Vergabe von Spenderorganen Kritik von Montgomery

Der Präsident der Bundesärztekammer verschärft seine Kritik an den Zuständen im Klinikum rechts der Isar. Das Klinikum habe nicht alle Auffälligkeiten bei der Vergabe von Spenderorganen selbst gemeldet, sagt Frank Ulrich Montgomery.

Von Christina Berndt

Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery verschärft seine Kritik an den Lebertransplantationen des Münchner Klinikums rechts der Isar. Der Selbstprüfung des Klinikums seien vier Fälle von gravierenden Unregelmäßigkeiten entgangen. Zwei davon ließen sich nur schwer als Fehler erklären.

Im Fall der Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen am Münchner Klinikum rechts der Isar widerspricht der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, der Darstellung der bayrischen Staatsregierung. Das Klinikum habe nicht alle Auffälligkeiten selbst gemeldet, sagte er der SZ.

Vielmehr hätten die Prüfer der BÄK vier besonders schwerwiegend erscheinende Fälle erst bei der Begehung entdeckt; in diesen Fällen erhielten Patienten eine Spenderleber, die ihnen offenbar gar nicht zustand. Diese vier fragwürdigen Transplantationen seien den Verantwortlichen am Klinikum rechts der Isar bei ihrer Selbstprüfung offenbar entgangen.

So hätten zwei Patienten mit einer metastasierten Krebserkrankung eine Spenderleber erhalten; Metastasen seien aber ein klares Ausschlusskriterium für die Transplantation. Dass die Patienten trotzdem ein Organ bekommen haben, sei kaum zu begründen und lasse sich aus seiner Sicht auch nur schwer mit einem Versehen erklären.

Dieser Interpretation widerspricht Uwe Heemann, der Leiter des Transplantationszentrums am Klinikum rechts der Isar. Die beiden Transplantationen der Krebspatienten seien richtlinienkonform gewesen, sagt er. Es habe sich um sehr langsam wachsende, seltene Tumoren gehandelt, bei denen eine Transplantation auch dann noch sinnvoll sei, wenn bereits Metastasen vorliegen. "Dass die Patienten einen Platz auf der Warteliste bekamen, war mit Eurotransplant abgesprochen", betont Heemann. Die Stiftung Eurotransplant teilt die Spenderorgane nach den Kriterien Dringlichkeit und Erfolgsaussicht den passenden Patienten auf der Warteliste zu.

In weiteren strittigen Fällen stand in den Krankenakten, dass Patienten eine Blutwäsche erhalten haben, obwohl dies offenbar nicht der Fall war. Eine Blutwäsche deutet auf Nierenversagen und macht die Transplantation dringlicher. Schließlich haben Kranke aufgrund von Laborwerten eine Spenderleber bekommen, die als fragwürdig erscheinen.

Insgesamt erinnere die Art der Auffälligkeiten - Indikationsverstöße, fälschlich angegebene Dialysen und falsche Laborwerte - an den Organskandal von Göttingen, so Montgomery. "Ich sehe dasselbe Muster." Ob Vorsatz im Spiel gewesen sei, sei zum jetzigen Zeitpunkt aber offen und müsse nun vorrangig geklärt werden.

Das Klinikum rechts der Isar erklärte im Gespräch mit der SZ, es habe bei der eingehenden Überprüfung aller Lebertransplantationen der vergangenen fünf Jahre insgesamt sieben Auffälligkeiten gefunden. Darüber hinaus seien bei der Begehung durch die Prüfer der Bundesärztekammer Fragen zu weiteren Fällen aufgetreten.

Die BÄK habe aber auch manche Auffälligkeiten, die das Klinikum gemeldet habe, als unwesentlich gewertet. So stünden jetzt insgesamt neun Fälle von Unregelmäßigkeiten im Raum. Bis Montag ging man am Klinikum davon aus, dass nur Fehler gemacht wurden, aber keine kriminellen Absichten hinter der Bevorzugung von Patienten bei der Organvergabe standen.