Sendling/Altstadt Fitness für die Körperlosen

Judith Egger hat Kraft- und Ausdauergeräte entwickelt, an denen "feinstoffliche Wesen" trainieren

interview Von Jutta Czeguhn, Sendling/Altstadt

Im Mai eröffnete Judith Egger temporär das weltweit wahrscheinlich erste Pop-up-Studio für körperlose Wesen im Kunstraum Bogenhausen, Ismaninger Straße 106. Auf 40 Quadratmetern konnten "die Feinstofflichen", wie sie ihre Klientel nennt, individuell Fitness trainieren. Von der Künstlerin als zertifizierte Trainerin gab es zuvor eine Grundlageneinleitung an zehn extra für ihre körperlichen Anforderungen entwickelten Geräten. Auch eine Umkleidekabine stand bereit. Einige dieser filigranen Objekte, alle handgefertigt, sind bis zum 13. Dezember noch in der großen Jahresgabenschau des Münchner Kunstvereins, Galeriestraße 4, zu sehen. Für das Klohäuschen, jene Minigalerie im ehemaligen Pissoir an der Großmarkthalle, Thalkirchner Straße 81 / Ecke Oberländerstraße, hat Egger ein weiteres Kraftgerät entwickelt, Motto "Fit durch den Advent". Vernissage, respektive Trainingsstart ist an diesem Freitag, 11. Dezember, 18 Uhr. Im Gespräch mit der SZ erklärt Egger, warum Fitnesstraining auch für Immaterielle ein Muss darstellt.

SZ: Ist der Kraftraum für feinstoffliche Wesen für jene, die nur beim Gedanken an Fitnessstudios mit all dem Gehampel und Geschwitze das Grauen packt? Also für sensible Seelen, respektive faule Socken?

Judith Egger: Nicht wirklich. Menschen gehören ja zu den Feststofflichen, bei den Feinstofflichen handelt es sich um Wesen, die keinen Körper haben. Allerdings kann es sein, dass manche Menschen feinstoffliche Anteile in sich fühlen.

Fur für feinstoffliche Leichtgewichte: Der Streckbock aus Ziegenleder, Messing, Balsaholz hat die Maße 40 x 105 x 30 Zentimeter.

(Foto: Walter Bayer/oh)

Die Zielgruppe Ihres Kraftraums sind also Angehörige einer anderen Ebene des Seins?

Ja, ich bin da aber keine Expertin. Ich kann die ja auch nicht sehen.

Handelt es sich bei den Feinstofflichen um positive oder negative Zeitgenossen? Oder sagt man besser Energien? Na, egal.

Auch das kann ich nicht sagen. Ich gehe aber schon davon aus, dass sie eher zu den Positiven zählen. Und wie die Feststofflichen können diese Wesen abschlaffen. Es ist also wichtig, dass die wieder auf Zack kommen.

Ich könnte meinen Feinstofflichen, oder meinen Anteilen, wenn ich ihnen was Gutes tun will, also einen Kraftraum zu Hause einrichten?

Ja, ich könnte Ihnen da ein Studio zusammenstellen?

Was muss man da so ausgeben?

Einen handgenähten Wandbock aus Ziegenleder gibt es beispielsweise schon für 430 Euro.

An welchen Geräten können sich feinstoffliche Bewegungsfanatiker sonst noch austoben?

Mein Pop-Up-Studio, das auch auf Reisen gehen kann, ist mit Sprungmatten ausgestattet, man kann an Hangel-oder Kletterwänden üben, es gibt Sprungringe und Streckböcke.

Die Künstlerin Judith Egger, Jahrgang 1973, hat in Oberammergau Holzschnitzerei gelernt und am Royal College of Art in London studiert.

(Foto: Walter Bayer/ oh)

Wenn die Feinstofflichen nicht zu sehen sind, woran kann man erkennen, dass die das Studio auch nutzen und nicht, sagen wir, faul an einer Bar abhängen oder in der Sauna schwitzen? Schließlich hat man ja einiges investiert in ihre Fitness.

Beispielsweise, wenn die Sprungringe oder die Slack-Line fast unmerklich in Schwingung geraten oder der Streckbock vibriert. Das ist natürlich alles wahnsinnig subtil, aber wenn die Feinstofflichen feste trainieren, wird sich das Raumklima bei Ihnen zu Hause verbessern.

Wann trainieren die Feinstofflichen, jedes Fitnessstudio hat schließlich feste Öffnungszeiten.

Das Training findet wohl nachts statt, ich vermute zumindest, dass sie eher nachtaktiv sind.

Wird das auch im Klohäuschen der Fall sein?

Das Klohäuschen wird nachts beleuchtet. Es kann also sein, dass man durch die Glastür und die Fenster irgendwelche Aktivitäten feststellen kann.

Welches Trainingsgerät wird den Feinstofflichen im Klohäuschen zur Verfügung stehen?

Das wird eine Überraschung sein.