Prozess Nach Schießerei am S-Bahnhof: Schütze soll in Psychiatrie

Fahrgäste berichteten zunächst von einer Schlägerei in der S-Bahn. Doch der Routineeinsatz endet in einer Schießerei.

(Foto: dpa)
  • Im Juni 2017 hat ein 38-Jähriger am S-Bahnhof Unterföhring eine Polizeibeamtin mit einem Schuss aus der Dienstwaffe ihres Kollegen schwer verletzt.
  • Die Beamtin liegt seither im Koma. Auch zwei Passanten erlitten Schussverletzungen.
  • An diesem Dienstag beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Schützen.

Es sah nach einem Routineeinsatz aus. Doch er endet in einer Schießerei. Ein Randalierer griff sich im vergangenen Juni am S-Bahnhof Unterföhring die Dienstwaffe eines Beamten und schoss damit dessen Kollegin in den Kopf. An diesem Dienstag beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Schützen.

Der 38 Jahre alte Mann ist in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Schuldunfähigkeit zur Tatzeit aus und hat deshalb keine Anklage verfasst, sondern ein Sicherungsverfahren beantragt. Nebenkläger sind die Polizistin, ihr Kollege sowie ein Passant, der damals von einem Querschläger getroffen wurde.

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Nach Medienberichten ging es um Alkoholmissbrauch und Körperverletzung. Der Verdächtige ist inzwischen in der Psychiatrie. Die verletzte Polizistin schwebt weiter in Lebensgefahr. Von Thomas Schmidt mehr...

Am Morgen des 13. Juni 2017 gehen Notrufe bei der Polizei ein. Fahrgäste berichten von einer Schlägerei in der S-Bahn. Eine Streife mit einem Beamten und einer Beamtin fährt zum Bahnhof Unterföhring. Zunächst läuft alles normal. Der Beamte beginnt, den Vorgang aufzunehmen, als ihn ein Randalierer plötzlich angreift und ins Gleisbett zu stoßen versucht. In der folgenden Rangelei schafft es der Randalierer, sich der Waffe des Beamten zu bemächtigen. Das ist sehr ungewöhnlich.

Zwei Mal ist die Dienstpistole normalerweise im Holster gesichert. Womöglich habe der Beamte eine Sicherung gelöst, um im Ernstfall schnell an die Waffe zu kommen, hieß es nach dem Vorfall bei der Polizei. Aber auch dann sei es nicht leicht, die Waffe zu lösen. Zudem seien die Dienstpistolen mit einer Handballensicherung gesperrt, erläuterte damals Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä.

Unklar blieb, ob der Mann sich mit der Waffe auskannte oder zufällig die richtigen Handgriffe machte. Den damaligen Ermittlungen zufolge schossen die junge Polizistin und der Mann. Die Beamtin wurde am Kopf getroffen. Sie liegt seither im Koma. Der Mann feuerte weiter, bis das Magazin leer war. Auch zwei Passanten erlitten Schussverletzungen. Der mutmaßliche Täter wurde ebenfalls durch einen Schuss leicht verletzt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann, der ursprünglich aus Oberbayern stammt, aber keinen festen Wohnsitz hat, gefährliche und schwere Körperverletzung sowie versuchten Mord vor. Vor Gericht wird es darum gehen, inwieweit er infolge seiner psychischen Erkrankung schuldunfähig und für die Allgemeinheit gefährlich ist und dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss.

Unterföhring ist nicht der erste Bahnhof, der Schauplatz einer Gewalttat wurde. In Köln wurde im vergangenen November ein Mann am Hauptbahnhof bewusstlos getreten, im Dezember gab es im Bereich des Frankfurter Bahnhofs eine Messerattacke, im Januar wurde ein Mann an einem Nürnberger U-Bahnhof zusammengeschlagen.

Vor etwa zwei Jahren hatte ein Amokläufer am S-Bahnhof Grafing einen Menschen erstochen und drei verletzt. Auch in diesem Fall war der Täter nicht schuldfähig - das Landgericht München entschied, dass er dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht werden muss. Vor Gericht hatte der Beschuldigte seine Wahnvorstellungen geschildert und sich entschuldigt: Er habe gedacht, Deutschland werde von Islamisten überrannt.

Für den Prozess um die Schüsse von Unterföhring sind laut Gericht zunächst acht Verhandlungstage angesetzt; er beginnt im Gerichtssaal in der Justizvollzuganstalt Stadelheim.

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