FC Bayern vs. TSV 1860 Das Fan-Sein kann man nicht aussuchen

Was treibt einen an, Fan von 1860 zu sein und zu bleiben, Herr Lerchenberg?

Lerchenberg: Letztlich geht es um Gefühle, die sind mit Logik nicht erklärbar.

Ostermaier: Ich glaube, das Fan-Sein kann man sich nicht aussuchen. Es ist eine lebenslange Treue. Wer seinen Verein verrät, und sagt, heute ist er für den und morgen für einen anderen, der ist nicht ernstzunehmen.

Lerchenberg: Ich erinnere mich noch an mein erstes Lokalderby 1964 oder 1965, ein Vorbereitungsspiel. Sechzig schoss mit dieser Fabelmannschaft Bayern mal locker 4:2 nach Hause. Ein Cousin von mir war dabei, ein Bayernfan, der hat damals bitterlich geweint, was uns nur noch mehr aufgebaut hat. Ich habe später noch Bundesliga-Lokalderbys im Sechziger-Stadion erlebt. Damals standen 45 000 Menschen so eng aneinandergepresst, dass man nur synchron atmen konnte. Wenn die Blauen oder die Roten euphorisch oder depressiv geschnauft haben, dann waren das wirklich ein Atem, ein Gefühl, eine Emotion. Das bindet.

Herr Ostermaier, freut man sich als Bayern-Fan im Moment mehr über die Lage bei 1860 als über den eigenen Klub?

Ostermaier: Über die Bayern kann man sich im Augenblick überhaupt nicht freuen. Aber Schadenfreude ist eine ziemlich lächerliche Freude. Bayern und Sechzig habe beide ein wahnsinnig großes Potential. Für mich war eine der schönsten Tabellen, als Bayern Erster war und Sechzig Zweiter. Man muss die Geschichte der Sechziger leider als die Geschichte einer atemberaubenden Misswirtschaft benennen - und als einen Betrug am Fan. Woher kam diese Ansammlung von absoluten Nieten und dubiosen Figuren, von Leuten, die selbst den besten Schnitt gemacht haben?

Lerchenberg: Es waren ja nicht nur die Präsidenten, sondern auch die Aufsichtsräte. Wie hat der Verein in den vergangenen Jahren bilanziert, wie hat die Überwachung der Bilanzen stattgefunden? Die Aufsichtsräte müssen Klodeckel vor den Augen gehabt haben.

Ostermaier: Man hat das ja bei der Landesbank gesehen.

... die 1860 und der FC Bayern jetzt als Rettungsanker heranziehen wollten.

Lerchenberg: Wenigstens zu etwas Gescheitem. Statt vier Milliarden für eine österreichische Bamperlbank auszugeben! Die bauen jetzt dem FC Kärnten ein neues Stadion. . .

Ostermaier: . . .vielleicht könnte Sechzig in der österreichischen Liga spielen.

Lerchenberg: Man lacht da irgendwie immer am Abgrund.