Herausragendes Wirken Historischer Verein Wolfratshausen ist Kulturpreisträger 2017

Anerkennung für "herausragendes kulturelles Wirken": Erfreut nimmt der Vorstand des Historischen Vereins um Sybille Krafft (mit Blumenstrauß) und ihren Stellvertreter Bernhard Reisner (mit Skulptur) den Kulturpreis der Stadt Wolfratshausen in Empfang.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Stadt Wolfratshausen ehrt den Historischen als Anerkennung für zehn geschichtliche Publikationen und für die Rettung von Denkmälern.

Von Konstantin Kaip

Pünktlich im 20. Jahr seines Bestehens hat der Historische Verein Wolfratshausen den Kulturpreis der Stadt erhalten. Der inzwischen 270 Mitglieder zählende Verein wurde damit für sein "herausragendes künstlerisches und kulturelles Wirken in der Stadt und über die Stadtgrenzen hinaus" gewürdigt, wie es in der Urkunde heißt, die der Zweite Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) am Donnerstagabend beim Festakt im Sitzungssaal des Rathauses der langjährigen Vorsitzenden des Vereins Sybille Krafft überreicht hat. "Wir sind stolz darauf, diesen Historischen Verein bei uns in Wolfratshausen zu haben", sagte Schnaller. Zum Preis gehören eine Wolfsskulptur von Hans Kastler und 1000 Euro.

Für den Kulturpreis, der seit 1990 in unregelmäßigen Abständen vergeben wird, hatte der Stadtrat den Historischen Verein im Februar auserkoren - offiziell für sein literarisches Werk, das inzwischen zehn fundierte Publikationen zur Stadtgeschichte umfasst. Am zuletzt erschienenen Band "Ärzte, Hexen, Handaufleger - Medizingeschichte im Isar- und Loisachtal" waren 20 ehrenamtliche Autoren beteiligt. Mit großer Freude habe er darin den Artikel über die "Doktor-Traudl" aus Icking gelesen, die auch seiner Großmutter geholfen habe, seinen Vater nach dessen Geburt aufzupäppeln, berichtete Schnaller. "Ein wunderbares Erlebnis. Gibt es etwas Schöneres als ein Buch, in dem man plötzlich auf seine eigene Geschichte stößt?"

Dass die Verdienste des 1997 von einem Kreis um Altlandrat Manfred Nagler gegründeten Vereins jedoch weit über die veröffentlichten Schriften hinausgehen, machte die Grünen-Stadträtin Annette Heinloth in ihrer Laudatio klar. "Der Verein trägt mit vielfältigen Aktivitäten zur Erinnerungskultur unserer historisch bedeutenden Stadt bei", sagte sie. In mehr als 100 Veranstaltungen wie der Gedenkfeier zur Bücherverbrennung oder historischen Revuen sei es dem Verein immer wieder gelungen, "Geschichte für jeden anschaulich, interessant und verständlich" zu machen. Zudem habe der Historische Verein mit Ausstellungen wie der zur jüdischen Mädchenschule Wolfratshausen in ganz Deutschland "positiv bekannt gemacht".

Besonders aber würdigte Heinloth die Denkmalschutzaktivitäten des Vereins: Krafft und ihre Mitstreiter hätten nicht nur den Anstoß zur Rettung des Badehauses in Waldram gegeben. "Ohne den Historischen Verein wäre wohl auch unser Biedermeier-Krankenhaus inzwischen platt", sagte sie. "Eigentlich müsste man die Ehrung splitten und Ihnen im nächsten Jahr den Ehrenpreis für die Rettung historischer Bauwerke überreichen", sagte Heinloth zu den anwesenden Vorstandsmitgliedern. Es sei kein Geheimnis, dass der vehemente Einsatz für den Erhalt der "steinernen Zeitzeugen" immer wieder zu Schwierigkeiten mit der Stadt geführt habe, bekannte Heinloth. Der Kulturpreis 2017 sei jedoch der Beweis, dass sich das Verhältnis gebessert habe. "Die Wolfratshauser können glücklich sein, Sie zu haben", sagte sie zu Krafft und ihren Vereinskollegen. "Bleiben Sie umtriebig, kämpferisch und unbequem, und bleiben Sie bitte so kreativ und produktiv."

Der Historische Verein freue sich sehr über die Auszeichnung, sagte Krafft in ihrer Dankesrede, "weil wir wissen, dass wir als ehrenamtlicher Verein zwar recht rege sind - die Stadt es mit diesem Geschichtsgewächs aber nicht einfach hat". Besonders wenn es um die "dunklen Kapitel der Geschichte" und den Erhalt von Baudenkmälern gehe, könne der Verein "recht widerborstig wirken", sagte Krafft. "Aber wir wollen Geschichte nicht als unverbindliche Freizeitbeschäftigung oder nostalgische Rückschau betreiben. Dafür ist uns unsere Lebenszeit zu schade. Stattdessen wollen wir möglichst viele Bürger mit dem Geschichtsbazillus anstecken - in der Hoffnung, aus der Geschichte etwas zu lernen." Die Arbeit des Vereins diene aber auch dazu, zu zeigen, "dass Wolfratshausen weit mehr ist als eine Flößerstadt".