Einbruchsserie "Man fühlt sich nicht mehr sicher"

Nach vielen Einbrüchen in Wolfratshausen und Münsing leben Betroffene und Nachbarn in ständiger Alarmbereitschaft.

Von Benjamin Engel

Das gute Gefühl ist erst einmal dahin. Denn in Münsing, Icking und Wolfratshausen häuften sich in den vergangenen Monaten die Einbrüche. Vor gut einer Woche drangen nach Angaben der Wolfratshauser Polizei Einbrecher in zwei Einfamilienhäuser am Ammerlander Höhenweg ein. Seitdem sind die Anwohner in Münsing am Starnberger See beunruhigt und verunsichert.

Die Polizei tauchte im Klassenzimmer einer Germeringer Mittelschule auf und nahme drei Schüler als Tatverdächtige mit.

(Foto: dpa)

Wir sind alle etwas in Alarmbereitschaft, die Gefahr ist eigentlich allgegenwärtig", sagt die Münsingerin Elke Z. (Name geändert) auf SZ-Nachfrage. Vor gut einem Monat drangen Einbrecher in das Haus ihrer Eltern an der Südlichen Seestraße in Münsing ein. Sie nahmen unter anderem Bargeld und Schmuck mit. Ihre Eltern hätten sich an besagtem Abend mit Nachbarn getroffen und das Haus für ein paar Stunden verlassen, sagt die Tochter.

Ins Haus gekommen seien die Täter durch ein verschlossenes Kellerfenster auf der Rückseite des Gebäudes, das sie einfach aufgehebelt hätten. Ihren Angaben nach durchsuchten die Täter jedes Zimmer und zogen dabei alle Vorhänge zu. "Bilder hingen schief und die haben sogar unter die Matratzen im Schlafzimmer geschaut", sagt Elke Z. Sie selbst lebt ebenfalls in einem Einfamilienhaus in Münsing und hat seitdem Angst. "Wenn wir außer Haus gehen, lassen wir die Lichter brennen, damit das Haus bewohnt aussieht." Derzeit kontrolliere sie lieber dreimal nach, ob alle Türen und Fenster auch wirklich geschlossen seien, sagt die junge Frau.

"Man traut sich schon gar nicht mehr aus dem Haus zu gehen", sagt der Münsinger CSU-Ortsvorsitzende Martin Ehrenhuber. Er selbst sei sehr beunruhigt. Schließlich sei bei seinem Nachbarn eingebrochen worden. Um die Münsinger über Möglichkeiten zum Schutz ihrer Häuser vor Einbrechern zu informieren, plant der Ortsvorsitzende nun eine Informationsveranstaltung.

Beim monatlichen Stammtisch der Münsinger CSU am Donnerstag wurde über eine "Bürgerwehr" diskutiert. "Das war nur eine Einzelmeinung", erklärt Ehrenhuber. Wenn die Einbruchsserie nicht aufhöre, müsse man aus seiner Sicht aber überlegen, was noch getan werden könne. "Ich bin offen für alles", sagt Münsings Bürgermeister Michael Grasl. Wenn sich Freiwillige fänden, könne er sich auch eine Bürgerwehr vorstellen. "Im Moment ist das aber nicht aktuell", verdeutlicht Grasl.

Der Einbruch bei ihren Eltern lässt Elke Z. keine Ruhe. "Wir haben uns so sicher gefühlt." Doch momentan sei sie schon alarmiert, wenn Fußgänger, die sie nicht kenne, am Haus vorbeigingen, sagt sie. Mit den Nachbarn spreche sie sich nun auch ab, wer zu Hause sei oder wegfahre. Denn vor dem Einbruch müssen die Täter ihr Elternhaus ganz genau beobachtet haben. Zum Tatzeitpunkt sei auch der Hund ihrer Eltern im Haus gewesen.

Der sei aber schon alt, höre nichts mehr und belle auch nicht. "Die Täter haben vielleicht meinen Vater beim Gassigehen beobachtet", vermutet sie. Was passieren würde, wenn jemand nach Hause käme und einen Einbrecher auf frischer Tat ertappe, wolle sie sich gar nicht ausmalen.

"Wir haben es derzeit mit einer Einbruchsserie in Münsing, Icking und Wolfratshausen zu tun", sagt der Leiter der Wolfratshauser Polizeiinspektion Werner Resenberger. Von einer Bürgerwehr hält er nichts. "Der Staat hat das Gewaltmonopol", macht er deutlich. Die Polizei werde in nächster Zeit unter anderem verstärkt auf Streife gehen, erklärt Resenberger. "Das A und O ist für mich aber, dass die Nachbarn gegenseitig aufeinander aufpassen."

Wer sich über Schutzkonzepte für das eigene Haus informieren wolle, könne sich an die kriminalpolizeiliche Fachberatung in Weilheim wenden. Zudem sollten Anwohner jede verdächtige Wahrnehmung unbedingt der Polizei melden. Hinweise nimmt die Inspektion Wolfratshausen unter Telefon 08171/4211-0 entgegen.