Kommentar Verscheuchte Touristen

Die Debatte über die Mückenplage hat Nebenwirkungen

Von Armin Greune

Es klang erst nach einem PR-Coup für bevorstehende Wahlkämpfe, als die CSU im August vergangenen Jahres gegen die Mücken am Ammersee Position bezog. Kein Wähler oder politischer Gegner würde wohl dem griffigen Slogan "Mückenplage - Nein danke" die Zustimmung verweigern, wenngleich auch die zentrale Forderung, mit dem Hubschrauber BTI gegen die Blutsauger zu versprühen, nicht die geringsten Erfolgsaussichten verspricht.

Hinter dem CSU-Landtagsabgeordneten Alex Dorow bezogen bald Echings Bürgermeister Siegfried Luge und Schondorfs gescheiterter Bürgermeisterkandidat Rainer Jünger Stellung: Der Gemeinderat kritisierte dann auch, dass fast alle Bürgermeister einer CSU-Podiumsdiskussion im Oktober fernblieben: "Dabei müsste es doch gerade in ihrem Interesse sein, Dorfleben und Fremdenverkehr nicht durch so massive Mückenüberfälle wie heuer zu beeinträchtigen", hieß es.

Wenige Monate später geriet dann die Mückenkampagne aus dem Ruder. Obwohl selbst der im Feldzug gegen die Brummer seit 17 Jahren bewährte Haudegen Luge wiederholt feststellen musste, dass selbst am Nordufer heuer "leider" keine Mückenplage herrsche, schlug Jüngers Internet-Initiative Wellen. Die SZ berichtete mehrfach über die Luftangriffe am Ammersee, Radio, Fernsehen und Illustrierte griffen das Thema auf. Auslöser war die Mitteilung des Echinger Lokals "Strandhaus", dass sie am Nachmittag des 31. Mai vorzeitig den Betrieb einstellten, weil die Mitarbeiter angeblich 40 Stiche davongetragen hätten.

Die Folge: Nicht nur im Strandhaus blieben die Gäste aus, auch die Tourist-Information in Dießen hat feststellen müssen, dass die Nachfrage nach Zimmern wegen der vermeintlichen Mückenplage deutlich zurückgegangen ist. Für das Gastgewerbe war die Initiative also ein klassischer Rohrkrepierer.

Aber vielleicht ist ja wenigstens so mancher Wähler am Ammersee dankbar, wenn sich dank der Mücken heuer der Andrang der Urlauber in Grenzen hält.