Ludwig-II.-Doppelgänger Der Kini lebt

Siegfried Mathes weist eine verblüffende Ähnlichkeit mit König Ludwig II. auf. Dieses Foto von ihm in der Königsrobe wird auch von Touristen gerne gekauft.

(Foto: privat)

Siegfried Mathes sieht dem Märchenkönig Ludwig II. verblüffend ähnlich. Passenderweise ist er auch der neue Kopf der Königstreuen und hat am Sonntag seinen ersten großen Auftritt.

Von Otto Fritscher

Mancher Besucher der Gedenkfeier anlässlich des 132. Todestages von König Ludwig II. in der Votivkapelle im Berger Schlosspark wird sich an diesem Sonntag verdutzt die Augen reiben: Ja ist denn der Kini wieder auferstanden? Fast könnte man es meinen, aber der Mann, der wie seit Jahren am Eingang der Kapelle stehen wird, ist Siegfried Mathes. Der Mann aus Neumarkt in der Oberpfalz schlüpft hin und wieder in die Rolle des Märchenkönigs. "Ich bin da irgendwie hineingewachsen", sagt Mathes, wobei wahrscheinlich auch die Ähnlichkeit seiner Physiognomie mit Ludwig II. geholfen haben dürfte. Verblüffend ähnlich auch die Frisuren.

Man traut sich ja kaum, Mathes zu fragen, ob seine echt ist? "Natürlich", versichert er, "ich fahre einmal mit der Hand durchs Haar, schüttele mich, und schon ist alles in Fasson." Begleitet wird er oft von seiner Frau Elisabeth, einer Gymnasiallehrerin, die als Sisi gewandet nicht von seiner Seite weicht. Eigentlich hatte Mathes, 66, einen gutbürgerlichen Beruf: zunächst Maschinenbauer, dann Maschinenbauingenieur, er hat im elterlichen Betrieb gearbeitet und mit Immobilien und Antiquitäten gehandelt. Jetzt hat er sich bei Waldsassen ein Gebäude geleistet, das, wie er selbst sagt, "an ein Schloss erinnert". Seine Frau hat er auf einer Münchner Antiquitätenmesse kennengelernt. "Wir haben sofort gewusst, wie gut wir zusammenpassen."

Wie gut kennen Sie Ludwig II.?

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Schon als Kind wurde der kleine Siegfried "Wiggerl" gerufen, die bayerische Koseform von Ludwig, weil er eben dem so ähnlich sah. Vor 30 Jahren, beim 100. Todestag von Ludwig II. wurde es dann ernst: Mathes hat angefangen, sich intensiv mit Ludwig und dessen Lebens- und Schaffenswerk zu beschäftigen. Er ist mittlerweile ein glühender Verehrer des Königs, bewundert ihn für dessen "Neugier und technische Begeisterung, und für die wunderbaren Bauwerke". Mathes hat angefangen, alles zu sammeln, was mit dem Kini zu tun hat: Bilder, Stiche, Schriften, Gemälde.

Dabei hat es Mathes selbst schon auf Bilder gebracht, als Fotomotiv. Das war vor ein paar Jahren am Königssee, wo eine Fotografin an einem Stand einen Fundus von Kostümen bereithielt - man konnte in diverse Rollen schlüpfen, vom Cowboy bis zum König. "Die hat mich gesehen und so ist das Foto mit dem Königsgewand entstanden", erinnert er sich. Das Motiv war auch bei Touristen sehr beliebt, vor allem bei japanischen. "Wahrscheinlich hängt mein Bild in japanischen Wohnzimmern", sagt Mathes und lacht.

Fürs Fernsehen hat er schon den Ludwig gemacht, aber auch für den Imagefilm einer englischen Luftfahrtgesellschaft mit dem schönen Namen Monarch Airlines, die von Großbritannien aus eine Flugverbindung nach München eröffnete. Am Gate warteten die TV-Teams - und Doubles von Prinz William und Herzogin Kate entstiegen dem Flugzeug, begrüßt von Ludwig II. Als Double sieht sich Mathes dennoch nicht. "So einfach buchen kann man mich nicht", sagt er, aber einen Imagefilm für eine Glashütte im Bayerwald hat er dann doch gemacht.

Der Vorsitzende der Königstreuen wird ernannt, nicht gewählt

Seit kurzem ist Mathes auch in offizieller Mission in Sachen Ludwig II. unterwegs. Er hat von Christa Baumgartner den Vorsitz der 1913 gegründeten "König Ludwig II. - Deine Treuen" übernommen. "Da wird man nicht gewählt, sondern ernannt", erklärt Mathes, ganz nach monarchistischer Tradition. Gut 60 Mitglieder hat die Vereinigung, die jedes Jahr zur Gedenkmesse in der dieses Jahr frisch renovierten Votivkapelle einlädt.

Vermutlich werden auch die Guglmänner vorbeischauen, ein Geheimbund, der nicht daran glaubt, dass Ludwig II. im See ertrunken ist. "Die kenn' ich bestimmt, aber ich weiß trotzdem nicht, wer sie sind", sagt Mathes geheimnisvoll. Und führt ein Motto des Königs an: "Ein ewig Rätsel will ich bleiben - mir selbst und anderen." Eine Rede halten wird Mathes nicht. "Nein, das kann ich nicht", sagt er. Bleibt noch eine Frage an den Königstreuen: Wie ist Ludwig II. ums Leben gekommen? Siegfried Mathes zögert mit der Antwort und dann sagt er: "Ertrunken ist er bestimmt nicht."

Die Gedenkfeier in der Votivkapelle beginnt am Sonntag, 10. Juni, um 10.30 Uhr. Aus dem Hause Wittelsbach haben Christoph Prinz von Bayern und seine Gemahlin Gudila Prinzessin von Bayern ihr Erscheinen zugesagt. "Ich weiß das aus erster Hand", sagt Mathes. Und es klingt fast ein bisschen ehrfürchtig.

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