Mitarbeiter verlieren Job Asklepios schließt Reha-Klinik in Lenggries

Die geriatrische Rehaklinik in Lenggries mit 95 Betten ist verkauft worden. Sie wird zum 30. Juni geschlossen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Konzern macht den Standort für geriatrische Rehabilitation dicht. Viele Mitarbeiter stehen auf der Straße. Bürgermeister Werner Weindl ist schockiert.

Von Ingrid Hügenell

Der Asklepios-Konzern will seine Klinik für geriatrische Rehabilitation in Lenggries auflösen. Schon Ende Juni soll der Standort geschlossen werden, teilt der Konzern mit. Das etwa 35 Jahre alte Gebäude sei bereits an eine Immobiliengesellschaft verkauft worden, die einen siebenstelligen Euro-Betrag in Sanierung und neue Nutzung investieren möchte. Mit der Weiterführung der Geburtsstation an der Tölzer Klinik habe das nichts zu tun, versichert Asklepios-Sprecher Christopher Horn. "Wir wollen weiterhin eine gemeinsame Hauptabteilung mit einer anderen Klinik schaffen."

Die Belegschaft der Lenggrieser Klinik, 104 Mitarbeiter, wurde am Mittwoch vor vollendete Tatsachen gestellt. Nur eine Stunde vorher habe der Betriebsrat vom Verkauf erfahren, sagt René Geißler, der seit 19 Jahren als Krankenpflegerhelfer an der Klinik arbeitet. "Die Stimmung ist katastrophal, im ganzen Haus Tränen", sagt der Betriebsrat. "Ganz eiskalt, ohne Emotionen und ohne Perspektive" habe der Geschäftsführer der Tölzer Asklepios-Klinik, Joachim Ramming, die Mitarbeiter informiert. Und das erst, "als das Kind schon in den Brunnen gefallen war", wie Geißler sagt. Dabei hätte ihm zufolge der Betriebsrat in der Planungsphase eingebunden werden müssen.

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Auch der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl (CSU) erfuhr erst am Donnerstagvormittag von den Plänen, nicht einmal zwei Stunden, bevor die Öffentlichkeit informiert wurde. Da war das Haus längst verkauft. "Ich bin echt schockiert", sagt er - vor allem davon, dass es bis zur Schließung nur noch ein knappes halbes Jahr ist. "Das ist eine sehr anerkannte Klinik. Sie war über viele Jahre einer der größten Arbeitgeber in Lenggries." Ramming habe ihm gesagt, die Klinik schreibe eine schwarze Null.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel kritisierte den Vorgang als "typisch für das rein betriebswirtschaftlich geprägte Vorgehen privater Konzerne".

Das Lenggrieser Haus verfügt über 95 Betten und ist nach eigener Auskunft eine der größten geriatrischen Einrichtungen in Bayern. Erst zu Beginn 2013 hat Asklepios die Einrichtung übernommen. "Damals wurde uns gesagt, wir seien alle sicher", erinnert sich Krankenpfleger und Betriebsrat Geißler. "Es hieß, was Asklepios einmal hat, verkauft es nie wieder."

Lenggries' Bürgermeister Werner Weindl ist schockiert vom Vorgehen der Asklepios-Stadtklinik und deren Geschäftsführer Joachim Ramming (im Bild).

(Foto: Manfred Neubauer)

Asklepios teilt nun mit, man wolle die Altersmedizin forcieren und dazu in Bad Tölz eine Hauptabteilung für Akutgeriatrie aufbauen - mit 30 Betten. Mittelfristig solle es dort auch ein Rehabilitationsangebot geben. "Damit wird der demografischen Entwicklung Rechnung getragen. Die Menschen werden immer älter. Damit steigt auch der Bedarf an geriatrischer Versorgung", begründet Geschäftsführer Ramming den Schritt. Durch den Aufbau einer geriatrischen Reha in Tölz solle den Patienten ein "nahtloser Übergang in die Rehabilitation ohne Ortswechsel" ermöglicht werden. Das soll mittelfristig geschehen. Ein fertiges Konzept dafür gibt es laut Asklepios-Sprecher Horn nicht, weder was den zeitlichen Ablauf noch was die Zahl der Betten betrifft. In der Zeit, in der das Haus in Lenggries geschlossen ist und die neue Reha in Tölz noch nicht existiert, wird es für die kranken älteren Menschen, die in der neuen Abteilung behandelt wurden, keine spezielle Reha in der Nähe geben. "Wir werden einen zeitlichen Versatz haben", sagt Horn.

In geriatrischen Reha-Einrichtungen werden ältere Menschen nach Erkrankungen wie Schlaganfällen oder Verletzungen versorgt. Sie leiden meist unter mehreren Erkrankungen gleichzeitig. In der drei- oder vierwöchigen Behandlung sollen sie eine größtmögliche Selbstständigkeit erreichen. Die Angebote in Lenggries umfassen etwa Physio- und Ergotherapie, Sprach-, Sprech- und Schlucktherapie. An der Asklepios-Stadtklinik gab es seit 2007 eine geriatrische Reha-Klinik mit 32 Betten, die 2013 in eine neurologische Reha-Einrichtung umgewandelt wurde. Der Lenggrieser Bürgermeister Weindl hat für das Vorgehen kein Verständnis. Es sei außergewöhnlich, dass ein potenzieller Käufer sich nicht vorab bei der Gemeinde informiere, was am Standort überhaupt möglich sei, sagt Weindl und stellt klar: "Dort gibt es einen Bebauungsplan, der eine Reha-Nutzung festlegt."

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Der Geschäftsführer der Käufer-Gesellschaft "Bergweg 21 Immo", Christoph Hertwig, nennt die Klinik "eine interessante Immobilie an einem interessanten Standort". Die Privatinvestoren aus Deutschland und dem europäischen Ausland, die ihr Geld in die im November gegründete Immobiliengesellschaft gesteckt hätten, seien sicher, aus dem Objekt eine gute Rendite ziehen zu können. Die Nutzung stehe nicht fest.

Neben der Festschreibung im Bebauungsplan existierten ältere Dienstbarkeiten. Früher habe es dort ein Senioren- und Pflegeheim gegeben. "Wir hoffen, im medizinischen Bereich bleiben zu können." Davor müsse alles umgebaut werden. Man wolle in jedem Fall "verträglich für die Angestellten" handeln.