Verkehr in München Macht den Autofahrern doch endlich mal das Leben schwer

Siegestor bei Nacht

(Foto: Florian Peljak)

Über die Mobilität von morgen zu diskutieren, reicht nicht. Nur Zwang wird dazu beitragen, dass die Zahl der Pkw in München sinkt. Dafür ist es höchste Zeit.

Kommentar von Nina Bovensiepen

Als ob es noch eines weiteren Beleges bedurft hätte, so zeigen die neuen Kfz-Zulassungszahlen aus München eindrucksvoll eines: Der Verkehrswahnsinn in dieser Stadt wird nur mit Zwangsmaßnahmen in den Griff zu bekommen sein.

Diese sollten schnell kommen und sie dürfen gerne drastisch ausfallen. Andernfalls wird sich die absurde Entwicklung fortsetzen, dass viele Menschen in München zwar ständig über verstopfte Straßen und tägliche Staus schimpfen - dass mitunter dieselben Menschen sich aber jeden Tag mit großer Selbstverständlichkeit in ihr Auto setzen und dazu beitragen, Staus zu erzeugen und Straßen zu verstopfen.

Münchner wollen nicht auf das Auto verzichten

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Und mit ebenso großer Selbstverständlichkeit kaufen sie das nächste neue Auto, während über Fahrverbote längst nicht mehr nur Umweltbewegte als graue Theorie diskutieren, sondern diese woanders bereits umgesetzt werden.

Die Tatsache, dass die Zahl der zugelassenen Pkw in den vergangenen fünf Jahren um fast 50 000 zugenommen hat, lässt Münchner Debatten um eine autofreie Innenstadt, mehr Platz für Radler oder die Mobilität von morgen fast ein bisschen absurd erscheinen. Nur Zwang wird dazu beitragen, dass die Zahl der Autos sinkt.

Die Stadt sollte ihn ausüben, indem sie Parkraum deutlich verteuert und viel mehr autofreie Zonen schafft. Andere Städte, Kopenhagen etwa, haben erfolgreich vorgemacht, dass die Menschen vom Pkw lassen, wenn der Raum in der Innenstadt dafür drastisch reduziert wird. Auch dort gab es übrigens zunächst einen Aufschrei und die Befürchtungen vor einer leeren City. Jetzt lässt sich das Ergebnis besichtigen: Kopenhagen ist eine der radlfreundlichsten Städte Europas und angesagtes Reiseziel von Verkehrsplanern, die sich etwas abschauen wollen.

Doch auch woanders, in Wien, London, Barcelona oder Hamburg, wird mit mehr Ideen zur Rückführung des Autoverkehrs experimentiert als hier - ob das in Form von hohen Parkgebühren, einer Maut, Fahrverboten oder geänderten Vorschriften für den Bau von Stellplätzen ist. Es ist höchste Zeit, dass München aufholt.

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