Wegen Fertigungsproblemen Stadt stoppt Bau des Arnulfstegs

  • Das Brückenprojekt gilt schon länger als eines der aufwendigsten. Allein die Vorbereitungen zogen sich über mehrere Jahre.
  • Vom 12. bis zum 16. August war sogar eine Komplettsperrung der S-Bahn-Strecke zwischen Donnersberger- und Hackerbrücke angesetzt.
  • Laut Baureferat haben die beauftragten Bauunternehmen erklärt, dieses Zeitfenster auf keinen Fall halten zu können.
Von Marco Völklein

Seit Anfang April wird bereits gebaut am geplanten Arnulfsteg östlich der Donnersbergerbrücke. Für 18 Millionen Euro will die Stadt dort eine neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Gleise spannen lassen - um die Wohn- und Bürogebäude im Arnulfpark mit dem südlich der Gleise gelegenen Geschäftsviertel an der Bayerstraße miteinander zu verbinden.

Erste Ausschachtungs- und Fundamentarbeiten fanden statt. Doch nun hat das Baureferat die Bauarbeiten für den geplanten Fußgängersteg kurzerhand gestoppt. Wann es mit den Bauarbeiten weitergehen wird, ist völlig offen.

Zuvor hatten laut Baureferat die zwei Bauunternehmen, die sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen und den Auftrag ergattert hatten, über "Fertigungsprobleme im Bereich Stahlbau" geklagt - und den städtischen Planern signalisiert, dass sie die für den Sommer angesetzten Bautermine nicht werden einhalten können.

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"Damit ist das Baureferat leider gezwungen, der Arbeitsgemeinschaft den Auftrag zu kündigen und eventuell verursachte Schäden bei ihr geltend zu machen", erklärte die Stadt am Mittwoch. Wie hoch der Schaden sein könnte, wollten die Planer der Stadt nicht sagen.

Juristisches Gezerre hinter den Kulissen

Das Brückenprojekt gilt schon länger als eines der aufwendigsten. Allein die Vorbereitungen zogen sich über mehrere Jahre. Denn um die Brücke über das Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs ziehen zu können, müssen die Ingenieure zwei neue Pfeiler zwischen die Gleise betonieren. Zudem müssen Oberleitungsmasten versetzt und Signale neu angeordnet werden.

Mit das Kniffligste allerdings war, die Bauarbeiten mit dem Betrieb der Deutschen Bahn (DB) auf dem stark befahrenen Abschnitt kurz vor dem Hauptbahnhof zu koordinieren. Damit die Baufirmen zwischen den Gleisen arbeiten können, muss die Bahn einige Gleise immer wieder sperren. Vom 12. bis zum 16. August war sogar eine Komplettsperrung der S-Bahn-Strecke zwischen Donnersberger- und Hackerbrücke angesetzt.

Laut Baureferat hat die Arbeitsgemeinschaft erklärt, dieses Zeitfenster auf keinen Fall halten zu können. Und einen Ersatzanbieter habe man so kurzfristig nicht auftreiben können. Die Namen der Firmen wollte das Baureferat auch auf Nachfrage nicht nennen. Hinter den Kulissen gibt es aber bereits ein juristisches Gezerre, ob die Ausschreibung der Stadt konkret genug formuliert war. Zumindest das Baureferat hat bereits Anwälte und Gutachter eingeschaltet, um diese Frage zu klären.

Völlig offen ist, wie es nun weitergeht mit dem Projekt. Bei der Bahn jedenfalls lag bis Mittwochnachmittag noch keine Information des Baureferats zu der Verschiebung vor. "Daher können wir auch noch nicht abschätzen, wie es weitergeht", erklärte ein DB-Sprecher. Unklar ist daher, ob die für August vorgesehene Totalsperre der S-Bahn-Stammstrecke abgeblasen wird oder nicht.

Eingriffe in den Zugverkehr müssen weit im Vorhinein angemeldet werden

Zudem hatte die DB seit Anfang April in mehreren Nächten den S-Bahn-Verkehr bereits ausgedünnt: So befuhr jeweils von 20.45 bis 4.45 Uhr nur noch die S 4 die Strecke zwischen Pasing und Ostbahnhof. Dieses Schrumpfangebot sollte eigentlich in weiteren Nächten bis zum 10. Mai durchgezogen werden. Ob es nun bereits vorher beendet wird, konnte der DB-Sprecher am Mittwoch nicht sagen.

Das Problem ist nämlich: Eingriffe in den Zugverkehr müssen weit im Vorhinein angemeldet werden - damit die DB die Veränderungen in Fahrplänen hinterlegen sowie Wartungs- und Dienstpläne anpassen kann. "Kurzfristig da etwas zu ändern, geht kaum", sagt der Sprecher.

Genau deshalb ist auch der weitere Bauablauf unklar. Die für August geplante Vollsperrung hatte die Stadt bei der DB bereits im September 2013 anmelden müssen - also gut zweieinhalb Jahre vorher. Daher gehen die städtischen Planer jetzt schon davon aus, dass sich das nächste Zeitfenster für den Einbau der stählernen Brückenteile "erst in einigen Jahren" auftun wird.

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