Pro Hochhaus am Hauptbahnhof Wo denn sonst?

So soll der geplante Büroturm am Hauptbahnhof aussehen.

Wer die schöne Münchner Altstadt-Silhouette schützen will, braucht sich vor dem Projekt am Hauptbahnhof nicht zu fürchten.

Kommentar von Frank Müller

Im Grunde ist schon die Frage falsch gestellt, ob es am neugestalteten Hauptbahnhof ein Hochhaus geben darf. Wo denn sonst, wenn nicht inmitten dieses Verkehrsknotenpunkts? Die richtige Frage wäre: Wie hoch sollte es mindestens sein, damit es seine Funktion, eine Landmarke am Tor zur Stadt zu sein, auch anständig erfüllen kann?

Wer ein Freund großzügiger, weltstädtischer Lösungen ist, wird die geplanten 75 Meter Höhe da eher skeptisch sehen. Aber auch nicht ganz so hoch ist immer noch besser als nichts.

Seit jeher wird die frustrierende Münchner Wolkenkratzerdebatte vom absurden Standpunkt aus geführt, ein Hochhaus sei schon deswegen schlecht, weil man es auch aus der Ferne sehen kann. So war es beim Uptown München am Georg-Brauchle-Ring, das als höchstes Münchner Gebäude (146 Meter) hinter dem Nymphenburger Schlossrondell in der Tat auffällt.

Hier bitte nicht!

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So war es auch bei den Highlight Towers am Beginn der A 9 - sie ragen doch tatsächlich hinter dem Siegestor empor. Es waren diese Projekte, durch die sich die Münchner bei einem Bürgerentscheid veranlasst sahen, 100 Meter als maximale Höhe festzulegen.

Nun ist es wieder so weit, dass Gegner eines Baus, vor allem in der CSU, die Altstadtsilhouette bedroht sehen. So kleingeistig sollte München nicht denken. Ja, die Münchner Kulisse ist wunderschön - und die Türme und Gebäude stehen so selbstbewusst im Zentrum der Stadt, dass ihnen die Gegenwart der Moderne nichts anhaben kann. Wer die Tradition pflegt, der muss deswegen noch lange nicht die Zeit stillstehen lassen. Daher täte es München gut, wenn es nicht weniger Hochhäuser gibt, die man von überall her sehen kann. Sondern mehr.

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