Streit um Polizeieinsatz "Der Anwalt lügt"

Michael Piazolo von den Freien Wählern nannte es "nicht angebracht", dass Herrmann so intensiv aus den Akten zitiert habe. Auch OB Christian Ude übte Kritik an Herrmann. Der Innenminister hätte sich mit Aussagen über die Vorgeschichte besser zurückhalten sollen. "Wenn man einen Sachverhalt unvoreingenommen aufklären will, dann sollte man sich nicht vorher festlegen."

Die Kritik der Opposition könnte der Innenminister noch als übliches politisches Spiel abtun. Dass aber auch die FDP auf Distanz geht und auf lückenlose Aufklärung des Falles pocht, belastet das ohnehin angespannte Klima in der schwarz-gelben Koalition weiter.

"Der Anwalt lügt"

FDP-Fraktionsvize Andreas Fischer bezeichnete es als "nicht angemessen", in einer Plenardebatte Details zu Lasten einer Bürgerin anzusprechen. In dem Fall seien noch zu viele Fragen ungeklärt. Es sei für ihn "schwer vorstellbar, warum ein kräftiger Polizeibeamter eine zierliche Frau, die gefesselt war, mit einem Faustschlag niederstrecken musste".

Der CSU-Abgeordnete Florian Herrmann verteidigte hingegen Herrmanns Vorgehen als "völlig richtig". Dass der Minister über angebliche psychische Probleme der Frau öffentlich gesprochen habe, gehöre "zum Gesamtbild". Dem Anwalt der Frau warf er vor, die Unwahrheit zu sagen. "Der Anwalt lügt", sagte Herrmann. "Er behauptet irgendwelches Zeug."

Aus dem Innenministerium hieß es am Freitag, Herrmann habe im Landtag keine privaten Daten genannt und auch niemals von einer psychischen Krankheit gesprochen - sondern nur darüber, dass die Polizei von der Stadt München um Amtshilfe gebeten worden sei. Allerdings hatte sich Herrmann explizit auf Amtshilfe gemäß dem Unterbringungsgesetz bezogen, das die Betreuung psychisch Kranker behandelt.