Asklepios-Klinik  in Bad Tölz Geburtshilfe kostet zwei Millionen Euro im Jahr

Der Konzern beziffert erstmals die Kosten: Selbst für eine Zusammenarbeit mit einem anderen Krankenhaus müsste der Steuerzahler einen riesigen Zuschuss leisten.

Von Konstantin Kaip

Sollte der Kreistag beschließen, eine Hauptabteilung für Geburtshilfe an der Tölzer Asklepios-Stadtklinik zu finanzieren, wird es für den Landkreis teuer: Alleine die jährlichen Personalkosten für den Ärztlichen Dienst würden sich nach Angaben des Klinik-Sprechers Christopher Horn auf rund 1,5 Millionen Euro belaufen. Hinzu kämen die Kosten für die Haftpflichtversicherungen der Ärzte, erklärt Horn, "sodass wir am Ende bei jährlich über zwei Millionen Euro zu erwartenden Kosten für den Betrieb einer Hauptabteilung liegen würden".

Wie Horn auf Anfrage mitteilt, habe die Klinik bei ihren Bemühungen, die Geburtshilfeabteilung langfristig "auf stabile Beine zu stellen" auch die Möglichkeit geprüft, eigenständig eine Hauptabteilung aufzubauen. Ohne ein angeschlossenes Perinatalzentrum - also eine Neugeborenenstation - werde es aber schwer, das Mindestmaß an fachlichem Personal zu finden. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie schreibt laut Horn für den Betrieb einer Hauptabteilung einen Chefarzt, zwei bis drei Fachärzte und fünf bis sechs Assistenzärzte vor. Bei einer nun von Garmisch und Agatharied angebotenen Kooperation mit einer Klinik, die über ein Perinatalzentrum verfüge, werde es deutlich einfacher, das fachliche Personal "auf einem sehr hart umkämpften Markt" zu gewinnen.

Im Aufbau einer Hauptabteilung in Kooperation mit einer großen Klinik liegt derzeit die letzte Hoffnung zum Fortbestand der Tölzer Geburtshilfe. Als Geschäftsführer Joachim Ramming Anfang März verkündete, dass die Belegabteilung zum Monatsende schließen muss, haben er und Horn das bekräftigt. Über die vorliegenden schriftlichen Kooperationsangebote könne man jedoch erst verhandeln, wenn der Kreistag einem jährlichen Zuschuss "im siebenstelligen Bereich" zustimme, hieß es von der Klinikleitung. Der wird sich am 24. März mit dem Thema befassen. Eine Woche vorher werden Experten im Kreisausschuss ihre Sicht der Dinge darlegen.

Aus eigener Kraft könne die Asklepios-Stadtklinik eine Hauptabteilung auch in Kooperation mit einer großen Klinik nicht stemmen, teilt Horn mit. Für eine solche Hauptabteilung rechne die Klinik mit einer Finanzierungslücke von 1,8 Millionen Euro pro Jahr. "Schon heute verursacht die Belegabteilung der Stadtklinik ein Defizit von etwa 400 000 Euro", erklärt Horn. Das habe man in Kauf genommen, um werdenden Müttern eine wohnortnahe Versorgung zu bieten. "Wir sind auch weiterhin bereit, diesen Verlust zu schultern", erklärt Horn. Ihn um weitere 1,8 Millionen pro Jahr auszuweiten, um eine Hauptabteilung zu installieren, sei "angesichts des jährlichen Gesamtverlusts der Klinik in den vergangenen Jahren in deutlicher Millionenhöhe schlicht nicht tragbar", so der Sprecher. "Dieser Verlust ginge unweigerlich langfristig klar zu Lasten der anderen Abteilungen, unserer Mitarbeiter und der Zukunft des gesamten Hauses." Horn betont in diesem Zusammenhang, Asklepios habe seit Übernahme der Stadtklinik "deutlich mehr an Eigenmitteln investiert als an ,Gewinnen' jemals am Standort Bad Tölz erwirtschaftet wurde".

Zuletzt war der Konzern in die Kritik geraten, als Asklepios im Januar die geriatrische Reha-Klinik in Lenggries verkaufte. 70 Angestellte verloren ihren Job, 30 von ihnen sollen in der neuen Akut-Geriatrie unterkommen, die der Betreiber in der Stadtklinik aufbauen will. Der scheidende Belegarzt Stephan Krone erhob schwere Vorwürfe gegen den Klinikbetreiber: Er konzentriere sich nur auf lukrative Spezialabteilungen. Das Angebot des Kreistags komme Asklepios nun zupass, um auch die Geburtshilfe outzusourcen. Bereits im vergangenen Jahr habe es ein Angebot aus Agatharied für eine Kooperation bei einer Hauptabteilung gegeben, das die Klinikleitung aber nicht verfolgt habe. Man habe neben der Suche nach Belegärzten "im vergangenen Jahr bereits Kooperationsgespräche mit verschiedenen Kliniken der Region geführt", bestätigt Horn. "Leider führten die damaligen Gespräche nicht zu konkreten Ergebnisse. Das sieht nun anders aus." Die Kooperationsangebote aus Garmisch und Agatharied ließen sich realisieren - "wenn die Politik auch dahinter steht".

Angesichts der nun im Raum stehenden Summen ist das fraglich. Schließlich ist die finanzielle Unterstützung der privaten Klinik im Kreistag umstritten. Sollte das Gremium den Zuschuss ablehnen, wäre das wohl das Ende der Geburtshilfe in Tölz. Bürgermeister Josef Janker (CSU) sieht vor allem die deutsche Gesundheitspolitik, die eine Zentralisierung der Geburtshilfe in großen Häusern anstrebt, für die Schieflage verantwortlich. "Grundsätzlich sollte sich die Gesellschaft überlegen, wie viel ihr eine Geburtshilfe vor Ort wert ist", sagte er.