Messestadt Riem:Ein Turm mit Zukunft

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Tower des ehemaligen Flughafens München-Riem, 2010

Neue Aufgabe: Für die künftige Brainlab-Zentrale soll der ehemalige Flughafen-Tower zu einem unübersehbaren Markenzeichen werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das Medizintechnologie-Unternehmen Brainlab legt in der Messestadt den Grundstein für die neue Firmenzentrale

Von Alfred Dürr, Messestadt Riem

Der 35 Meter hohe Tower des ehemaligen Flughafens in Riem steht unmittelbar am Abgrund. Eine tiefe Baugrube befindet sich zwischen dem denkmalgeschützten Relikt aus längst vergangenen Tagen und der Messe-Parkgarage. Derzeit werden auf dem letzten noch verfügbaren Großgrundstück im Umfeld des Ausstellungsareals die Fundamente für einen Bürokomplex mit 24 500 Quadratmetern gelegt. Und der historische Turm, von dem aus einst der Ablauf der Flugbewegungen überwacht wurde, ist Bestandteil der künftigen Firmenzentrale des Medizintechnologie-Unternehmens Brainlab. Am Mittwoch wurde der Grundstein für das Bauwerk gelegt, das Ende 2016 bezugsfertig sein soll.

Das städtische Grundstück war jahrelang ein regelrechter Ladenhüter. Das lag hauptsächlich auch an dem Kontrollturm mit dem rostbraunen Fassadenanstrich. Kein Investor schien etwas mit diesem Denkmal mitten auf dem Grundstück anfangen zu können. Kommunalreferent Axel Markwardt, der für städtische Grundstücke zuständig ist, überlegte ernsthaft, die Immobilie aufwendig an den Rand des Areals verschieben zu lassen. Doch dann kam die Brainlab AG aus Feldkirchen. Die Firmenzentrale mit 600 Mitarbeitern platzt aus allen Nähten; der Unternehmenschef Stefan Vilsmeier will vergrößern, und das möglichst auf Münchner Stadtgebiet.

"Vilsmeier ist der Prinz, der das Gelände aus dem langen Dornröschenschlaf erlöste", freute sich Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bei der Grundsteinlegung. Projektentwickler ist das Unternehmen Wöhr und Bauer, das bereits die Linde-Zentrale an den Oberanger in der Innenstadt brachte und das aktuell auch die Tiefgarage unter dem Thomas-Wimmer-Ring am Isartor sowie den Nachfolgebau für das Fina-Parkhaus neben dem Hotel Mandarin Oriental realisiert. Der Deal hat gut funktioniert, meint der Chef von Wöhr und Bauer, Wolfgang Roeck: Bereits kurz nach Baustart hat das Fonds-Unternehmen Wealth Cap, eine Tochter der Hypo Vereinsbank, das Projekt gekauft und wird es nach Fertigstellung übernehmen.

Wie ein Schild umschließt der moderne Bau aus Glas und Stahl den Tower. Der Entwurf des Aachener Büros Kadawittfeldarchitektur zusammen mit pmp Architekten schmiegt sich also gewissermaßen um den Turm. Wie dieser künftig genutzt werden soll, ist eine der spannendsten Fragen. Auf jeden Fall will ihn Vilsmeier zu einem Markenzeichen für sein Unternehmen machen. Im Erdgeschoss soll es ein Café für Besucher des Unternehmens und die Mitarbeiter geben. "Von hier aus kann man bereits das Innenleben des ehemaligen Towers wahrnehmen", sagt Vilsmeier.

In den beiden Stockwerken darüber gibt es unterteilte Empfangsräume. Nach ersten Gesprächen mit den Kunden öffnen sich Glastüren in diesen Showrooms und geben den Blick in vollständig eingerichtete Operationssäle frei. Die Interessenten können sich also im alten Tower unmittelbar über das Angebot des Medizintechnologie-Unternehmens informieren. Für die oberen Geschosse sind Sitzungsräume, aber auch Partyzonen vorgesehen. Die Glaskanzel an der Spitze wird zur Aussichtsplattform. Die Öffentlichkeit soll in den Turm eingeladen werden. "Wir überlegen, ob wir in regelmäßigen Abständen einen Tag der offenen Tür veranstalten", sagt Vilsmeier. Vor allem die Bürger aus der Messestadt könnten sehen, was aus dem Gelände geworden ist. Schon jetzt zeige sich, sagt der Chef, dass der Turm bei den Mitarbeitern sehr gut ankomme.

Vilsmeier ist in Poing am östlichen Stadtrand aufgewachsen und hat, wie er sagt, eine besondere Beziehung zum ehemaligen Flughafen Riem: "Von hier aus war ich zu vielen Zielen unterwegs und habe meine Karriere gestartet." Heute zählt das 1989 gegründete Unternehmen zum weltweiten Marktführer für softwaregestützte Medizintechnik, wie OB Reiter betonte.

Auch Klaus Dittrich, der Chef der Münchner Messe, strahlte bei der Grundsteinlegung: "Bisher war das Grundstück eher ein Schandfleck, bald können wir uns über die repräsentative Eingangssituation zur Messestadt freuen."

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