Naturschutz kontra Freizeitsport Steiniger Weg zu den Isartrails

Bis Mountainbiker an der Isar ganz offiziell auf ausgewiesenen Wegen ihre Runden drehen können, wird es noch eine Weile dauern.

(Foto: Imago)

Der Landkreis München will die Pläne für naturverträgliche Mountainbike-Routen an der Isar rasch umsetzen. Doch an einigen Stellen hakt es noch - und die Zusage der Landeshauptstadt steht ebenfalls aus.

Von Iris Hilberth, Grünwald/Pullach

Die Umsetzung eines naturverträglichen Routennetzes für Mountainbiker im Isartal hängt noch immer in der Warteschleife. Knackpunkt ist weiterhin eine gemeinsame Trägerschaft von Stadt und Landkreis München für das Projekt. Während der Kreis bereits vergangenen Herbst seine Bereitschaft zu einer Zweckvereinbarung oder einem Zweckverband erklärt hat, lässt die Zusage der Landeshauptstadt noch auf sich warten. Trotzdem hat der Landkreis jetzt schon mal einen Vorschlag unterbreitet, wie eine enge Zusammenarbeit zur Verwirklichung des gemeinsamen Projekts aussehen könnte.

So würde der Landkreis für die westliche Uferseite und die Landhauptstadt als Grundeigentümerin für das Ostufer die Projektträgerschaft übernehmen, so die Idee. Auch könnten an einigen Stellen noch ein paar Umplanungen anstehen, bevor die Routen - auch auf unbefestigten Wegen - eingerichtet werden.

Vorangegangen waren jahrelange Bemühungen von Naturschützern und Vertretern der Sportler, Schutz- und Ruhezonen für Tiere und Pflanzen entlang der Isar zu gewährleisten und zugleich den Radfahrern zu ermöglichen, diesen Erholungsraum intensiv, aber naturverträglich zu nutzen. Beide Gruppen hatten sich schließlich auf das Konzept "Natur-Erholung Isartal im Süden von München" verständigt. Voraussetzung für die Umsetzung war allerdings die Übernahmen einer Trägerschaft für das Projekt. Problematisch neben einer Zusage aus München ist derzeit noch das Abrutschen des Hangs an der Ostseite zwischen Tierpark und Grünwalder Brücke, dort ist der Weg weiterhin gesperrt. Das Landratsamt schlägt der Stadt daher zunächst eine Umsetzung auf der Westseite vor, an der die Stadt sich zur Hälfte beteiligen könnte, solange die Ostseite noch nicht nutzbar ist.

Stadt bittet um noch "etwas Geduld".

Wie eine Vertreterin des Landratsamts am Donnerstag im Umweltausschuss des Kreistags mitteilte, hat die Münchens dritte Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) inzwischen auf die Anregung des Landkreises reagiert. In einem Brief an Landrat Christoph Göbel (CSU) bittet sie jedoch noch um "etwas Geduld". Die Vorschläge lägen zur Prüfung beim Referat für Stadtplanung und Bauordnung.

Auf erlaubten Pfaden an der Isar entlang

Naturschützer und Mountainbiker einigen sich auf Richtlinien, die das Isartal schützen und Freizeitsport ermöglichen. Die Zahl der Trails soll gesenkt werden. Von Iris Hilberth mehr ...

Bevor die geplanten Routen ausgeschildert werden können, muss zudem die Verkehrssicherungspflicht geklärt werden. Hier ist der Landkreis ein Stück weiter gekommen. Ein Rechtsgutachten bestätige, dass durch das Befahren geeigneter Weg und die Lenkung auf feste Routen das Risiko nicht erhöht werde. Den Grundstückseigentümern reicht diese Aussage offenbar aber nicht. Sie pochen auf eine vertragliche Vereinbarung mit einem Projektträger, die eine Haftungsfreistellung beinhaltet. Weil der Landkreis dies nur für möglich hält, wenn er das Haftungsrisiko auch versichern kann, hat er bei der Versicherungskammer Bayern eine entsprechende Anfrage gestellt. Dort hat er bereits das Unfallrisiko auf Wanderwegen im Isartal versichert. Die Prämie würde sich mit den Mountainbike-Strecken von bisher 111 Euro auf lediglich 235 Euro pro Jahr erhöhen.

Uniper befürchtet Wertminderung seiner Grundstücke

Nun scheint dem Grundstückseigentümer Uniper Kraftwerke GmbH auch bei einer Haftungsfreistellung der Gedanke nicht zu gefallen, dass Mountainbiker über seine Grundstücksflächen in Pullach fahren. Es geht dabei um 100 Hektar Hangwald, das Unternehmen soll eine Wertminderung befürchten. Derzeit verhandelt die Gemeinde Pullach mit Uniper über den Kauf der Waldflächen. Kommt es zu keinem Einlenken des Kraftwerksbetreibers oder gegebenenfalls einer Zustimmung Pullachs, müsste die Route auf einer Strecke von etwa zehn Kilometern umgeplant werden.

Das könnte auch auf der Ostseite notwendig werden, um die Sperre aufgrund des abgerutschten Hangs zu umfahren. Das Sportamt der Stadt München hat bereits eine detaillierte Planung der möglichen Umgehungsstrecke durch den Perlacher Forst in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen "in Kürze" vorliegen. Der Verein zur Erhaltung und Pflege des Perlacher und Grünwalder Forstes spricht sich laut Landratsamt gegen solche Pläne aus.