Münchner Marienplatz Nobelhotel zieht ins Hugendubel-Haus

Visualisierung: Bayerische Hausbau

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Über der Buchhandlung am Münchner Marienplatz wird es luxuriös: In den beiden obersten Stockwerken sollen "anspruchsvolle Städtereisende" beherbergt werden.

Von Alfred Dürr

In einer eleganten Herberge hoch über dem Marienplatz zu übernachten, mit bestem Blick auf das Rathaus, den Viktualienmarkt und die Dächer der Altstadt - das wäre neu im Zentrum Münchens. In allerbester Lage, in den beiden obereren Etagen des sogenannten Hugendubel-Hauses, das demnächst umgebaut wird, will das Münchner Familienunternehmen Geisel ein Hotel mit 26 Zimmern und Suiten der gehobenen Kategorie eröffnen. Im Jahr 2017 soll die Renovierung des Eckhauses am Marienplatz abgeschlossen sein.

Zwei Stockwerke für Hugendubel

Die zum Schörghuber-Konzern gehörende Bayerische Hausbau verordnet dem Komplex vom Frühjahr an eine umfangreiche Umgestaltung. Die neue klassisch-schlichte Fassade vis-à-vis vom neugotischen Rathaus soll eher zurückhaltend ausfallen und sich am Erscheinungsbild der Häuserzeile aus der Nachkriegszeit orientieren. Architekt Gert Goergens ist auch Stadtheimatpfleger.

Hugendubel bleibt am Münchner Marienplatz - als Untermieter

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Im Inneren wird es für das Hugendubel-Haus ein völlig neues Nutzungskonzept geben - aber Altes soll auch Bestand haben. So wird die Buchhandlung eine kleine Fläche gegenüber vom Alten Peter beziehen. Über diesen Eingangsbereich kommt man in die Verkaufsflächen im ersten und zweiten Stock.

Büroräume und zwei Hotel-Etagen

Vom Marienplatz aus wird man nach dem Umbau in den neuen Flagship-Store der Telekom gelangen. An "Erlebnistischen" sollen die Kunden die gesamte Auswahl von Smartphones und Tablets kennenlernen. Geplant sind außerdem unterschiedliche Themenwände, an denen die Produkte auf außergewöhnliche Weise präsentiert werden sollen.

Im dritten Stock des Hauses wird es künftig Büroräume geben. Darüber wird wieder der Presseclub einziehen, der auch bislang Mieter war. Den Abschluss bilden die beiden Hotel-Etagen. Im Gebäude bleibt auch die Gaststätte von Karl-Heinz Wildmoser Junior - im Erdgeschoss und im ersten Untergeschoss.

Es ist eine Überraschung, ausgerechnet am Marienplatz den vielen Hotel-Neubauten in der Stadt ein weiteres Objekt hinzuzufügen. In unmittelbarer Nachbarschaft steht das Louis-Hotel der Kull-Weinzierl-Gruppe. Das Mandarin Oriental Hotel ein paar Straßenzüge weiter Richtung Tal plant einen großen Anbau. Die Räume der Zentrale der Hypo-Vereinsbank an der Kardinal-Faulhaber-Straße will die Bayerische Hausbau in ein Luxushotel umwandeln. Und das sind nur einige Beispiele für aktuelle Hotelprojekte im Zentrum.

Neunstöckiges Ausrufezeichen

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Ein Neubau, der Aufsehen erregt

"Der Markt für weitere Hotels ist in München groß genug", sagt Ute C. Hopfengärtner, die Sprecherin der Geisel Privathotels. Man ziele auf die Wünsche "anspruchsvoller Städtereisender". Die Brüder Carl, Michael und Stephan Geisel haben Anfang der Neunzigerjahre die Leitung des Unternehmens übernommen und seither ausschließlich am Standort München stark expandiert. Ihnen gehören das Hotel Königshof am Stachus, das benachbarte Hotel Anna im Pini-Haus, das Excelsior und das Cosmopolitan. Außerdem gibt es eine Weinhandlung und das Restaurant Geisels Werneckhof in Schwabing.

Ende 2017 soll der Königshof am Stachus abgerissen werden. Es wird ein Neubau entstehen, der Aufsehen erregt, aber bei vielen auch ungläubiges Kopfschütteln auslöst. Die Geisels haben sich für ein avantgardistisches Projekt mit einem mächtigen Längsschnitt in der Fassade entschieden. Geplant wird das Haus von dem spanischen Büro Nieto Sobejano Arquitectos. Etwa zwei Jahre soll es dann dauern, bis der Neubau fertig ist.

Ein Name wird noch gesucht

Nieto Sobejano sind nun auch für die Innenarchitektur des Hotels im Hugendubel-Haus am Marienplatz zuständig. Doch dieses Projekt dürfte kaum so kontroverse Debatten auslösen wie der Neubau am Stachus. Hopfengärtner spricht von einem "innovativen Raumkonzept" und von "kontemporärem Design". Wie genau das aussehen soll, ist unklar. Auch gibt es bislang keinen Namen für das Hotel. Die Bayerische Hausbau will das erneuerte Hugendubel-Haus zu einem "Aushängeschild und zu einer Visitenkarte Münchens" machen. Man freue sich, mit der Familie Geisel einen Mieter gewonnen zu haben, "der sich mit großem Engagement und innovativen Ideen für die Hotellerie in München einsetzt".

Das Gebäude am Marienplatz bleibt in seinem Volumen, seiner Grundform und seiner Dachlandschaft unverändert erhalten. Aber der optische Auftritt wird sich ändern. Der Komplex soll dabei nicht auftrumpfen, sondern sich mit seiner neuen, fein strukturierten Fassade als Bestandteil des Altstadt-Ensembles gut in die vorhandene Struktur einfügen.

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