Terrorwarnung So sieht Münchens Islamisten-Szene aus

Terrorwarnung am Münchner Hauptbahnhof

(Foto: Stephan Rumpf)

Wie viele Menschen aus München haben sich in den Dschihad aufgemacht? Werden im Freistaat ankommende Flüchtlinge durch Islamisten angeworben? Ein Überblick.

Von Katja Riedel

München und der Freistaat sind kein Schwerpunkt der salafistischen Szene, zu der Sicherheitsbehörden in ganz Deutschland mehr als 7800 Menschen zählen. In München selbst schätzen die Behörden etwa ein Dutzend Personen als sogenannte Gefährder ein. Ihnen sind mehr als zehn Münchner bekannt, die sich in den Dschihad aufgemacht haben sollen. Die Schwerpunkte der Bewegung aber liegen anderswo - im Rheinland etwa, in Frankfurt und auch in Berlin.

Aus Sicherheitskreisen ist zu hören, dass bislang mehr als 60 Menschen aus Bayern gen Syrien oder Irak ausgereist sind oder dies konkret geplant haben, etwa 20 Rückkehrer leben im Freistaat. Sie werden von der Polizei für gefährlich gehalten, weil sie als radikalisiert gelten. Zudem wird befürchtet, dass mancher von ihnen mit einem Kampfauftrag zurückgekehrt sein könnte. Diesen Personen die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung nachzuweisen und gegen sie vorzugehen, ist juristisch heikel.

Was zum Terrorverdacht in München führte

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Zuletzt gab es die Befürchtung, in München könnten ankommende Flüchtlinge durch Islamisten angeworben werden. Diese Befürchtung konkretisierte sich laut Innenministerium aber nur in vereinzelten Fällen. So wurden Anfang September zwei Brüder, die dem politischen Salafismus zugerechnet werden, am Hauptbahnhof beobachtet. Sie gehören der afghanischen Gemeinde München an und sollen für den Islam missioniert haben.

Sichtbar wird die salafistische Szene in München regelmäßig an den sogenannten Lies!-Ständen. Dort finden sich Islamisten, die regelmäßig kostenlose Koran-Übersetzungen verteilen. Hinter Lies! stehen der radikale Prediger Ibrahim Abou-Nagie und seine Organisation "Die wahre Religion", die an jeden deutschen Haushalt einen Koran verteilen will.

Auch in München gibt es diese Stände: An vielen Samstagen werden sie aufgebaut, mal am Stachus, mal in der Neuhauser Straße oder am Einkaufszentrum Pep. Bei Lies! wurden zuletzt auch junge Münchner radikalisiert, die später versuchten, in die dschihadistischen Kriegsgebiete zu kommen.

So etwa im Fall der inzwischen 17-jährigen Neuriederin Elif Ö., die im Frühjahr zur Terrormiliz Islamischer Staat nach Syrien ausreiste. Auch ein 13-jähriger Münchner, der erst kurz vor der syrischen Grenze gestoppt wurde, wurde dort radikalisiert.

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