"Löwen-Bänke" in Untergiesing Die Farbe muss ab

In der Nacht zum 3. September haben Löwen-Fans die ursprünglich roten Bänke am Hans-Mielich-Platz in Untergiesing umgestrichen. Nun soll das Blau ab, auch wenn die Stadt "grundsätzlich alle Farben" toleriert.

(Foto: Jakob Berr)

Münchens Parkbänke dürfen blau sein, sagt die Stadt. Zumindest theoretisch. Im blauen Untergiesing bekommen die über Nacht blau angemalten Bänke nun dennoch Naturlook. Schuld sind die Politiker - sie wollen so den Frieden im Viertel garantieren.

Von Manuela Warkocz

Münchens Bankenwelt darf bunter werden. Neben den bisher dominanten Farben Grün und Grau lässt die Stadt für Parkbänke grundsätzlich alle Farben zu. Vorausgesetzt, sie passen von der Gestaltung her. Diese Auskunft vom Baureferat bereichert die unendliche Geschichte der Bänke am Hans-Mielich Platz um eine weitere Episode: Die Bänke dürften jetzt also doch blau bleiben, wenn Planer und Politiker das so wollen. Wollen sie aber nicht. Der Beschluss steht, dass die über Nacht blau angepinselten Latten im Frühjahr abgeschliffen und dann naturfarben lasiert werden. Dieser neutrale Anstrich garantiere den Frieden im Viertel am ehesten, ist der Bezirksausschuss (BA) überzeugt.

Das neu gestaltete Untergiesinger "Wohnzimmer" war vergangenen Sommer mit roten Bänken möbliert worden. Löwenfans empfanden das in der Hochburg des TSV 1860 als Affront. Kurz vor der offiziellen Eröffnung des umgestalteten Hans-Mielich-Platzes wurden die Sitzgelegenheiten kurzerhand blau übermalt. Der Architekt war entrüstet, die Stadtviertelpolitiker konsterniert, die stellvertretende BA-Vorsitzende Melly Kieweg echauffierte sich gar über den "Terror" einer "militanten Minderheit", entschuldigte sich später für diese Äußerung. Sie hatten doch alle, wie sie versicherten, mit den roten Bänken bestimmt nicht dem FC Bayern huldigen wollen. Im offiziellen Farbangebot Dunkelgrün, Dunkelgrau und Rot, das die Stadt für Plätze und Grünanlagen anbietet, habe das Rot einfach am besten gefallen.

Warum rote Bänke gehen, blaue aber nicht, wollte CSU-Stadträtin Manuela Olhausen nicht einleuchten. Die Sechziger-Anhängerin hakte bei der Stadt nach, ob nicht auch andere Farben, insbesondere Blau, möglich wären. Auch wenn das Baureferat diesem Wunsch jetzt entspricht, will der Bezirksausschuss Untergiesing-Harlaching die Nacht- und Nebel-Aktion nicht dulden und kein rot-blaues Wettmalen in Giesing herausfordern. Salomonische Lösungen wie sechs Bänke in Blau, sechs Bänke in Rot zu tauchen stießen ebenfalls nicht auf Gegenliebe.

Zurück zur Natur, das ist also nun die Devise für das Dutzend Bänke am Hans-Mielich-Platz. "Wir machen das neutral im Naturholzton. Damit ist jedem Genüge getan", hofft Melly Kieweg , die selbst am liebsten "ein leuchtendes, dunkles Gelb-Orange" sehen würde. Vorbild für den lasierten Naturlook sind die Bänke am Curt-Mezger-Platz in Milbertshofen. Dass die Farbe runter muss, wird nach ein paar Frostwochen deutlich: Das hastig aufgetragene Blau blättert allerorten ab, Rot leuchtet hervor.