Icking Fünf Hunde mit Ködern vergiftet

Schneckenkorn in Hackfleischbällchen: Nach einer Serie von Vorfällen im Westen und Süden von München sind jetzt auch Ebenhausen und Icking betroffen

Von Wolfgang Schäl

Rein juristisch handelt es sich bei dem Delikt um Sachbeschädigung, für Tierbesitzer bedeutet es nicht selten eine menschliche Tragödie: Immer mehr Hunde werden im Münchner Umland vergiftet. Zwölf Mal haben unbekannte Täter während der vergangenen Wochen allein im Raum Germering, Gauting, Krailling und Starnberg präparierte Köder ausgelegt, immer waren es Hackfleischbällchen, die mit Schneckenkorn versetzt waren. Wenn Tiere, die den Köder gefressen haben, nicht sofort behandelt werden, sterben sie qualvoll, denn das Schneckengift wirkt auf das Nervensystem. Vom Würmtal aus haben der oder die Täter ihre Aktivitäten jetzt auch in die Gemeinden Icking und Schäftlarn ausgeweitet - am Mittwoch sind auf der sogenannten Apfelallee zwischen Holzen und Ebenhausen, einer stark frequentierten Strecke für Gassigeher, insgesamt fünf Hunde vergiftet worden. Auch weiter südlich im Landkreis waren die Hundehasser schon aktiv - in den vergangenen Wochen und Monaten wurden in Bad Tölz zwei Fälle gemeldet - hier setzten die Täter Rattengift ein, ebenso wie im Wolfratshauser Ortsteil Farchet. Bei alledem muss von einer vergleichsweise hohen Dunkelziffer ausgegangen werden, denn viele Hundebesitzer melden die Giftattacken gar nicht bei der Polizei, in der Annahme, dass es sowieso unmöglich sei, den Tätern auf die Spur zu kommen.

Betroffen war jetzt auch Lia Schneider-Stöckl vom Irschenhausener Hollerhaus, deren Jack Russell nach einem Spaziergang die typischen Symptome zeigte - Lethargie, Zuckungen, "ein irgend wie seltsames Verhalten" bei dem ansonsten springlebendigen Terrier. Sie brachte ihn zu der Ebenhausener Tierärztin Irene Roth, der Hund hatte gerade noch Glück, es gelang, ihn zu retten.

Ähnliches erlebte Doris Bohn, die mit ihrem Labrador zwischen Icking und Ebenhausen unterwegs war. Sie sei schon alarmiert gewesen, sagt sie, weil nach den vorangegangenen Vorfällen bereits ein Warnzettel aufgehängt worden war, "aber es ist dann plötzlich so schnell gegangen, und Labradore fressen einfach alles, was sie kriegen können". Auch ihr "Balou" bekam, nachdem er den tischtennisballgroßen, in einem Gebüsch versteckten Knödel verschlungen hatte, die typischen Krampfanfälle. Dass der Köder bewusst ausgelegt war, steht für Bohn außer Frage, sie will deshalb am heutigen Freitag bei der Polizei Anzeige erstatten.

Ein wirksames Mittel gegen das im Schneckenkorn enthaltene Metaldehyd gibt es Roth zufolge nicht, die Veterinärmedizinerin kann dem Tier in einem solchen Fall nur den Magen ausspülen und eine Kochsalzinfusion verabreichen, das zum schnelleren Abtransport des Giftes aus dem Körper beiträgt. Wichtig ist es nach Roths Worten, das vierbeinige Opfer mit einem Medikament möglichst zum Erbrechen zu bringen, manchmal helfen auch Wadenwickel gegen die durch die Muskelzuckungen ausgelöste Hyperthermie.

Warum Menschen sich in dieser Form an der Kreatur vergreifen, vermag die Tierärztin nicht zu sagen, als mögliches Motiv kann sie sich allenfalls vorstellen, dass die Täter den Hundebesitzern "einen Denkzettel verpassen wollen", weil sie sich nicht um die Beseitigung der Exkremente ihrer Schützlinge kümmern. Manfred Fleischer, der Vorsitzende des Tierschutzvereins Wolfratshausen-Geretsried, formuliert es etwas kürzer: "Ein paar G'störte gibt es einfach überall."