Schwul und religiös - das ist kein Widerspruch. Erstmals gibt es auf einem Ökumenischen Kirchentag ein Veranstaltungsprogramm für Homosexuelle.
In einen Seminarraum hätten die Leute nicht gepasst. Die Kirchentagsbesucher nehmen stattdessen an diesem Donnerstagvormittag sogar auf dem Boden der Turnhalle der Münchner Klenzeschule Platz, um sich den Vortrag des katholischen Theologen Michael Brinkschröder zum Thema "Christliche Homophobie" anzuhören. Brinkschröder spricht schon, und noch immer mehr Menschen betreten den Raum.
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Zum ersten Mal werden Schwule und Lesben beim offiziellen Programm eines Ökumenischen Kirchentags berücksichtigt. (© Foto: Stephan Rumpf)
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Das Forum "Homosexualität und Kirche", das am Kirchentag ein Programm für Schwule und Lesben anbietet, beschäftigt sich mit keinem leichten Thema. Denn für konservative Kirchenleute passt Schwul- oder Lesbischsein nicht mit einem intensiv gelebten Glauben zusammen.
Das Forum will für gläubige Homosexuelle ein Zeichen setzen, mit Vorurteilen aufräumen und das Thema in die Öffentlichkeit bringen. Erstmals setzen sich auf einem Ökumenischen Kirchentag Veranstaltungen mit dem Thema Homosexualität und Kirche auseinander.
"Ihr macht das toll"
Das Publikum in der Klenzeschule ist bunt gemischt: Junge und Alte sind gekommen, Experten und Laien. Niemand steht verschämt oder schüchtern in der Ecke. In der Eingangshalle hängen rosafarbene Luftballons. Die Leute sind gut gelaunt und unterhalten sich. "Ihr macht das toll", lobt jemand die Arbeit der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK).
Ein Mann trägt selbstbewusst ein T-Shirt mit der Aufschrift "Querdenkerin", das man hier kaufen kann. Am Bücherstand gibt es Literatur zum Thema Homosexualität und Kirche. Ein Cover fragt: "Jesus - schwul?" Dass sich die katholische Kirche gegen Homosexualität sperrt, ist hier für viele absurd.
Im Regenbogenraum im ersten Stock der Schule steht ein provisorischer Altar, der mit Kerzen und Tüchern in Regenbogenfarben geschmückt ist. Hier wird aus dem Werk von Gustl Angstmann gelesen. Angstmann ist 1996 aus der katholischen Kirche ausgetreten und hat seinen Nachlass nach seinem Tod an das Forum Homosexualität und Geschichte vermacht.
Seine Kurzgeschichten erzählen von seinen Alltagserfahrungen als Homosexueller in den siebziger Jahren in München. "Das kann ich alles sehr gut nachvollziehen", sagt ein älterer Herr im Publikum. Gut 30 Leute nehmen an der Lesung teil, ein paar davon haben Angstmann, der 1998 an Aids gestorben ist, persönlich gekannt.
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Die Kirchen leiten ihren Anspruch aus der Bibel her. Somit haben sie zu verkünden, was dort steht, und nicht, was der Zeitgeist oder ihr eigenes Gusto ihnen eingibt.
Bei Paulus finden sich nicht nur einmal die sog. Lasterkataloge. Diese sagen ganz klar aus, welche Sünder nicht ins Reich der Himmel gelangen werden. Darunter finden sich auch Schwule, entsprechend dem Sprachgebrauch der Koiné "Hunde" genannt.
Wenn die Kirchen ihrem Auftrag nicht mehr gerecht werden, "ob es gelegen ist oder nicht" (Paulus), dann können sie sich gleich einmotten lassen.
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Beim Forum "Homosexuelle und Kirche" wird sie aktiv gelebt und in die Welt hinausgetragen. Auch wenn die katholischen Kirchenmänner nicht zuhören wollen.
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Das "Nicht-wahr-haben-wollen" ist bisweilen symptomatisch in der kath. Kirche.