Münchner Volkshochschule Einstein 28 - so sieht Münchens neues Bildungszentrum aus

Draußen wird aufgeräumt, drinnen geht es bereits an die Feinarbeit.

(Foto: Catherina Hess)
  • Das "Einstein 28" ist neben dem Gasteig die zweite zentrale Wirkungsstätte der Münchner VHS.
  • Anfang März soll der Betrieb am Max-Weber-Platz aufgenommen werden.
Von Günther Knoll

Allein die Adresse: Einsteinstraße am Max-Weber-Platz - "die macht einfach jedem Bildungsmenschen Spaß". Und schon ist Klaus Meisel mittendrin im Schwärmen. Meisel ist zweifelsohne selbst dieser Kategorie zuzuordnen, er ist unter anderem Experte in Sachen Erwachsenenbildung und er ist seit 2006 Managementdirektor der Münchner Volkshochschule (MVHS).

Was ihn so begeistert, ist die zweite zentrale Wirkungsstätte, welche die VHS jetzt neben dem Gasteig mit dem "Einstein 28" bekommt. Auf dem Areal an der Einsteinstraße, wo früher das Depot für die ersten Münchner Pferdetrams untergebracht war und später die Direktion der Münchner Verkehrsbetriebe, ist eine großzügige Bildungseinrichtung entstanden, die Anfang März eröffnet wird.

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Einen "modernen Lernort" für die Erwachsenenbildung - so beschreibt Meisel den Komplex, den die Stadtwerke als Besitzer ganz nach den Bedürfnissen ihres neuen Mieters saniert und neu gebaut haben. Die Vorgabe "Luft und Licht" umzusetzen, das sei dem Wettbewerbssieger Raupach Architekten "genial gelungen", lobt Meisel. Klar strukturierte Neubauten bilden mit dem denkmalgeschützten Bestand ein neues Ganzes, auf 11 000 Quadratmetern Bruttogrundfläche ist Raum für 70 Unterrichtsräume, Büros mit 100 Arbeitsplätzen, eine Lehrküche, zwei Veranstaltungssäle, Musik-, Tanz- und Gesundheitsräume, Atelier, Nähstudio und ein Café. Für das hat man sogar schon einen Namen, "Albert & Charlie" nach Albert Einstein und Charlie Chaplin, die sich persönlich kannten. Während die Eltern lernen, können sie ihre Kleinen in einem eigenen Kinderhaus unterbringen. Im großzügigen Foyer gibt es zudem eine Bücherbar, die in Kooperation mit dem Hanser Verlag entstanden ist.

Seit 2010 sei die Zahl der Kursteilnehmer von 200 000 auf 250 000 angestiegen, "die MVHS wächst mit der Stadt", beschreibt Programmdirektorin Susanne May dieses Phänomen. Die Münchner Volkshochschule sei damit die größte in Deutschland. Manche Dependancen in der Stadt seien inzwischen auch "in die Jahre gekommen", es sei also "dringend Zeit für ein solches Haus" gewesen, findet Meisel. Wenn Kursteilnehmer in Befragungen etwas kritisiert hätten, dann habe das immer die Veranstaltungsräume betroffen. Damit wird jetzt Schluss sein, ist der Geschäftsführer überzeugt.

Vier Wochen vor der Inbetriebnahme wirkt der Bau zwar von außen fertig, auch wenn Container und andere Überbleibsel der Bautätigkeit das Bild des Komplexes in Haidhausen noch ein bisschen stören. Drinnen aber wird weiter mit Hochdruck gearbeitet, damit das neue Zentrum Anfang März mit einer eigenen Programmwoche eröffnet werden kann. Ursprünglich habe man sogar schon auf eine Eröffnung im vergangenen Herbst gehofft, sagt Meisel. Doch wenn es um die Sanierung denkmalgeschützten Bestandes gehe, müsse man eben mit "einigen Überraschungen" rechnen. Dann aber sei alles "für uns hervorragend gelaufen", auch dank der Unterstützung und des Verständnisses von Stadtrat, Bezirksausschussmitgliedern und Anwohnern.

Eine neue Qualität für Lehre und Lernen

Mehr als 20 Millionen Euro kostet das erste eigene große Bildungszentrum, das der VHS an diesem Mittwoch offiziell vom Vermieter übergeben wurde. Die Miete sei zwar etwas höher, wie Geschäftsführer Meisel sagt, doch das werde mehr als ausgeglichen. Zum einen durch Synergien, durch kurze Wege, durch die Logistik, weil vieles nun an einem Ort gebündelt sei. Vor allem aber durch eine neue Qualität für Lehre und Lernen. Außerdem sei das Haus ein Gewinn für die Stadt wie für den Stadtteil: Mit der MVHS sei die öffentliche Nutzung weiterhin garantiert, es bringe viele Menschen an einer Stelle zusammen und es sei auch ein Zeichen für das gelungene Zusammenspiel zweier städtischer Tochterbetriebe.

Schwerpunkte im Einstein 28 sollen der Deutschunterricht mit einem laut Meisel "signifikantem Zuwachs", das Gesundheits- und das Seniorenprogramm sowie die berufliche Weiterbildung sein. Gleichzeitig aber wolle man auch Brücken zwischen den einzelnen Bereichen schaffen, erklärt Meisel. Der gläserne Steg zwischen den Gebäudeteilen sei dafür gleichsam Symbol - Brücke und Transparenz.

In vier Wochen wird die Müncher Volkshochschule das "Einstein 28" eröffnen.

(Foto: Catherina Hess)

Das Haus solle zu einem Ort der Integration und der Kommunikation werden, indem es mit seinen vielen Möglichkeiten verschiedene Menschen und Generationen zusammenbringe. "Wir versuchen alle Münchner in das Haus hereinzuholen", kündigt der Managementdirektor an, dazu diene auch das umfangreiche kostenlose Kennenlern-Programm der Eröffnungswoche Anfang März. Ein weiterer Vorteil sei, dass das Einstein 28 zentral gelegen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sei. "Mindestens 95 Prozent werden damit kommen", so Meisel.

Präsenz in den Stadtteilen ist weiterhin wichtig

Er betont aber auch, dass das alles nicht zu Lasten der bisherigen Standorte geschehen soll. Der Komplex an der Einsteinstraße werde zum "zweiten Gesicht" der MVHS. Das erste Gesicht bleibe der Gasteig, "der wird nicht verlieren, er bleibt für uns ein wichtiger Lernort". Schließlich gebe es dort hervorragende Kooperationen und Übergänge zwischen Konzerten, Musik und der Bibliothek. Die Volkshochschule bringe die Leute ins Kulturhaus. "Das ergänzt sich ganz hervorragend".

Gleichzeitig will die MVHS weiter auf die Präsenz in den Stadtteilen Wert legen und "die dezentralen Stellen ausbauen", auch wenn man jetzt einzelne Standorte aufgebe. "Wir gehen weiter in die Fläche", verspricht Meisel, denn eine Volkshochschule dürfe keine "menschenferne Bildung" anbieten. Das Einstein 28 soll zu einem "sozialen Ort" für die ganze Stadtgesellschaft werden, ist sein Wunsch. Und Meisel ist zuversichtlich, dass dies auch gelingt: "Ich bin mir ganz sicher, dass das Haus gut laufen wird". Seine Direktionskollegin Susanne May zitiert dazu einen Satz aus dem Bildungsbereich: "Der Raum ist der dritte Pädagoge" - neben Mitschülern und Lehrern.

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