Spenden für Flüchtlinge Wie Sie helfen können - und wie nicht

Spendenannahme in einem Münchner Flüchtlingsheim. Inzwischen werden vielerorts keine Kleiderspenden mehr angenommen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Leid der Flüchtlinge berührt viele Menschen. Sie wollen helfen. Bei Sachspenden sind die Deutschen besonders großzügig. Doch zahlreiche Hilfsorganisationen nehmen inzwischen keine Kleidung mehr an. Stattdessen brauchen sie Hilfe beim Sortieren.

Von Anna Fischhaber

Blaue Müllsäcke stapeln sich. Darin: Tonnen an Kleidern, Schuhen, Spielzeug. Die Innere Mission München musste extra eine Lagerhalle suchen, in der jetzt täglich Helfer die Spenden sortieren. Seit Deutschland über das Leid der immer zahlreicheren Flüchtlinge spricht, hat sich die Spendenbereitschaft drastisch erhöht. Besonders in Bayern, wo aufgrund der geografischen Lage besonders viele Asylbewerber stranden.

80 Tonnen Sachspenden seien in nur drei Wochen zusammengekommen, erzählt Klaus Honigschnabel von der Inneren Mission München. So viel, dass es inzwischen auf der Homepage der evangelischen Einrichtung heißt: "Aufgrund der Vielzahl an Kleiderspenden haben wir derzeit keine Lagerkapazitäten mehr. Bitte machen Sie eine Spendenpause bis Mitte Dezember."

Auch beim Roten Kreuz wurde man von der Masse an Spenden überrollt: "Danke - bitte vorerst keine Kleider spenden", dazu ruft etwa das Team der Kleiderkammer München Süd des Bayerischen Roten Kreuzes in einem Werbeblatt auf. Auch beim Roten Kreuz in Würzburg ist man offenbar längst an die Kapazitätsgrenzen gestoßen.

Wie kann ich helfen

"Zu viele Spenden gibt es nicht", sagt dagegen ein Mitarbeiter der Sozialkaufhauses Diakonia, dass die Kleiderausgabe für die Bayernkaserne in München organisiert. Aber auch er muss zugeben: "Derzeit haben wir definitiv ein Problem mit der Sortierung." Statt nur Sachspenden sucht das Kaufhaus nun vor allem ehrenamtliche Mitarbeiter, die bei der Spendenannahme und Spendenausgabe mithelfen. Wer mitarbeiten will, kann sich hier informieren.

Was kann ich spenden - und was nicht

Viele Hilforganisationen stehen vor dem gleichen Problem: Längst nicht alles, was zusammenkommt, wird auch gebraucht. Besonders drastisch scheint die Situation einem Fernsehbericht zufolge beim Sozialkaufhaus Prozent-Markt in Garmisch-Partenkirchen zu sein. "Anlieferung außerhalb der Öffnungszeiten werden ausnahmslos angezeigt", steht auf einem Schild am Hintereingang. Morgens finden Mitarbeiter hier immer wieder Unrat - von verschimmelten Lebensmitteln über alte Verkehrsschilder. Manche Spender verwechseln offenbar das Sozialkaufhaus mit einer Müllhalde. Oder denken nicht darüber nach, ob ihre Spende wirklich hilft.

Auch beim Bayerischen Flüchtlingsrat standen schon ein Korb mit Brot oder ein alter Bürostuhl vor der Tür. "Das können wir dann nur an Passanten weiterschenken oder müssen uns um die Entsorgung kümmern", erzählt Mitarbeiter Ben Rau. Auch bei der Inneren Mission in München kennt man das Problem: "Anfangs haben wir vor allem leichte Sommerhemden bekommen, mit denen wir im Winter natürlich nichts anfangen können", sagt Honigschnabel. Zudem hätten viele Spender verschmutzte oder kaputte Sachen gebracht, die die Innere Mission dann entsorgen musste - das ist natürlich mit Kosten verbunden. Die Spender verstünden das oft nicht: "Mit zerrissenen Unterhosen oder High Heels können wir nichts anfangen. Das sorgt leider für Verärgerung bei Leuten, die Gutes tun wollen."

Was kann man gegen das Geschäft mit den Flüchtlingen tun?

Vor Europas Grenzen sammeln sich die Flüchtlinge. In Istanbul und anderen Städten warten sie auf eine Chance, um in die EU zu kommen. Doch die Grenzen sind stark bewacht - ein Riesengeschäft für Menschenschleuser. Bis zu acht Milliarden Euro verdienen sie jedes Jahr mit Flüchtlingen. Was denken Sie, wie kann das Geschäft der Schleuser gestoppt werden. Diskutieren Sie mit uns. mehr ... Ihr Forum

Die Haltung mancher Menschen beim Spenden verwundere schon, sagt auch eine Mitarbeiterin der Diakonia. "Da räumen die Leute ihren Keller aus und denken: Für die Flüchtlinge sei das doch gut genug." Honigschnabel und sie sagen aber auch: Seitdem Bedarfslisten eingerichtet wurden, habe sich die Situation verbessert. Dringend gesucht werden derzeit nur noch Männerklamotten in Größe S. Denn auch das ist ein Problem: Nur etwa fünf Prozent der abgegeben Second-Hand-Kleidung ist von Männern. "Das meiste davon ist allerdings in Größe XL, viele Flüchtlinge sind aber nun mal klein und schmal", heißt es bei der Diakonia. Eine aktuelle Bedarfsliste finden Sie hier.

Was passiert mit Geldspenden

Wenn es um finanzielle Spenden geht, sind die Deutschen einer Studie zufolge zurückhaltender als Amerikaner oder Briten. Allerdings hat die Innere Mission in den vergangenen Wochen deutlich mehr Geldspenden bekommen. Davon werden dann etwa MVV-Tickets, Hygieneartikel oder Medikamente gekauft. Zudem müssten Dolmetscher bezahlt werden. Die Politik habe zwar beim Betreuungsschlüssel nachgebessert, sagt der Sprecher der Inneren Mission - "doch was helfen Sozialpädagogen, wenn sie sich mit den Flüchtlingen nicht verständigen können".

Zu Geldspenden berät etwa die Stadt München (Telefon: 089 23348042). Auch professionelle Helfer vom Flüchtlingsrat oder vom Behandlungszentrum Refugio freuen sich über finanzielle Unterstützung. Beim Bayerischen Flüchtlingsrat gibt es derzeit 500 zahlende Fördermitglieder und auch von den Weihnachtsbriefen erhofft man sich Geld. Doch die Situation ist alles andere als rosig. Drei Mitarbeiter müssten nun auf die Straße gesetzt werden, sagt Ben Rau. Dabei würden gerade jetzt professionelle Arbeitskräfte dringend gebraucht.