Mord an der Isar Polizei bittet zum Massenspeicheltest

Fast 400 Hinweise sind eingegangen, doch auch knapp zwei Monate nach dem Mord an der Isar gibt es keinen Tatverdächtigen. Nun will die Münchner Polizei mit einem Massengentest den Mörder finden - und bittet Anwohner und Menschen, die am Tatort arbeiten, um DNA-Proben. Tausende sind betroffen.

Von Anna Fischhaber und Florian Fuchs

Die tödliche Attacke gegen einen Radfahrer an der Isar gibt den Ermittlern weiter Rätsel auf. Nun will die Münchner Polizei Anwohner des Tatorts und Menschen, die dort arbeiten, zum freiwilligen Massenspeicheltest bitten. Es ist der größte DNA-Test der Münchner Kriminalgeschichte.

Ende Mai hatte ein Unbekannter beim Europäischen Patentamt einen 31-jährigen Münchner völlig unvermittelt mit mehreren Messerstichen getötet. Fast 400 Hinweise sind seitdem bei den Ermittlern eingegangen. Eine heiße Spur gibt es nach wie vor nicht.

Viele der Hinweise kämen von Menschen, die selbst angespuckt wurden, heißt es bei der Polizei. Der Täter hatte vor der Attacke die Verlobte des Opfers angespuckt, als diese an ihm mit dem Fahrrad vorbeifuhr. Am Tatort konnte DNA-Material gesichert werden. Die Polizei hat deshalb auf freiwilliger Basis bereits von rund 350 Personen Speichelproben zum Abgleich mit den sichergestellten Spuren erhoben - einige davon von Männern, die sich in psychiatrischer Behandlung befinden.

Zahlreiche Personen konnten als Täter ausgeschlossen werden, hieß es am Montag. Einen Tatverdächtigen konnte die Sonderkommission "Cornelius" aber nach wie vor nicht ermitteln. Da nicht ausgeschlossen werden könne, dass der Täter möglicherweise beruflich oder privat einen Bezug zum erweiterten Tatortbereich hatte, erfolgten dort in den vergangenen Wochen verstärkt Befragungen, teilte die Münchner Polizei mit.

Zwischen Gärtnerplatz und Gasteig suchten die Fahnder mögliche Arbeitsstätten auf und fragten nach Ungereimtheiten: Gab es einen Mitarbeiter, der am Abend des 28. Mai zu spät kam? Einen Kollegen, der in den Folgetagen verletzt war? Gab es an jenem Abend einen heftigen Streit?

"Personenanzahl im unteren vierstelligen Bereich"

Nun werden Anwohner in der Nähe des Tatortes sowie Menschen, die dort arbeiten, angeschrieben. Die Ermittler wollen sie um ihre Unterstützung in Form von einer freiwilligen Abgabe eines Mundhöhlenabstrichs bitten. "Diese Personen gelten nicht als tatverdächtig", heißt es in einer Mitteillung der Polizei. Markus Kraus, Chef der Mordkommission, sagt: "Es ist die schnellste und sicherste Methode, Personen als Tatverdächtige auszuschließen."

Obwohl die Entnahme des Mundhöhlenabstrichs freiwillig ist, braucht es einen Beschluss des Amtsgerichts München. Der liegt laut Polizei nun vor. Wer sich weigert an der Speichelprobe teilzunehmen, hat keine Konsequenzen zu befürchten. "Die DNA-Muster werden nur direkt mit dem Muster vom Tatort abgeglichen und danach sofort vernichtet", versichert Chefermittler Kraus.

Angeschrieben wird laut Polizei eine "Personenanzahl im unteren vierstelligen Bereich". Weitere Einzelheiten könnten aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt gegeben werden. Klar ist nur: Betroffen sind nicht alle Anwohner und Menschen, die in Tatortnähe arbeiten. Gesucht wird ein mittelalter Mann, der der eher vagen Beschreibung des Täters nahe kommt.

Vor zwei Jahren hatte die Polizei im Mordfall Michaela Eisch schon einmal zu einem freiwilligen Massentest aufgerufen. Damals waren knapp 1200 der 1750 angeschriebenen Männer erschienen. Wer nicht kam, bei dem fragten die Ermittler nach. Einen Treffer gab es bis heute nicht.