Nazi-Bau Gastronomie soll in Riemer Zuschauertribüne investieren

Inzwischen ist die Tribüne verfallen und verwildert.

(Foto: Claus Schunk)

Der Stadtrat will das verwilderte und einsturzgefährdete Bauwerk sichern - und sucht dafür einen Wirt und einen zahlungskräftigen Investor.

Von Heiner Effern

Die Flechten und Moose auf dem bröckelnden Denkmal für den früheren Flughafen Riem haben weiterhin gute Wachstumschancen. Der Stadtrat hat beschlossen, die etwa 550 Meter lange Zuschauertribüne, die wegen Einsturzgefahr nicht betreten werden darf und so zu einem Biotop wurde, zu sichern und auf der Rückseite durch einen festen Zaun abzusperren.

Für das frühere Kassenhaus, das 2005 einst die Lounge der Bundesgartenschau beherbergte, soll ein Wirt gesucht werden. Der soll gegen einen langen Pachtvertrag alles mitbringen: einen neuen Boden, eine Heizung, eine neue Dämmung, Toiletten, das komplette Interieur inklusive einer Küche und einen Investor, der das alles bezahlt.

SZ München-News per WhatsApp, Telegram oder Insta

Wissen, was München bewegt: Der WhatsApp-Kanal der Süddeutschen Zeitung bietet einen schnellen und bequemen Nachrichtenservice für die Stadt. Abonnieren Sie ihn kostenlos. mehr ...

Bevor in Riem darüber hinaus etwas passiert, muss das Kommunalreferat Hausaufgaben erledigen. Die Stadträte wollen bis zum Sommer ein Nutzungskonzept für die Gastronomie im Kopfbau, in dem auch die Zahl der Parkplätze und die Zufahrt festgeschrieben werden soll. Für die Tribüne soll die Verwaltung drei Szenarien durchrechnen und im Kommunalausschuss vorstellen: Sanierung, Sicherung oder Abriss. Des Weiteren sollen alle möglichen Varianten der Finanzierung dargestellt werden.

Das Kassenhaus und die Tribüne wurden von 1937 bis 1939 unter den Nationalsozialisten nach Plänen des Architekten Ernst Sagebiel errichtet. Nach dem Umzug von Riem ins Erdinger Moos erinnern noch drei Denkmäler an den früheren Flughafen: der Tower, die Abfertigungshalle und die Tribüne samt Kopfbau. Letztere verfällt seit der Bundesgartenschau so ungebremst, dass sich seltene Flechten und Moose ansiedelten, die nun kartiert und geschützt sind. Somit stünde einem Abriss derzeit nicht nur die gesetzlich Verpflichtung entgegen, das Denkmal zu erhalten. Das würde sich bei einem weiteren Verfall wieder ändern, wie die Untere Naturschutzbehörde erklärt. Denn die jetzt nachwachsenden Büsche und Bäume würden die seltenen Gewächse wieder verdrängen.

Das Bauwerk ist einsturzgefährdet. Deshalb soll zumindest die Rückwand auf einer Länge von 105 Metern stabilisiert werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Abriss stand kurioserweise auch im Blickpunkt, als eine neue Finanzierungsquelle für die Sanierung gesucht wurde. Denn der Denkmalschutz bietet Kommunen eine Entschädigung an, die zur Erhaltung ihres Bauwerks hohe Kosten aufbringen müssen. ÖDP-Stadtrat Tobias Ruff wandte ein, dass diese Quelle nur sprudele, wenn ein Beschluss zum Abriss vorliege. Das löste zustimmende Heiterkeit aus, die Bürgermeister Josef Schmid (CSU) so zusammenfasste: "Das würden wir schon hinbringen."

Die Grünen scheiterten damit, wenigstens den Kassenbau für eine Verpachtung aufzumöbeln. CSU und SPD wollen angesichts der angespannten Kassenlage keinen Cent für eine Sanierung aufwenden. Auch weil ihre Hoffnung, dass sich ein Interessent für die Gastronomie dort findet, wenig ausgeprägt ist. Wie es mit dem bereits beschlossenen, 105 Meter langen Kunstwerk auf der Tribüne weitergeht, blieb offen.

Ein Turm mit Zukunft

Das Medizintechnologie-Unternehmen Brainlab legt in der Messestadt den Grundstein für die neue Firmenzentrale Von Alfred Dürr mehr ...