Ude vs. Hoeneß Unwürdig und deplatziert

In herzlicher Abneigung verbunden: Uli Hoeneß erhielt 2010 den Goldenen Ehrenring der Stadt München von Christian Ude (l.)

(Foto: Robert Haas)

Neuer Höhepunkt eines alten Kleinkriegs: Christian Ude drischt verbal auf Bayern Münchens früheren Präsidenten Uli Hoeneß ein. Doch das Nachtreten von Münchens Ex-OB ist ohne Maß.

Ein Kommentar von Nina Bovensiepen

Der Begriff des Nachtretens bedeutet im Fußball, dass ein Spieler einen bereits verletzt am Boden Liegenden tritt oder sich mit einem Tritt für ein Foul revanchiert. Christian Ude, soeben aus dem Amt geschiedener Oberbürgermeister von München, führt gerade in vollendeter Form vor, wie Nachtreten auf politischer Bühne aussehen kann. Der bekennende 1860-Fan Ude hat in einem Spiegel-Interview jetzt sein seit Jahren gestörtes Verhältnis zu Uli Hoeneß aufgearbeitet. Der FC-Bayern-Manager habe den Hals nicht vollbekommen können; er, Ude, habe Hoeneß nie mit "Anstand und Gelassenheit verlieren sehen"; Hoeneß zeichne sich durch eine "eine klare, einfache Weltsicht" aus - und so geht es munter weiter.

Das Interview erscheint just nach Udes feierlicher Verabschiedung in München, wo der frühere Oberbürgermeister am Freitag ebenfalls nachtrat - und zwar in Richtung seines Nachfolgers Dieter Reiter. Dem neuen Münchner Stadtoberhaupt warf Ude indirekt vor, bei der Bildung einer Koalition zu versagen. Weiter war der Abschiedsrede zu entnehmen, dass die SPD das Bündnis mit den Grünen in der Stadt im Zuge des - tatsächlich unwürdigen - Postengeschachers zu leichtfertig drangegeben habe.

Sowohl was die Kritik an Uli Hoeneß wie an Dieter Reiter angeht, enthalten Udes Worte bedenkenswerte, teils treffende Punkte. Dennoch ist dieses Nachtreten unwürdig und deplatziert.

Abschied mit Ironie und Kritik

mehr...

Uli Hoeneß ist kürzlich in einem Prozess verurteilt worden und geht bald ins Gefängnis. Dieter Reiter steht in schwierigen politischen Verhandlungen, bei denen er nicht glücklich agiert, die aber irgendwann ein Ergebnis bringen müssen, damit in München politisch wieder gearbeitet wird.

Christian Ude hat den falschen Zeitpunkt gewählt und sich im Maß vergriffen mit der Kritik an Hoeneß und Reiter - an zwei Männern übrigens, die sehr gut miteinander können, anders als Ude ist Reiter bekennender FC-Bayern-Fan. Diese Gemengelage macht das Ganze nicht weniger pikant. Aber das dürfte Ude bewusst gewesen sein.