend trocken, wolkig, vielleicht sogar mit ein bisschen Sonne". Der Wind ist im Flachland kaum noch zu spüren, in den Bergen werden aber weiter orkanartige Böen erwartet. So fegte auf der Zugspitze am Sonntag der Wind mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Kilometern pro Stunde und verwehte den Neuschnee. Die Eibsee-Seilbahn konnte nicht fahren. Am Montag wird auf Deutschlands höchstem Berg (2962 Meter) mit einem Grad plus gerechnet. "Das wäre für Ende Dezember dann schon sehr ungewöhnlich", sagte Deutschlands höchstpostierter Wetterbeobachter, Dirk Petzner.

Am Dienstag brauchen die Bayern am Alpenrand dann wieder einen Schirm: Der Föhn bleibt, ein Tief zieht heran und bringt Regenschauer - sogar Gewitter sind möglich.

Dass Schnee und Kälte über Weihnachten ausbleiben, heißt aber nicht, dass den Deutschen das Wetter in den kommenden Tagen nicht zu schaffen machen könnte: An Rhein, Mosel und Saar drohen über die Weihnachtstage wegen starker Regenfälle Überschwemmungen und vollgelaufene Keller. "Die Wetterlage hat Potential für ein Hochwasser, das für Überschwemmungen und kleinere Schäden sorgen könnte", sagte Michael Schuhmacher vom Hochwassermeldezentrum Mosel.

Für Montag rechneten die Experten damit, dass der Rhein gebietsweise die Marke von acht Metern und damit eine Größenordnung eines etwa 2- bis 5-jährlichen Hochwassers erreicht. Auch an Neckar und Donau werden den Prognosen zufolge vereinzelt die Meldewerte überschritten. Montagfrüh werden am Rhein in Köln 6,95 bis 7,15 Meter erwartet. Aufgrund der ergiebigen Niederschläge im gesamten Einzugsgebiet sind über acht Meter in den nächsten Tagen nicht auszuschließen. In der Altstadt wird jedoch erst bei einem Pegel von 9,40 Metern eine mobile Schutzwand aufgebaut.

Im Norden Bayerns traten bereits am Sonntag mehrere Flüsse und Bäche über die Ufer. Zu Überflutungen kam es im Maingebiet sowie an Altmühl, Wörnitz und Vils, wie der Hochwassernachrichtendienst in Augsburg mitteilte. Die Schwarzach in Mittelfranken erreichte im Laufe des Tages die höchste Meldestufe 4. Da es bis Montagmorgen weiter kräftig regnen sollte, rechnen die Experten mit weiter steigenden Pegeln im Maingebiet sowie an den Donauzuflüssen.

Schuld ist das Tief Quirina, das mit viel Warmluft und intensiven Niederschlägen das typische Weihnachtstauwetter einleitete, teilte der DWD mit. Im Norden und Osten Deutschlands fiel der Regen noch auf kalten Boden und verwandelte Straßen und Gehwege in gefährliche Rutschbahnen. Die Folge waren viele Verkehrsunfälle, darunter eine Massenkarambolage in Schleswig-Holstein. 14 Autos fuhren in der Nacht zum Sonntag auf der Autobahn 23 im Kreis Pinneberg ineinander. In Hamburg musste die Autobahn 253 in der Nacht wegen Blitzeis teilweise gesperrt werden. Glatte Wege und Fahrbahnen meldete die Polizei auch aus Mecklenburg-Vorpommern und aus dem Großraum Berlin-Brandenburg.

Tatsächlich bleibt es im Norden und Osten auch über Weihnachten kühler als im Rest Deutschlands. Berliner und Hamburger können mit Temperaturen um die zehn Grad rechnen. Zum Glück hat Umweltminister Altmaier frei. In seinem Berliner Büro müsste sogar er die Heizung aufdrehen.