Mitbestimmung Neuer Jugendrat für Geretsried

Zwei Jahre lang wird der Jugendrat die Geretsrieder Politik mitbestimmen. Bürgermeister Michael Müller (2. v. re. vorne) will auf ihn hören.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Für die elf Mitglieder gab es genau elf Kandidaten. Sie wurden mit weniger als zehn Prozent Wahlbeteiligung bestimmt.

Von Thekla Krausseneck

Mit Ach und Krach hat sich die Geretsrieder Jugend wieder ein eigenes Parlament gegeben: Elf Mitglieder sind in den Jugendrat gewählt worden. Simon Vielreicher und Nicola Heucke gehen in ihre zweite Amtszeit, alle anderen Mitglieder sind zum ersten Mal dabei. Die Wahlbeteiligung war mit 9,94 Prozent niedriger als bei der ersten Wahl im Jahr 2015: Von 1217 Wahlbrechtigten hatten nur 121 ihre Stimme abgegeben, acht erwiesen sich als ungültig. 2015 hatte die Wahlbeteiligung noch bei 23,9 Prozent gelegen.

"Die drei Jahre sind echt schnell vergangen", sagte die scheidende Jugendrätin Laura Diebl. Zusammen mit Madlen Schubert und Sabrina Meier überreichte sie jedem neuen Jugendrat einen Trinkbecher der Stadt Geretsried. Bürgermeister Michael Müller verkündete die Anzahl der Stimmen, die jeder Kandidat erhalten hatte: Die meisten bekam Vielreicher (62 Stimmen), gefolgt von der neuen Jugendrätin Sabrina Lorenz (55). Enttäuscht nach Hause gehen musste niemand: Elf Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren waren angetreten, elf Plätze sollten besetzt werden - da war die Wahl nur noch eine Formalität.

Bis vor ein paar Wochen sah es noch so aus, als werde Geretsried das Schicksal des Penzberger Jugendparlaments ereilen, das im Februar mangels Kandidaten vom Stadtrat aufgelöst worden war. Denn auch in Geretsried fehlte es an Bewerbern; nach Ablauf der ersten Nominierungsrunde, hatte die Stadt gerade einmal sechs Kandidaten auf der Liste. Sie verlängerte die Frist, verschickte noch einmal Briefe und warb auf allen Kanälen - am Ende kamen genügend Jugendratsmitglieder zusammen.

Müller zollte den frisch Gewählten "Dank und Respekt, dass sie sich dieser Verantwortung stellen und unsere Stadt aktiv mitgestalten wollen". Die niedrige Wahlbeteiligung zeige, dass dieses Engagement nicht für jeden selbstverständlich sei. Er ermutigte die jungen Leute, sich mit ihren Themen und Ideen einzubringen. Der Stadtrat nehme den Jugendrat "sehr ernst", sagte Müller. "Wir wünschen uns aktive Jugendräte, die mitmischen."

Ideen haben die neuen Jugendräte mehr als genug. Dominik Heucke (14 Jahre) möchte die Hollywoodkurve verschönern und den Dirt-Park erweitern. Jana-Elise Bärwinkel (16 Jahre) will sich der finanziell schwachen Jugendlichen annehmen, Ferienangebote und Workshops für sie initiieren und die Geretsrieder Gehwege säubern. Klaudia Farfara (14 Jahre) bringt eine ganze Liste an Ideen mit: eine große Trampolinhalle, ein Kino, einen Skaterpark, eine Spielhalle und ein Jugendzentrum am Neuen Platz. Ein Kino möchte auch Sabrina Lorenz (17 Jahre) nach Geretsried holen, außerdem will sie die Busverbindung verbessern und das Mitspracherecht für junge Menschen stärken. Isabella Schrills (16 Jahre) versteht sich als Sprecherin für Gelting, Serdar Incir (14 Jahre) setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderung einen Sport- und Spielplatz bekommen, und Michael Martin (18 Jahre) möchte Geretsried attraktiver machen. Vielreicher (15 Jahre), Nicola Heucke (15 Jahre) und Nazar Kul (14 Jahre) wollen Events umsetzen und Ansprechpartner sein.

Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse im Rathaus tauschten die neuen Jugendräte eifrig Nummern aus. "Das haben wir damals auch gemacht", sagte Laura Diebl. Da sie im September eine Ausbildung bei der Stadt beginnt, durfte sie sich nicht mehr aufstellen lassen. Madlen Schubert und Sabrina Meier hatten sich ebenfalls wegen ihrer Ausbildungen gegen eine erneute Kandidatur entschieden. "Der Jugendrat ist schon viel Arbeit", sagte Schubert. Meier sah das genauso: "Ich würde schon gern weitermachen, aber ich muss Prioritäten setzen." Zumindest privat wollen sich die Mädchen noch ab und zu treffen.