Schwabing Benefizkonzert zwischen Israelkritik und Antisemitismus

Eigentlich sollte es nur ein Benefizkonzert werden, nichts Politisches, sagt Gerson Raabe, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Erlöserkirche in München-Schwabing.

(Foto: Florian Peljak)
  • In der Erlöserkirche in Schwabing war für Freitagabend ein Benefizkonzert geplant.
  • Nun wurde es abgesagt, nachdem der Vorwurf aufkam, die Veranstaltung sei antisemitisch.
  • Der Organisator rufe zum wirtschaftlichen und kulturellen Boykott Israels auf, so der Vorwurf.
  • Die evangelische Kirche reagierte aufgeschreckt. Die Beteiligten hätten erst zu spät vom politischen Teil des Programms erfahren.
Von Jakob Wetzel

Es sei für diesen Freitagabend eigentlich nur ein Benefizkonzert geplant gewesen, nichts Politisches, sagt Gerson Raabe, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Erlöserkirche in München-Schwabing. Doch nun gibt es Ärger: Einmal mehr steht der Vorwurf im Raum, Aktivisten hätten in München eine Plattform erhalten sollen für Boykottaufrufe gegen Israel und für antisemitische Hetze. Die Beteiligten sind empört und weisen die Vorwürfe zurück. Aber das geplante Konzert ist mittlerweile abgesagt.

Was ist geschehen? Der Pianist Michael Leslie wollte im Gemeindesaal der Kirche ein Konzert unter dem Titel "Alle Menschen sind frei" geben. Die Einnahmen sollte die Organisation Medico International in Palästina erhalten, die sich dort in mehreren Bereichen engagiert, von der Gesundheitsfürsorge bis hin zur Flüchtlingshilfe. Leslie wollte Bach spielen, Beethoven und Schumann. In den Pausen wollte der Schauspieler Christian Schneller die 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vorlesen. Und die israelisch-deutsche Schauspielerin, Musikerin und Autorin Nirit Sommerfeld wollte die Arbeit von Medico International vorstellen.

Kein städtischer Raum für Agitation

Kulturreferat untersagt dem Eine-Welt-Haus die Überlassung für israelkritischen Vortrag Von Thomas Anlauf mehr ...

Doch aus diesen Plänen wird vorerst nichts. In dieser Woche hat eine Gruppe von Münchnern ein harsches Schreiben an die Pfarrer der Erlöserkirche geschickt, zudem an den Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und an die Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. Das Konzert sei in Wahrheit "eine anti-jüdische Veranstaltung", heißt es darin. Die Veranstalter gehörten dem Verein "Salam Shalom Arbeitskreis Palästina-Israel" an und würden die internationale Kampagne "Boycott, Divestment and Sanctions" (BDS) unterstützen, die zum wirtschaftlichen und kulturellen Boykott Israels aufruft. Wenn die Kirche diese Aktivisten mit dem eigenen guten Ruf legitimiere, könne sie ihre Räume auch gleich an die NPD vermieten.

Die evangelische Kirche reagierte aufgeschreckt. Er habe erst durch dieses Schreiben von dem politischen Teil des Programms und von der Rednerin Nirit Sommerfeld erfahren, sagt Pfarrer Raabe. Um das Konzert zu retten, habe er sie überreden wollen, keine politische Rede zu halten. Sommerfeld sagt, sie habe gar nicht mehr sprechen sollen.

Sie ist Geschäftsführerin des im Sommer gegründeten Vereins "Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung" (BIB). Als dessen Geschäftsführerin sei sie eingeladen und als ebensolche auch wieder ausgeladen worden, sagt sie. "Und wie soll so ein Benefizkonzert unpolitisch sein? Man kann nicht Gaza in den Mund nehmen, ohne politisch zu werden." Zudem distanziere sich das Bündnis von der BDS-Kampagne, sagt sie. Es sei aber jedem Mitglied freigestellt, wie es privat dazu stehe.

Raabe sagt, er habe bis Donnerstagabend warten und dann entscheiden wollen, ob man den Saal für das Konzert zur Verfügung stelle. Doch Leslie kam ihm zuvor. Er sagte das Konzert ab. Er sei nicht bereit, "Spielball in irgendwelchen Machenschaften zu werden, faule Kompromisse einzugehen oder gar mir vorschreiben zu lassen, mit wem ich bei meinen Benefizkonzerten zusammenarbeite", schrieb er laut BIB.