Versandhandel Amazon bereitet Offensive in München vor

So sieht es im Amazon-Logistikzentrum in Graben bei Augsburg aus.

(Foto: Michaela Rehle/Reuters)
  • In München und Olching baut Amazon gerade zwei neue Logistikzentren auf.
  • Nach SZ-Informationen will der Versandhändler ab 2016 eine Lieferung binnen Stunden nach der Bestellung anbieten.
  • Das Angebot soll sich an Kunden des Prime-Dienstes richten, der auch für Streaming bekannt ist.
Von Stefan Mayr

Der Versandhandelsriese Amazon plant eine Offensive im Großraum München und will hierfür zwei neue Logistikzentren einrichten - eines im Stadtgebiet und eines in Olching. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen will der US-amerikanische Konzern in München einen Schnell-Lieferservice aufbauen. Dieser soll sogenannten "Prime"-Kunden künftig ihre Waren innerhalb weniger Stunden zustellen.

Wie Amazon seine Logistik ausbaut

Amazon selbst bestätigt die Pläne nicht. "Wir äußern uns nicht zu Gerüchten", sagt Sprecherin Anette Nachbar. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat das Tochterunternehmen Amazon Deutschland Transport GmbH in einem Gewerbegebiet in Olching im Landkreis Fürstenfeldbruck eine 12 000 Quadratmeter große Halle angemietet. Darin werden bereits Regale hochgezogen.

"Das wird ein Logistikzentrum wie in Graben bei Augsburg, nur kleiner", berichtet ein Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden will. Einige Kollegen aus Graben seien bereits in Olching, um die Infrastruktur aufzubauen.

Im Jahr 2016 sollen die Auslieferzentren in München und Olching in Betrieb gehen. Auch in der Landeshauptstadt sei bereits eine Halle angemietet, sagt der Mitarbeiter. Wo genau sich diese befindet, ist allerdings bisher ebenso unbekannt wie die Zahl der geplanten Arbeitsplätze.

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Überhaupt betreibt Amazon seine Nahversorgungs-Offensive als Geheimmission. Auch intern hat das Unternehmen noch keine Details kommuniziert. Nur jene Personen, die die neuen Standorte aufbauen, wissen mehr. Einige von ihnen befinden sich derzeit in England, wo Amazon das sogenannte "Prime Now"-Angebot in London und Birmingham eingeführt hat.

Warum bald auch Supermärkte betroffen sein könnten

"Prime Now" sieht vor, dass Kunden ihre Ware noch am Tag der Bestellung erhalten - hierfür müssen sie einen Aufpreis zahlen. "Eigentlich sollte Prime Now in München schon 2015 starten", erzählt der Amazon-Mitarbeiter, "doch das wurde von einem Tag auf den anderen verschoben." Ob der Markteintritt verschoben wurde, weil das Angebot in England keinen Erfolg hat oder weil sich die Organisation in der Landeshauptstadt schlichtweg verzögerte, darüber kann man nur spekulieren. In jedem Fall können sich Münchens Einzelhändler auf einen mächtigen Konkurrenten vorbereiten.

Davon betroffen könnten früher oder später auch die Supermärkte sein. So berichteten Fachmedien bereits darüber, dass Amazon mittelfristig seine Lebensmittel-Sparte "Fresh" in Deutschland etablieren könnte. In einigen US-amerikanischen Großstädten liefert der Konzern mit seinen grünen "Fresh"-Lieferwagen bereits Obst, Fleisch und Gemüse aus. Die deutschen Supermarkt-Ketten sind sich der Gefahr bewusst, sie bauen teilweise selbst ihre Lieferservice-Angebote aus.