Nein zu Münchner Olympia-Bewerbung Rebellion gegen den Kommerz

Die Idee, in Oberbayern Winterspiele auszurichten, war weit weniger gewagt als andere deutsche Großprojekte. Die Ablehnung der Bürger überrascht daher in ihrer Deutlichkeit. Für das Internationale Olympische Komitee ist die Wucht der Ablehnung bedrohlich.

Ein Kommentar von René Hofmann

Das Votum ist eindeutig. Die Bürger in und um München wollen nicht noch einmal Olympische Spiele ausrichten. Selbst in Garmisch-Partenkirchen, wo die Bewerbung für die Winterspiele 2018 noch Zustimmung gefunden hatte, gab es diesmal keine Mehrheit für den zweiten Anlauf, einer Kandidatur für den Winter 2022.

Das Ergebnis ist in dieser Deutlichkeit überraschend; bis auf die Grünen hatten alle maßgeblichen Parteien für ein Ja plädiert. Offenbar klafft der Wille der meisten Politiker und der der meisten Wähler bei der Frage "Wie halten wir es mit Olympia?" weit auseinander. Das zeigt das Dilemma bei vielen Großprojekten in diesem Land: politisch gewollt, aber beim Bürger nicht durchsetzbar.

Für das Internationale Olympische Komitee ist die Wucht der Ablehnung bedrohlich.

Für München, Garmisch-Partenkirchen, Ruhpolding und Königssee bedeutet das Nein eine verpasste Chance. Bedrohlich aber ist das Verdikt für das Internationale Olympische Komitee. Auch in der Schweiz, wo das IOC residiert, haben die Bürger eine Bewerbung um Spiele im Schnee und auf Eis abgelehnt. In freiheitlichen Gesellschaften hat die olympische Idee offensichtlich ein Problem, noch Anklang zu finden.

Prunksucht und Korruption haben dem IOC eine tiefe Krise beschert

Das Nein ist deshalb auch ein empfindlicher Schlag für den deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach. Es zeigt: Kommerz und Korruption, Intransparenz, Prunksucht und die Nähe zu fragwürdigen Mächten haben der Organisation, der er seit kurzem vorsteht, eine Krise beschert, die tief reicht. Das IOC wirkt wie aus der Zeit gefallen - Parallelen zur katholischen Kirche sind nicht fern.