Parkstadt Schwabing Fester Wohnsitz in Aussicht

Es gibt einen großen Bedarf an Spielräumen für Kinder in der Parkstadt Schwabing. Doch mehr als Halfpipe-Aktionen, wie hier an der Wilhelm-Wagenfeld-Straße, und Container-Angebote gibt es bisher nicht.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Initiative "Haus am Schuttberg" ist in drei Jahren ein Haus für das Familien- und Kinderzentrum zugesichert. Bis zum Umzug muss man in der Parkstadt noch ohne Domizil mit zwei Containern vorliebnehmen

Von Julian Raff, Parkstadt Schwabing

Bis Ende des Jahrzehnts soll die Parkstadt Schwabing ein fest eingerichtetes Familienzentrum mit Kindertreff an der Ecke Herbert-Bayer/ Marianne-Brandt-Straße bekommen. Ein Vorläuferprojekt wurde 2011 beschlossen und 2013 unter der Trägerschaft des etablierten Vereins "Haus am Schuttberg" gegründet. Es musste jedoch ohne Domizil auskommen, sieht man einmal von zwei nur als "Spielebox" nutzbaren Containern ab, die knapp 150 Meter nördlich des späteren Standorts auf einer Wiese an der Wilhelm-Wagenfeld-Straße stehen.

Bis zum Umzug sollen dort neue Container mit provisorischer Haustechnik einen umfassenderen Betrieb ermöglichen. Ein Familienzentrum, das Freizeitangebote ebenso wie soziale Betreuung bietet, hatte der BA seit Beginn der Parkstadt-Planungen gefordert, ohne die Stadt vom Bedarf überzeugen zu können. Die jüngste Vorlage des Stadtjugendamtes stellt diesen Bedarf jetzt umso klarer fest: Der Anteil der Haushalte mit Kindern liegt demnach in der Planungsregion Parkstadt/Domagkstraße um 44 Prozent über dem städtischen Durchschnitt. Der Anteil der unter Dreijährigen übertrifft den Schnitt um knapp 49 Prozent.

Um das Anderthalbfache über dem Münchner Schnitt liegt der Anteil an Transferempfängern. Die Bezirkssozialarbeit betreut hier um 18 Prozent mehr Familien als im städtischen Durchschnitt. Die Statistik weist damit die Parkstadt nicht als ausgesprochenes Problemviertel aus - doch ein Zentrum, das Neu-Schwabingern hilft, sich einzuleben, braucht der junge Stadtteil trotzdem.

Der Nachbarschaftstreff in der Lilly-Reich-Straße setzt mehr auf von den Anwohnern selbst organisierte Freizeitangebote, während das Familienzentrum auch als Schaltstelle für professionelle Hilfe angelegt ist, erklärt Nina Knopp, die Leiterin des Vorläuferprojekts. Die Haus-Container mit Sanitär- und Kücheneinheit und einem größeren Gruppenraum sollten eigentlich dieser Tage angeliefert werden, nach aktueller städtischer Zusage wird es wohl Ende August. Die Dauer der Interimslösung ist klar begrenzt: Das Baureferat, Abteilung Gartenbau, stellt die Fläche nur für drei Jahre zur Verfügung. In der Zwischenzeit muss das feste Familienzentrum auf dem südlichen, bis dato ebenfalls vom städtischen Gartenbau genutzten Grundstück stehen.

Trägerschaft und Kosten für den Bau übernimmt eine städtische Gesellschaft, also etwa die Gewofag oder die GWG, die dort auch geförderte Wohnungen baut. Die Baukosten sind noch nicht ermittelt. In die Einrichtung investiert die Stadt im Eröffnungsjahr 130 000 Euro, in den jährlichen Betrieb anschließend jeweils mehr als 203 000 Euro.

Auf einer Grundfläche von 456 Quadratmetern sollen für Familienzentrum und Kindertreff 285 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Die Aufteilung in elf Räume wirkt ambitioniert: Zwei Gruppenräume stehen für Veranstaltungen bereit, einer davon für Kleinkinder. Eventuelle Wartezeiten können Eltern im offenen Cafébereich verbringen, für den 60 Quadratmeter eingeplant sind. Ein 50 Quadratmeter großer "Kidsclub" für Kinder im Grundschulalter soll vielfältig nutzbar sein, unter anderem als Mini-Kino. Beratungsgespräche finden im Besprechungsraum oder im Leitungsbüro statt. An eine diskrete, geschützte Gesprächsatmosphäre war in den bisherigen Containern nicht zu denken, so Nina Knopp - ebenso wenig wie an hygienisch vertretbare Wickelmöglichkeiten oder wetterunabhängige Veranstaltungen.

Mit den jüngsten Zusagen in der Hand gehen Nina Knopp und ihr Team nun daran, das Angebot von September an in Richtung Vollbetrieb auszuweiten. Die Schwerpunkte bilden, neben diversen Freizeitangeboten, Informationen zu Gesundheit, Ernährung und Erziehung, Sprachentwicklungs- und Förderkurse für Kinder, Hausaufgabenbetreuung sowie Sozial-, Erziehungs- und Familienberatung. Eine Entlastung von Alltagssorgen kann durch eine persönliche Aussprache angeboten werden, aber auch ganz praktisch durch die Vermittlung von Haushaltshilfen.