Leihräder O mei, Obike

Obikes an der Martin-Luther-Straße vor Mc Donalds

(Foto: Florian Peljak)

Für manche sind sie die "Gelbe Gefahr", andere machen sie so wütend, dass sie handgreiflich werden - die Obikes gehören derzeit zu den größten Aufregern in der Stadt.

Kolumne von Andreas Schubert

Gelb ist eine Farbe, die laut Statistik eher so mittelbeliebt ist. Die Deutschen mögen es lieber blau, was vielleicht daran liegt, dass sie gerne mal den Blues schieben, einen über den Durst trinken oder aus kausalem Zusammenhang beides zusammen.

Gelb dagegen wirkt so grell und aufdringlich. Da wundert es nicht, dass der im 19. Jahrhundert aus Ressentiments gegen Ostasiaten entstandene Begriff "gelbe Gefahr" noch heute in allen möglichen Zusammenhängen auftaucht, sogar die FDP lieferte dem Spiegel neulich die Vorlage für einen Gelbe-Gefahr-Titel.

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Die FDP? "Lächerlich!", sagt da der Münchner. Denn die wahre gelbe Gefahr, über die kurz vor der Bundestagswahl überall in der Stadt geredet wird, sind nicht etwa die Wahlplakate irgendwelcher harmlos lächelnder Liberaler.

Es sind die Räder von Obike aus Singapur, welche die TZ ebenfalls als "Die gelbe Gefahr" ausmachte, obwohl sich bisher noch keiner gemeldet hat, der über so ein Rad gestolpert wäre und sich dabei einen Haxen gebrochen hätte. Gestochen haben die an bereifte Wespen erinnernden Gefährte auch noch niemanden - dennoch reagieren die Münchner aktuell ziemlich allergisch auf sie.

Das mag daran liegen, dass die Obikes zu Tausenden auf Bürgersteigen dumm herumstehen, sich scheinbar nachts wie die Ratten vermehren und es jeden Morgen gefühlt noch mal doppelt so viele von ihnen gibt.

Ratten sind ja nicht so gern gesehen - aber man sieht sie immerhin selten, im Gegensatz zu den Obikes, die man deshalb auch nicht als Ratten der Straße schmähen sollte, man täte den Tieren unrecht. Wahrscheinlich würden sich die als klug geltenden und nach epikureischer Maxime im Verborgenen lebenden Nager gegen den Vergleich sogar wehren, könnten sie es denn.

Diese Zurückhaltung könnte der Grund sein, dass auf Twitter und Facebook selten Rattenfotos gepostet werden. Dagegen tauchen immer mehr Bilder von Obikes auf, die in Gebüschen oder auf Wiesen liegen, wohin sie sich vermutlich nicht selbst geworfen haben. Aber so kommt es halt, wenn der öffentliche Raum im Handstreich von einer geheimnisvollen Firma aus Fernost in Beschlag genommen wird. Da macht die "gelbe Gefahr" den Münchner schnell aggressiv. Und wenn er, was vorkommt, gerade auch noch blau ist, kann er schon mal handgreiflich werden.

Räder durch die Gegend zu schmeißen, mag übertrieben sein, aber dieses Tun zeigt: Unter die beliebtesten Marken des Jahres 2017 wird es Obike wohl nicht mehr schaffen.

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