Burg Grünwald Wo Karl Valentin einst nach Relikten von Rittern suchte

Über einen Holzsteg gelangt der Besucher in die Burg Grünwald, die so viel mehr ist als ein angestaubtes Museum.

(Foto: Angelika Bardehle)

Auch wenn er in der Burg Grünwald nichts gefunden hat: Den Besucher erwartet ein beeindruckendes Erbe aus dem Mittelalter und ein Rund-um-Blick über das Isartal.

Von Nadja Tausche, Grünwald

Dort, wo Andrea Lorentzen gerade sitzt, buddelte einmal Karl Valentin nach Relikten von Rittern. Valentin, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts als Sänger und Autor einen Namen machte, zog sich während des Zweiten Weltkriegs aus Angst vor Bombenangriffen für zwei Jahre in das Schlosshotel Grünwald zurück. Täglich soll er die Burg nebenan besucht haben, um im Innenhof nach Antiquitäten zu graben. Es heißt, Valentin habe nichts gefunden, aber geprägt scheint ihn die Burg trotzdem zu haben: "In Grünwald im Isartal/ Glaub'n sie's mir, es war amal/ Da habn edle Ritter g'haust/ Denen hat's vor gar nix graust ...", dichtete er 1941 in seinem Lied "Die alten Rittersleut'".

Kriegerische Ritter und holde Burgfräulein kann man sich in der heutigen Burg kaum noch vorstellen, so idyllisch ist der Ort. Wie eine Burg aus dem Bilderbuch sieht die Burg Grünwald aber nicht gerade aus, die Mauern sind gelb und einwandfrei gestrichen, im Burggraben wachsen Bäume. Immerhin: Besucher betreten die Burg auf einen Holzsteg über dem Burggraben. Am kommenden Karsamstag ist es wieder so weit. Nach der Winterpause öffnen Burgmuseum und Innenhof. Und wie jedes Jahr erwarten Besucher neben dem Rund-um-Blick über das Isartal vom Burgturm kleine Neuerungen in der Ausstellung und ein reiches Veranstaltungsprogramm.

Info

Die Burg Grünwald ist von 15. April an immer mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. An jedem ersten Sonntag im Monat gibt es von 15 Uhr an eine Führung für 2,50 Euro pro Person. Der Eintrittspreis für das Burgmuseum beträgt 2,50 Euro und ermäßigt einen Euro. Die Turmbesteigung kostet zusätzlich einen Euro. Monatlich finden Familiensonntage statt. Weitere Infos unter: archaeologie-bayern.de.

Bis es losgeht, bleibt für Andrea Lorentzen noch einiges zu organisieren: Neue Liegestühle für den Innenhof sollen her und der Terminplan für Konzerte, Lesungen und andere Veranstaltungen. Lorentzen ist Oberkonservatorin in der Archäologischen Staatssammlung München und Chefin der Burg Grünwald als deren Zweigmuseum. Sie freut sich auf die Wiedereröffnung des Museums, dass sich nicht allein mit der Burg in Grünwald beschäftigt. "Es geht hier auch um gesellschaftliche Hierarchien und darum, wie man mit so wenigen Hilfsmitteln solche Gebäude errichtet hat", sagt Lorentzen.

Wer die Ausstellungsräume betritt, den begrüßt ein riesiges Modell der Burg, wie sie um 1500 aussah, mitsamt Hügel und Isar. Ausgestellt werden auch Spielzeug aus dem 13. und 14. Jahrhundert und historische Alltagsgegenstände wie Geschirr. Die Besucher sollen auf der Burg Grünwald aber nicht nur Gegenstände anschauen können, sagt Lorentzen. Vielmehr gehe es auch darum, mit allen Sinnen zu lernen. "Museen müssen mit der Zeit gehen und interaktiv sein", sagt Lorentzen. Deswegen kann man sich zum Beispiel einen sogenannten Hörknubbel, eine Art runden Telefonhörer, ans Ohr halten und ein Lied von Walter von der Vogelweide anhören.

Oder Schafe scheren: Einmal im Jahr, am sogenannten Schaftag, werden im Innenhof der Burg echte Schafe von ihrer Wolle befreit. Eine Aktion, die vor allem Kinder zum Staunen bringe, sagt Lorentzen. "Viele Kinder wissen heute nicht mehr, dass Schafe geschoren werden müssen", sagt die Museumsleiterin. Mit dem Schafstag erfülle das Museum auf kreative Weise seinen Bildungsauftrag. Die Wolle können Besucher mit nach Hause nehmen.

Konzerte unter freiem Himmel

Seit sechs Jahren betreut Lorentzen die Burg Grünwald, ist etwa alle zwei Wochen hier und kümmert sich auch um das Kulturprogramm. Schon im 13. Jahr findet diesen Sommer wieder ein Open-Air-Konzert statt, an dessen Organisation sich auch die Gemeinde beteiligt. Jedes Jahr gibt es ein anderes Thema, das diesjährige steht schon fest: Es wird ein "Rossini-Abend". Dort, wo drei Bäume eine freie Kiesfläche umranden, wird eine Bühne stehen, auf der die Kammeroper München auftritt. Davor sollen 300 Stühle auf dem Rasen des Innenhofs aufgestellt werden, umgeben von der steinernen Burgmauer auf der einen und den früheren Diensträumen der Burg auf der anderen Seite.

Am Rand des Innenhofes sind Stände mit italienischem Buffet geplant. Falls es regnen sollte, will Lorentzen lila Regencapes verteilen - das sei bis jetzt immer gut angenommen worden, erzählt sie. Bei ganz schlimmem Regen findet das Konzert statt im Burghof im Grünwalder August-Everding-Saal statt.

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