Isarvorstadt Pfarrer sucht per Zeitungsanzeige nach Gläubigen

Der Pater hofft mit Werbung mehr Besucher für seine beiden Kirchen zu gewinnen.

(Foto: oh)

Mit der Werbung hofft der Pater, mehr Besucher für seine beiden Kirchen zu gewinnen.

Interview von Jakob Wetzel

Der katholische Pfarrverband von Sankt Anton und Sankt Andreas in der Isarvorstadt hat per Zeitungsanzeige nach Gläubigen gesucht: Zwischen dem Gesuch nach einem Privatkredit und einer Annonce für eine Internetseite hieß es unter der Rubrik "Verschiedenes": "Lebendige Kirche". Die wolle man sein. "Gerne mit Ihren Themen, Ihrer Sicht- und Lebensweise! Schauen Sie doch mal vorbei." Ein Gespräch mit dem verantwortlichen Pfarrer, Kapuzinerpater Stefan Maria Huppertz.

SZ: Und, hat sich schon jemand gemeldet?

Stefan Maria Huppertz: Ja, ich habe von einigen Leuten gehört, dass sie die Anzeige gesehen haben, und dass sie es gut finden, dass wir das gemacht haben. Allerdings habe ich unsere Webleute noch nicht gefragt, ob wir auf unserer Seite www.pfarrverband-isarvorstadt.de jetzt spürbar mehr Clicks haben. Und mir wäre am Wochenende auch nicht aufgefallen, dass im Gottesdienst plötzlich andere oder viel mehr Menschen waren als sonst. Aber uns als Seelsorgeteam war es einfach ein Anliegen zu sagen: Mensch, wir glauben, wir machen hier wirklich einen guten Dienst, wir bieten etwas an, was Menschen gut tut. Und wir haben bei uns auch eine besondere Atmosphäre. Unser Seelsorgeteam ist sehr jung, ich bin 38 und bin der Älteste.

Oh. Das entspricht aber so gar nicht dem Klischee eines Ordens.

Ja. Unser Kaplan, auch Kapuziner, ist 35. Und unser Gemeindeassistent ist 28, verheiratet und mit Kind, der bringt also auch noch einmal eine interessante Sichtweise mit. Er ergänzt uns Ordensleute sehr gut.

Wie kamen Sie denn darauf, eine Zeitungsanzeige zu schalten?

Erst mal sind wir von unserem Produkt sehr überzeugt: vom Evangelium, vom geistliches Leben und dem Glauben. Und wir glauben auch, dass man das bei uns in einer schönen Aufmachung finden kann. Wir liegen ja hier ein bisschen am Rande der Innenstadt, zum Wohnen ist das super, man ist schnell an der Isar und am Marienplatz. Für eine Pfarrei ist die Lage aber relativ blöd, weil die Leute, die am Sonntag mal in die Messe wollen, in Windeseile im Dom sind oder in St. Michael, also an ganz besonderen Kirchorten. Da haben wir es als vergleichsweise normale Pfarrei schwer. Aber wir denken, wer bei uns hereinschneit, der fühlt sich wohl und kommt gerne wieder.

Die Idee ist nicht einfach nur aus der Not geboren, dass Ihre Kirche leer wäre?

Also wir haben in der Kirche schon noch ausreichend Platz, es können ruhig viele kommen. Aber nein, es war weniger die Not, mehr die Hoffnung: Wenn mehr Leute erleben, wie wir den Glauben zu leben versuchen, dann denken wir, dass von denen bestimmt einige gerne wiederkommen.

Haben Sie schon einmal eine Zeitungsanzeige geschaltet?

Nein, das war jetzt neu.

Kapuzinerpater Stefan Maria Huppertz vom Pfarrverband Isarvorstadt.

(Foto: privat)

Wie machen Sie denn sonst Werbung?

Ganz klassisch: Wir haben Schaukästen, seit drei Jahren haben wir außerdem ein schönes Magazin, den Cappuccino. Und seit etwa drei Jahren haben wir auch unsere Webseite. Und natürlich läuft viel über Kontakte etwa bei Taufen und Hochzeiten, wo Menschen bei uns in Berührung kommen, die jetzt aus eigenem Antrieb nicht unbedingt in die Kirchen schauen würden.

Und wie geht es weiter? Folgen auf die Zeitungsanzeige bald die Flugblätter?

Schauen wir mal (lacht). Was wir machen, sind etwa Plakataktionen für größere Veranstaltungen, etwa unser Klosterforum, wo wir Themen, die unser Stadtviertel und unsere Stadt besonders betreffen, mit Referenten aus unserem Viertel besprechen. Und dann gibt es doch in Kneipen diese kostenlosen Postkarten: Da wollen wir schauen, was das kostet. Wir haben ja zum Beispiel mit "Schlag Zwölf", der "Messe für Ausgeschlafene" ein schönes Format, was gut in dieses junge Stadtviertel passt, und das man in Kneipen gut bewerben könnte.

Weil da die Spätaufsteher sitzen?

Das muss man sehen. Aber das Angebot wird gut angenommen. Da kommen viele Mitte 30 und sagen: Wir arbeiten jede Woche 50 bis 60 Stunden, die Messe ist uns schon wichtig, aber nicht sonntags um zehn. Und es gibt noch ein Format, das wir gerne stärker bewerben würden: Wir wollen alle drei Wochen immer Freitagabend eine Dreiviertelstunde Stille und Meditation in der Kapelle anbieten. Vielleicht bewerben wir auch das über Postkarten.

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