Münchner Stadtteile: Haidhausen Geschichte, Daten, Fakten

Einst lebten in Haidhausen die kleinen Leute. Heute ist das Viertel bei Familien beliebt.

(Foto: Fischhaber)

Vom Arbeiterviertel zur Wohlfühloase: Mehr als 1200 Jahre ist Haidhausen alt. Einst lebten hier die kleinen Leute. Heute steht das Viertel mit den vielen Kneipen und grünen Plätzen vor allem bei jungen Familien hoch im Kurs.

Von Anna Fischhaber

Als München gegründet wurde, existierte Haidhausen bereits seit 350 Jahre. Zum ersten Mal tauchte der Name im Jahr 808 auf. Damals hieß die bäuerliche Siedlung am rechten Isarhochufer noch "Haidhusir", Häuser auf der Heide. Zunächst von der Stadt aus nur über einen "gaachen Steig", später Gasteig genannt, zu erreichen, verdankte das abgelegene Dorf seinen ersten Aufschwung dem Stadtgründer. Die Zerstörung der Salzbrücke in Ismaning führte nicht nur zu mehr Einnahmen für Herzog Heinrich den Löwen, auch Haidhausen profitierte davon - nun mussten die Salzwagen das Dorf passieren. Zudem wurden Ziegel- und Lehmprodukte aus Haidhausen bald überall in München gebraucht.

Bis das Dorf 1854 eingemeindet wurde, dauerte es aber noch mehrere hundert Jahre. Wie die Au war Haidhausen zunächst ein Viertel der kleinen Leute, der Handwerker und Tagelöhner. Noch immer erinnern die geduckten Herbergshäuser "An der Kreppe" an diese Zeit. Nach dem Sieg gegen Frankreich entstand am Ostbahnhof das Franzosenviertel mit seinen mehrgeschossigen Wohnhäusern für die ärmere Bevölkerung, sternförmigen Plätzen und Straßen, die bis heute die Namen französischer Städte tragen. Und schon bald gehörte Haidhausen zu den dichtbesiedelsten Vierteln der Stadt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Haidhausen zum Schauplatz der sich politisierenden linken Arbeiterschaft. Im November 1923 stürmte Adolf Hitler eine Versammlung im Bürgerbräukeller und rief dort zum Marsch auf die Feldherrenhalle auf, heute bekannt als der gescheiterte Hitlerputsch. 1939, genau 16 Jahre später, versuchte Georg Elser in eben jenem Bürgerbräukeller Hitler mit einer Bombe zu stoppen. Heute steht an diesem geschichtsträchtigen Ort gleich neben dem Gasteig ein Hotel. Politik wird in Haidhausen nun im Maximilianeum hoch über der Isar gemacht, seit 1949 Sitz des Bayerischen Landtags.

Noch bis in die siebziger Jahre galt Haidhausen als Glasscherbenviertel für die sozial Schwachen, dann entdecken die Studenten die Gegend. Bald wurde sie auch von der Stadt zum Sanierungsgebiet erklärt - und aus dem ehemaligen Arbeiterviertel eine der beliebtesten Wohngegenden im Zentrum Münchens. Heute ist Haidhausen vor allem schön. Der Mix aus Urbanität und dörflichem Charme zieht junge Familien magisch an. Zahlreiche Kneipen und Bars haben dem Viertel den Spitznamen "zweites Schwabing" eingebracht. Der Gasteig, in dem unter anderem die Münchner Philharmoniker ihren Sitz haben, hat sich zu einem der kulturellen Zentren der Stadt entwickelt. Die Isarnähe und die vielen kleinen Plätze sorgen dafür, dass auch die Erholung in Haidhausen nicht zu kurz kommt.

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