Pasing Was man tun muss, um den Knödelorden zu bekommen

Nach einer Zeichnung von Leonardo da Vinci ließ Helmut Winter das Katapult bauen, mit dem er 1967 Knödel auf Starfighter abfeuern.

(Foto: oh)

Ein Mann aus Pasing verjagt Ende der sechziger Jahre mit einem Knödel-Katapult Düsenjets. Bis heute wird in Erinnerung daran eine Auszeichnung für besonders gewitzte Menschen verliehen.

Von Jutta Czeguhn

Franz Josef Strauß hat ihn bekommen, auch Österreichs Ski-Legende Karl Schranz. Peter Alexander konnte sich ihn ebenso stolz an die Brust heften wie Lothar Günther Buchheim oder Lou van Burg, der einst im Schwarz-Weiß-Fernsehen den "Goldenen Schuss" moderierte.

Die Herren werden alle als Träger des Knödelordens gelistet. Eine Auszeichnung am Bande, die der Pasinger Knödelschütze Helmut Winter entworfen und in die Welt gebracht hat, um Menschen zu ehren, die irgendwie vom gleichen Schlag sind wie er selbst. Zumindest im Fall von Lou van Burg, in dessen Sendung eine Armbrust eine damals noch recht entspannte Rolle spielte, kann man das auf der Stelle nachvollziehen.

Bei Strauß, Putin-Freund Schranz und dem U-Boot-Autor und Großsammler Buchheim bleibt die Frage, ob es Helmut Winter, der auch als sehr alter Herr noch einen enorm liebenswürdigen Schalk besaß, damit wirklich ernst war. Besser, man lässt die Tiefseelenforschung und konzentriert sich auf die brandneuen Träger des Ordens, die dieses Ehrenzeichen auf alle Fälle verdient haben.

Bei einer Feierstunde im Pasinger Ebenböckhaus hat jetzt Elisabeth Winter, Witwe des 2013 im Alter von 93 Jahren verstorbenen Knödelschützen, die Medaille an den Künstler Martin Blumöhr, an die Kinder- und Jugendwerkstatt der Pasinger Fabrik und an das Pasinger Archiv verliehen.

Knödelgeschichte im kollektiven Gedächtnis

Nach Helmut Winters eigenem Statut kommt sein Orden Personen zu, die Zivilcourage zeigen, nicht nur opponieren, sondern Lösungsvorschläge machen, die mit Geist und Humor Probleme angehen und - das ist wichtig - die die Pasinger Knödelgeschichte im kollektiven Gedächtnis warm halten.

Wobei man sich kaum vorstellen kann, dass es jemanden gibt, der noch nie davon gehört hat, was sich im Februar 1967 am Himmel über Pasing abspielte. Schließlich hat damals quasi die gesamte Weltpresse über den Knödelkrieg berichtet, sogar die New York Times.

Valentin und sein Chauffeur

Das "Pasinger Archiv" erzählt die Geschichte der Taxi-Zunft mehr ...

Für jene Unbedarften, hier noch einmal in Haiku-, oder ganz modern, Tweet-Form zusammengefasst: Täglich Starfighter-Lärm über Pasing, mit einem Katapult feuert Helmut Winter Kartoffelknödel auf die Flieger. Die Luftwaffe knickt ein und ändert die Flugroute.

Wie schön Elisabeth Winters "ballistic knodels" (Newsweek) damals gen Himmel sausten, hat Martin Blumöhr in seinem Wandpanorama im Pasinger Hermann-Hesse-Tunnel verewigt: Die Starfighter sehen aus, als wollten sie von der leckeren Beilage ungedingt getroffen werden. Auch die Kinder- und Jugendwerkstatt ehrte das Knödel-Andenken. Bei den Pasinger Kulturtagen präsentierte sie heuer einen Nachbau der Schleuder als Budenzauber.

Mit kleinen Bällen konnte man auf gemalte Düsenflieger zielen, was im Übrigen kreuzschwer war. Das Pasinger Archiv schließlich, seit 1982 das Gedächtnis des Stadtteils, verwaltet die Knödelgeschichte und füttert die Medien - noch immer kommen Anfragen - mit Details.

Helmut Winter, das darf man annehmen, hätte sich über die Auswahl der Preisträger gefreut, die seine Frau vorgenommen hat. Auch er selbst war hochdekoriert, hielt einen Preis der "Gesellschaft für lenkbare Luftschiffe in Amerika" in Ehren - und den ersten Karl-Valentin-Orden überhaupt, der verliehen wurde für "den schönsten Blödsinn des Jahres" 1967.

Der Knödelschütze

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