Das Viertel ist tot, es lebe das Viertel: Die neue Bar Robinson Kuhlmann zieht die Szene an. Bewahrt sie das Glockenbachviertel vor dem Untergang?
Sie stellen Grablichter auf und schreiben im Internet Abschiedsbriefe. Seit dem Aus für die legendäre Kneipe X-Cess betrauert halb München den Untergang des Glockenbachviertels. Dass es den Bach runter geht, ist nicht zu übersehen. Szene-Bars machen dicht, Künstler können sich das Leben im Viertel nicht mehr leisten, dafür eröffnen ambitionierte Modeläden, und Luxus-Immobilien werden monatlich aus dem Boden gestampft.
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Schlicht, schwarz, szenig: Die Bar Robinson Kuhlmann am Gärtnerplatz. (© oh)
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Doch Totgesagte leben bekanntlich länger - und so wird im Glockenbachviertel gerade Wiederauferstehung gefeiert. Genauer: in der Robinson Kuhlmann Bar in der Corneliusstraße14, direkt am Gärtnerplatz.
Robinson Kuhlmann war Barkeeper in der Disco Erste Liga und hat dort gelernt, wie eine gute Party funktioniert. An der Eingangstür seiner Bar hängt kein Namensschild, dennoch finden so viele Leute hierher, dass sich jede Nacht vor dem Lokal eine Traube bildet.
Das Robinson Kuhlmann hat die Räume des Cherie übernommen. Damals gab es Kölsch, nun Becks, die Einrichtung war schnörkelig, nun ist sie schlicht. Die Wände sind schwarz gestrichen, die Getränkepreise werden darauf mit Kreide notiert. Nur der massive Holztresen erinnert an die alten Zeiten.
In die Bar kommen Münchner bis Mitte 30, für die Ausgehen eine Lebensaufgabe ist. Sie tragen Nerd-Brillen, Mützen und T-Shirts, auf denen "Fuck Yeah" steht. Das Robinson Kuhlmann hat sich den größenwahnsinnigen Beinamen New York Bar gegeben. Ans Untergehen denkt das Viertel also nicht. Es hat noch viel vor.
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(SZ vom 13.08.2010/sonn)
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Warum denkt eigentlich keiner darüber nach, dass es hier um ein Wohngebiet handelt, deren Anwohner logischerweise an dem ohnehin zur Partymeile mutierten Gärtnerplatz Amok laufen, wenn noch eine Bar eröffnet? Diese sind aufgrund der Entwicklung des Gärtnerplatzes der letzten Jahre sehr sensibilisiert, was neue Kneipen und Bars betrifft. Das Argument "die sollen halt woanders hinziehen" oder "selber Schuld, wenn die unbedingt im In-Viertel wohnen müssen" zählt nun wirklich nicht. Wenn man bedenkt, dass eine Menge Leute schon etwas länger hier wohnen, bevor der ganze Rummel im Glockenbach und Gärtnerplatz losging. Warum müssen sich die Anwohner auch noch verteidigen? Es müsste doch selbstverständlich sein, dass Rücksicht genommen wird. Als Anwohner in dem Viertel hat man aber damit anscheinend schlechte Karten und ist ziemlich „uncool“ und wird schlichtweg vom Partyvolk überrollt. Manchmal habe ich schon das Gefühl, die Anwohner sind diejenigen, die Rücksicht nehmen müssen (?) Man muss auch wirklich zwischen einem Tagescafe und einer Nachtbar unterscheiden. Wenn diese in einem ganz normalen Wohnhaus aufmacht und jeden Abend 150 Mann vor der Bar stehen, ist das nicht mehr zumutbar und man merkt schnell, dass die Betreiber nicht Herr der Lage sind. Wir leben anscheinend in einer Zeit in der es jeder mal darauf ankommen lässt und sich dann auch noch wundert, wenn es massive Proteste gibt. Man hätte da im Vorfeld besser recherchieren und mit den Anwohnern kommunizieren müssen. Die Bar CHERIE vorher hatte über 20 Jahre kein einziges Mal Probleme mit den Anwohnern, weil die Besitzerin wusste, dass ihre Nachbarn bleiben und ihre Gäste jeden Abend das Lokal verlassen werden…