Hahn oder Flasche Mineralwasser oder Leitungswasser?

Angst vor Qualitätsmangel

Ein weiterer Grund für manche Verbraucher, auf Leitungswasser zu verzichten, ist die Sorge um die Qualität ihres Trinkwassers. Davon profitiert nicht zuletzt die Mineralwasser-Industrie: Das französische "Evian" beispielsweise ist das meistgetrunkene Mineralwasser weltweit. Täglich werden fünf bis sechs Millionen Liter abgefüllt. Es steht auf Schreibtischen, an Konferenztischen, auf den Ladeflächen der Versorgungsteams in Krisengebieten.

In manchen Ländern ist es in der Tat besser, kein Wasser aus der Leitung zu trinken. Selbst wenn der Körper sich an die Keime gewöhnt und sich als resistent erweist, bleibt immer noch die Gefahr, dem Körper Schwermetalle und andere Schadstoffe zuzuführen, die über die Industrie in das Grundwasser gelangen.

Doch in vielen Ländern ist das Leitungswasser nicht nur trinkbar, sondern von sehr guter Qualität. Das gilt auch für Deutschland. Trinkwasser ist bundesweit eines der am besten kontrollierten Lebensmittel. Die Richtlinien der deutschen Trinkwasserverordnung sind sogar strenger als die für Mineralwasser.

Leitungswasser besteht etwa zu zwei Dritteln aus Grundwasser und zu einem Drittel aus Oberflächenwasser, das Seen oder Talsperren entnommen wird. Damit es hygienisch einwandfrei ist, wird es in manchen Fällen aufbereitet. Bei der Aufbereitung sind etwa 50 chemische Zusatzstoffe zugelassen, die innerhalb bestimmter Grenzwerte liegen müssen. Diese werden gemäß der Trinkwasserverordnung regelmäßig kontrolliert.

Laut einer Emnit-Umfrage vom März 2004 beurteilten mehr als 90 Prozent der befragten Verbraucher ihr Trinkwasser in Sachen Qualität mit "gut" bis "sehr gut". Knapp 80 Prozent fanden, dass das auch auf den Geschmack zutrifft.

Eine Frage des Image, die sich nicht stellt

Warum trinken wir dann nicht nur noch Leitungswasser? Für Sabine Stubbe nicht zuletzt eine Frage des Images: "Für Leitungswasser wird kaum Werbung gemacht, das ist bei Mineralwasser anders". Erst in den letzten Jahren haben örtliche Versorgungsunternehmen vermehrt PR-Kampagnen gestartet. So versorgen zum Beispiel die Berliner Wasserwerke immer öfter Sportveranstaltungen wie den Berlin Marathon etc. mit Trinkwasser.

Für Wolfgang Stubbe (Verband Deutscher Mineralbrunnen) hingegen stellt sich diese Frage nicht: "Die Wahl zwischen Mineralwasser oder Leitungswasser zu treffen ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen". Wobei er sich durchaus darüber im Klaren sei, dass es Verbraucher gebe, die aus Kostengründen auf den Genuss von Mineralwasser verzichten und statt dessen zum Leitungswasser greifen.