Taxisgarten

Früher glaubte ich, das größte Sommerglück sei der Genuss von Spareribs unter Glühbirnenketten, zwischen den Kastanien des Taxisgartens. An keinem anderen Ort der Stadt werden diese dunkel verbrutzelten Schweinerippen so üppig auf den Teller geschichtet, so genüsslich in roter Tunke ertränkt, und nirgends sieht man danach so lustvoll bis über beide Ohren eingesaut aus wie dort.

Doch seit ich meine Tochter habe, weiß ich es besser: Die Welt im Taxisgarten dreht sich um etwas ganz und gar anderes. Meine Tochter war keine zwei Jahre alt und konnte noch kaum sprechen, als sie auf dem Arm unseres Au-Pair-Mädchens von ihrer ersten Fahrt auf dem niedlichen elektrischen Nostalgie-Karussell zurückkam, dessen fröhliches Gedudel die umstehenden Tische stets mitunterhält. "Sag' der Mama, was Du brauchst", sagte Nasi, die aus Georgien stammte. Da streckte mir meine Tochter ihr Händchen hin - und rief: "Geld!" Susanne Hermanski

www.taxisgarten.de

Bild: Imago Stock&People 15. April 2015, 11:372015-04-15 11:37:07 © SZ.de/tba