Terrrorwarnung in München Das plötzliche Bedürfnis nach mehr Polizei

Der Münchner Hauptbahnhof am Morgen nach der Terrorwarnung.

(Foto: Getty Images)

Oft wird darüber diskutiert, ob die Polizei bei Einsätzen zu große Geschütze auffährt. Nach der Terrorwarnung in München sind nun ganz andere Stimmen zu vernehmen.

Kommentar von Nina Bovensiepen

Mit dem Aufmarsch von 1200 Polizisten war für viele das rechte Maß weit überschritten. 1200 Polizisten kamen am Ostermontag vergangenen Jahres zum Einsatz, um das Derby zwischen den Regionalligamannschaften des FC Bayern und des TSV 1860 zu schützen. Ein massiver und aufwendiger Einsatz, der eine Debatte hervorrief, die auch in jüngerer Zeit in München des Öfteren geführt wurde: Übertreibt es die Polizei?

Fährt sie zu große Geschütze auf? Bei Fußballspielen gibt es die Diskussion regelmäßig. Auch bei Pegida-Demonstrationen flammte sie auf, weil das Aufgebot der Polizei gegen manchmal nur ein Häuflein Pegidisten mitunter übertrieben wirkte.

In den ersten Januartagen sind in München ganz andere Stimmen zu hören. Nach der Terrorwarnung - welche die Sicherheitsbehörden exzellent gemeistert haben, soweit das jetzt einzuschätzen ist - wurde die Präsenz von Beamten in Uniform zügig stark reduziert. Das beunruhigt viele Menschen.

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Kann es richtig sein, dass am 1., 2. und 3. Januar am Hauptbahnhof kaum noch Polizisten zu sehen waren, war eine häufig gestellte Frage in diesen Tagen. Kann es sicher sein, wenn der öffentliche Nahverkehr nur mit Videokameras überwacht wird? Müssten nicht viel mehr Polizisten in S- und U-Bahnen unterwegs sein?

Plötzlich ist ein Bedürfnis nach mehr statt nach weniger Polizei spürbar. Natürlich nicht bei allen, natürlich schwankt das subjektiv stark. Aber es ist ernst zu nehmen. Denn es mag zwar stimmen, was Polizeipräsident Hubertus Andrä und Oberbürgermeister Dieter Reiter an Neujahr gesagt haben, dass nämlich die Münchner ihr Leben wegen möglicher Terrorbedrohungen nicht ändern sollen. Diesem werden die Menschen aber nur folgen, wenn sie sich auch sicher genug fühlen, ihren Lebensstil so aufrechtzuerhalten wie bisher.

Anders als nach einem Fußballderby, das nur einen Nachmittag oder Abend währt, wird die Münchner Polizei, ebenso wie andere Sicherheitsbehörden und die Politik, künftig vermutlich noch viel häufiger die Frage nach dem rechten Maß von (gefühlter) Sicherheit abwägen müssen. Sie werden überlegen müssen, ob ein Schutzmann in der S-Bahn mitfahren oder am Bahnhof stehen soll, weil Menschen sich so geschützter fühlen - ober ob sich zu viele Münchner dadurch in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen. Das ist eine schwierige Gratwanderung. Aber es ist essenziell für das friedliche Zusammenleben in einer Großstadt wie München, dazu die angemessenen Antworten zu finden.

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