Olching Wo Amazon die Pakete für die Münchner zusammenstellt

Einblick ins Innenleben von Amazon: Nachts werden diese Kisten zur Auslieferung befüllt.

(Foto: Günther Reger)
  • Seit sechs Wochen beliefert Amazon den Raum München von einem eigenen Verteilzentrum aus.
  • Der Online-Versandhändler baut dort seinen eigenen Paketdienst auf - um sich von DHL und anderen Firmen unabhängig zu machen.
  • Amazon versucht, gut dazustehen: mit Elektroautos als Zustellfahrzeugen und Unterhaltung für die Mitarbeiter in der Nachtschicht.
Von Andreas Ostermeier, Olching

Graue Wagen zum Befördern von Paketen, Rollbänder, rote und schwarze Behälter zum Verladen der Sendungen: So sieht es in der großen Halle im Gewerbegebiet von Olching an der Bundesstraße 471 aus, von der aus die Firma Amazon seit Oktober im Raum München Pakete verteilt. Die Fahrer sind bereits unterwegs, als sich die Gäste am Donnerstag zur Einweihungsfeier treffen. Es ist also ziemlich ruhig in der Halle, denn die Hauptarbeit für den Tag ist getan. Doch die vielen Kisten und Rollbänder geben eine Vorstellung davon, was hier in den frühen Morgenstunden los ist, wenn die Lastwagen ihre Paletten voller Sendungen abladen.

Dann beginnt das große Verteilen, die einzelnen Pakete müssen zu den Fahrern kommen, die sie den Kunden zustellen. In welchen Stadtteil von München ein Päckchen gehört, das können die Mitarbeiter einem Code entnehmen, der sich auf der Verpackung befindet. In 3000 Lieferzonen ist die Landeshauptstadt von Amazon aufgeteilt worden, an sechs Tagen in der Woche werden die Kunden in den jeweiligen Zonen von einem Fahrer aus Olching direkt beliefert. 200 000 Pakete hat das Verteilzentrum in Olching seit 19. Oktober, dem ersten Liefertag, zu den Bestellern gebracht.

Die Mitarbeiter kommen von Zeitarbeitsfirmen und Subunternehmen

Die Niederlassung des Online-Versandhändlers im Geiselbullacher Gewerbegebiet ist das erste Verteilzentrum von Amazon in Deutschland. An der selbst organisierten Auslieferung im Raum München will das Unternehmen Erkenntnisse gewinnen, wie die Zustellung in einer Großstadt funktioniert. Denn längst sucht Amazon nicht mehr nur die von seinen Kunden bestellten Waren zusammen und schickt sie in einem Paket ab.

Das Unternehmen baut sich jetzt auch selbst eine Logistik zur Zustellung an die Kunden auf und will nicht mehr allein auf die Leistungen von DHL oder anderen Firmen angewiesen sein. In Großbritannien ist Amazon in diesem Bereich schon viel weiter und hat dem Postdienst Royal Mail erheblich Marktanteile abgenommen. Von Olching aus soll derartiges auch im Raum München gelingen.

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Gegenwärtig ist Amazon in Olching allerdings noch im Aufbau befindlich. Die etwa 7500 Quadratmeter große Halle im Gewerbegebiet ist erst zu gut zwei Dritteln fertig. Noch gibt es Platz für weitere Rollbänder, auch die Büro- und Sozialräume im ersten Stock sind noch nicht funktionstüchtig.

Etwas mehr als 90 Mitarbeiter hat das Verteilzentrum momentan, zum Jahresende sollen es nach den Worten von Standortleiter Christian Neumayer 130 sein. Ein Anstieg der Mitarbeiterzahl ist auch im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft notwendig. Etwa 200 Fahrer sind unterwegs, um im Raum München Pakete auszufahren. Sie stammen von sechs Partnerfirmen. Neumayer betont, dass die Fahrer bei den Unternehmen angestellt seien. Man wolle keine Partner mit "Subsubsub-Systemen", sagt der Standortleiter.

Der Direktor gibt den Nikolaus

Im Verteilzentrum selbst arbeiten laut Neumayer vor allem Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma. Allerdings habe man bereits erste Anstellungsverträge unterschrieben, sagt er. Die Firmenleitung lässt sich auch einiges einfallen, um vor allem die Arbeiter in der Nachtschicht bei Laune zu halten. So wird Bernd Schwenger, Direktor der Amazon Transport GmbH, am 7. Dezember den Nikolaus geben. Solche und andere Aufmerksamkeiten hält Operation-Chef Alexander Nicklich für nötig, denn das Verteilen der Pakete ist körperliche schwere Arbeit.

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Damit diese möglichst unfallfrei abläuft, werden die Mitarbeiter geschult. Sicherheit stehe an erster Stelle, sagt Nicklich und erzählt von dem Schmerz, den eine auf den Fuß gefallene Palette auslöst. Warnwesten und Sicherheitsschuhe sind bei der Arbeit vorgeschrieben. Da in der Halle auch zahlreiche Menschen arbeiten, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, gibt es Sprachtrainings. Bisweilen ziehe man auch Dolmetscher zu Hilfe, um Regeln und Sicherheitsvorschriften deutlich machen zu können, erzählt Nicklich den Besuchern.

Kein Lärm und keine Abgase - Amazon versucht, alles richtig zu machen

Sind die Pakete in den Zustellautos, dann erhalten die Fahrer ein spezielles Navigationsgerät, in dem die gesamte Route sowie alle Zustellungen gespeichert sind. Das Gerät ist so eingestellt, dass die Auslieferungstour innerhalb der Arbeitszeit von acht Stunden zu bewerkstelligen ist. Außerdem können mit dem Gerät Daten gesammelt werden, die helfen, die Tour zu optimieren, sollte sie zu kurz oder zu lang sein. Das ist wichtig, denn die Logistik-Firma sammelt noch Erfahrungen, auch um es besser machen zu können als die Konkurrenten, sagt Schwenger.

Aus diesem Grund setzt eine der Partnerfirmen, die sich um die Zustellung kümmern, auch Elektrofahrzeuge ein. Kein Lärm und keine Abgase: Damit wolle man auf die Diskussionen in den Städten reagieren, deren Bewohner unter den Auswirkungen des Verkehrs litten, sagt Neumayer. Vier solcher Fahrzeuge sind für den Anfang im Einsatz. Ihre Leistung reicht für die etwa 80 bis 100 Kilometer langen Zustelltouren. Dann müssen sie wieder aufgeladen werden, was nachts geschieht.