Konzert Sir Paul begeistert im Olympiastadion

Auch im Alter von 73 Jahren rockte Paul McCartney noch zwei Stunden lang das Münchner Olympiastadion.

(Foto: dpa)

In 38 Stücken führt Paul McCartney bei seinem Konzert in München durch 50 Jahre Musikleben mit den Beatles und Solo. Ermüdung? Keine Spur. Die Fans feiern.

Eine Konzertkritik von Martin Pfnür

Gegen Ende des Hauptsets, nach Song Nummer 31 dieses Konzerts voller Höhepunkte, schlägt bei Paul McCartney doch noch das Alter durch. Gerade sind die letzten Takte des wuchtigen Wings- beziehungsweise Bond-Songs "Live And Let Die" zu Konfetti-, Visual- und Laserwahnsinn, zu hochzischenden Flammen und einem Feuerwerk verklungen und vom begeisterten Publikum im Münchner Olympiastadion mit ohrenbetäubendem Jubel quittiert worden. Und Sir Paul? Kann plötzlich nichts mehr hören, wie er gestenreich signalisiert.

Falls sich nun an dieser Stelle jemand um die Hörkraft des ehemaligen Beatles sorgen sollte: Natürlich ist das nur ein dramaturgischer Kniff. Paul McCartney, seit mehr als 50 Jahren im Geschäft, weiß genau, wie er ein begeistertes Publikum noch ein bisschen mehr begeistert. Es ist die alte "Ich-kann-euch-gar-nicht-hören-Nummer", die er da auf allerhöchstem Dezibelniveau abzieht, um den letzten Song vor dem Zugabenblock anzuschieben. Dann spielt er "Hey Jude", stimmlich voll da und kongenial unterstützt von seiner formidablen Band, mit der Verve eines Mittzwanzigers.

In 38 Stücken durch 50 Jahre Musikerleben

Mit Paul McCartney ist gerade einer der ganz Großen unterwegs. Einer, der mit bald 74 Jahren auch nach zweistündigem Konzerteinsatz noch im federnden Laufschritt die Treppen zum Piano nimmt oder die Gitarren nach den Stücken in den Himmel reckt wie Trophäen.

"One On One" heißt die Tour, im Rahmen derer McCartney das erste Mal seit 13 Jahren wieder in München spielt. Konsequent und dynamisch führt der Mann aus Liverpool durch eine 38-Stücke-Setlist.

Da sind Beatles-Phasen wie die frühe mit "A Hard Day's Night" und "Can't Buy Me Love", die er zu Beginn mit "Save Us" von seinem 2013er-Soloalbum "New" trennt; oder die spätere, als das Konzert mit "Let It Be" oder "Back in the U.S.S.R" sehr fulminant Richtung Zielgerade steuert. Da ist ein Stück wie "FourFiveSeconds", das er 2015 zusammen mit Rihanna und Kanye West schrieb, und live als Bluesrock-Stampfer zwischen "Lady Madonna" und "Eleanor Rigby" packt. Oder ein Stück wie "In Spite Of All The Danger", das sogar noch aus jener Zeit stammt, als McCartney und John Lennon in ihrer Schülerband The Quarrymen spielten. Und da sind auch immer wieder die oftmals zu Unrecht verkannten Songs der progressiv angehauchten Wings (ganz groß etwa das wunderbar groovige "Nineteen Hundred and Eighty-Five"), die er einst mit seiner verstorbenen Frau Linda gründete und kürzlich selbst als "keine gute Band", eher schon als Ausweg aus der Post-Beatles-Depression bezeichnete.

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Solo spielt Sir Paul "Yesterday", kann es noch besser werden?

In der Melange ergibt dies ein Konzert, das ausgesprochen wild zusammengewürfelt daherkommt, und sich doch ganz wunderbar zusammenfügt. Als strukturelle Klammer dient dabei vor allem das jeweilige Instrument McCartneys, wie etwa die akustische Gitarre im entspannten Mittelteil (u.a. "Here, There and Everywhere", "We Can Work It Out", "Love Me Do"), den er schließlich solo mit dem ewig schönen "Blackbird", seinem vielleicht besten Song, und "Here Today" (mit dem er inhaltlich des verstorbenen John Lennon gedenkt), wundervoll abschließt.

Und auch zur Zugabe kommt Paul McCartney allein zurück auf die Bühne. Er spielt ein makelloses, tatsächlich immer noch bestens funktionierendes "Yesterday", tausend Smartphones und Gesichter strahlen, und man denkt, dass es jetzt eigentlich nicht besser kommen könnte.

Kommt es aber. Als Abschluss dieser zweieinhalb Stunden, Song 36 bis 38, bringen McCartney und Band das komplette finale "Abbey-Road"-Medley zur Aufführung. "Boy, you got to carry that weight / carry that weight a long time", singt McCartney da irgendwann im Mittelstück, nicht eine Schweißperle auf der Stirn, das Hemd blütenweiß und trocken.

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