Yin-Shi Das war ein Schnaps zu viel für die Ente

Minimalistische Einrichtung, trunkenes Essen: Das Restaurant Yin-Shi preist sich als "der moderne Chinese". Ziemlich anmaßend - oder nicht?

Von Lisa Sonnabend

Das Restaurant Yin-Shi nennt sich "der moderne Chinese in Schwabing" - und damit ist das Lokal ganz gut getroffen. In dem großen Restaurant in der Schleißheimer Straße finden sich keine goldenen Leuchten, keine kitschigen Bilder. Stattdessen geht es minimalistisch und futuristisch zu.

Die Innenwände in weiß und lila sind nicht dekoriert, doch ein raffiniertes Lichtkonzept haucht ihnen Leben ein. In der Mitte des Raumes stehen große, bunte Leuchtröhren, an den Wänden scheint sanftes Licht herab. So entsteht eine angenehme, gemütliche Stimmung.

Aus den Lautsprechern läuft englischsprachige Lounge-Musik. Aus der großen Fensterfront blickt man hinaus auf die graue Schleißheimer Straße. Einige üppige Buchsbäume, Farne und Kakteen stehen im Raum. Nur die wenigen kleinen Buddha-Statuen machen deutlich, dass man sich nicht in einem internationalen Lokal, sondern beim Asiaten befindet.

Seit einem halben Jahr gibt es das Yin-Shi - und das Konzept geht auf. Das Lokal ist fast bis auf den letzten Platz besetzt, als wir es an einem Sonntagabend betreten. Dabei ist die Lage in der Schleißheimer Straße 182 nicht unbedingt ideal. Nur eine Trambahnhaltestelle liegt vor der Haustür, die U-Bahn ist mehrere hundert Meter entfernt. Es sind vor allem Schwabinger, die hierher kommen.

Der erste Eindruck ist überzeugend, der zweite jedoch nicht ganz so. Nachdem wir einen Tisch zugewiesen bekommen haben, warten wir lange, bis uns die Speisekarte gebracht wird. Als wir die Bestellung schließlich aufgeben, ist der Kellner sehr in Hetze, die Zeit für ein freundliches Wort hat er nicht. Kaum hat er alles notiert, eilt er weiter zum Nebentisch, um dort die Rechnung zu bringen.

Auch danach geht noch eine Sache schief: Die Vorspeisen - eine Kokosmilch-Garnelen-Suppe (6 Euro) und Garnelen-Spieße (7,80 Euro) - stehen bereits auf dem Tisch, ehe der Wein serviert wird. Der Chardonnay begeistert, der Lugana schmeckt uns dagegen ein wenig zu sauer (jeweils 0,2 Liter, 4,90 Euro).

Die Suppe ist angenehm scharf. In ihr schwimmen rund zehn Pilze und drei Garnelen. Man hätte sich natürlich gefreut, wenn das Verhältnis andersherum gewesen wäre. Die marinierten Garnelen-Spieße sind dagegen nicht all zu stark gewürzt, auch der Dip schafft es nicht, diese Vorspeise in ein umwerfendes Geschmackserlebnis zu verwandeln.

Anschließend jedoch zeigt sich das Yin-Shi wieder von seiner angenehmen Seite, auch der Kellner kommt zur Ruhe und lächelt fortan öfter, da die Rush-Hour vorbei ist. Die Auswahl an Hauptgerichten ist groß. Es gibt die Klassikergerichte mit Curry und Süß-sauer, aber auch ausgefallenere Speisen wie Froschschenkel oder Krokodil. Die Preise beginnen bei zehn Euro, doch gehen bis fast 25 Euro. Wir entscheiden uns für Seezunge Qing Zheng Yu (20,80 Euro), da Fisch eine Spezialität des Lokals ist, und die Betrunkene Ente (15,80 Euro), da uns der Name zum Schmunzeln gebracht hat.

Die Seezunge wird als ganzer Fisch serviert, das Sezieren übernimmt dankenswerterweise der Kellner - und der erweist sich als wahrer Profi: Nur eine einzige Gräte bleibt zurück. Die Seezunge wird recht puristisch serviert, nur Reis wird gereicht, auf Gemüse wird verzichtet. Die volle Konzentration gebührt somit dem Fisch. Und der hat sie verdient. Er ist extrem zart und nicht zu aufrdringlich, aber auch nicht zu zurückhaltend im Geschmack. Dass die Seezunge auf Zitronengras daherkommt überrascht - doch die beiden harmonieren perfekt.

Die Betrunkene Ente ist wirklich ziemlich trunken. Sie wird mit Reisschnaps übergossen und flambiert serviert. Die neugierigen Blicke der Nachbarn sind uns so gewiss. Das Fleisch ist zart und wenig fettig, der Alkohol verleiht ihm eine leicht süßliche Note. Auch das ist durchaus interessant. Nur die Soße ist uns ein wenig zu dickflüssig und zu mächtig im Geschmack. Denn so wird das Federvieh an den Rand der Geschmacksbühne gedrängt.

Am Ende bekommt jeder Gast wahlweise einen Espresso oder einen Schnaps. Es ist schon recht spät, weswegen wir uns für den Reisschnaps entscheiden. Für die Dame gibt es einen mit "nur" 40 Prozent, für den Herrn die härtere Variante: 60 Prozent Alkohol. Das brennt - und ist ein für uns ganz neues Geschmackserlebnis der chinesischen Küche, wenn auch eher der traditionellen, nicht der modernen.

Yin-Shi, Schleißheimer Str. 182, 80797 München, Tel. 089/30658872, geöffnet: Dienstag bis Sonntag von 11:30 Uhr bis 15 Uhr und von 18 Uhr bis 24 Uhr, Montag Ruhetag

Der moderne Chinese

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