Flüchtlings-Aktion des FC Bayern Trainieren mit Thomas

Ein Foto mit Thomas: Alle kennen den FC Bayern - junge Flüchtlinge posieren mit Thomas Müller.

(Foto: Catherina Hess)

Einmal beim FC Bayern spielen: Der Verein und die Stadt München organisieren Fußballcamps für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Ein Besuch.

Von Thomas Anlauf

Als der Bus des FC Bayern vor der Tür hält, bricht im Haus Jubel aus. "Sie haben gesungen, geklatscht", sagt Tanja Al-Mehiawi und lacht. Die Mitarbeiterin des Stadtjugendamts steht am Rand eines Fußballplatzes und betrachtet die jungen Männer auf dem Spielfeld, wie sie in Trikots des FC Bayern und leuchtend gelben Fußballschuhen dem Ball hinterherjagen.

Al-Mehiawi hat es möglich gemacht, dass diese 28 Jugendlichen an diesem Mittwoch ein ganz besonderes Erlebnis haben: einen halben Tag lang auf dem Gelände des FC Bayern von Trainern des Vereins professionell angeleitet zu werden und dann auch noch mit drei Profi-Spielern des Rekordmeisters zu kicken.

Es ist ein ungewöhnliches Pilotprojekt, das der FC Bayern gemeinsam mit der Stadt startete. Anfang September wandte sich die Vereinsführung an Oberbürgermeister Dieter Reiter, um ihm den Vorschlag zu machen, unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen in München ein Fußball-Trainingscamp anzubieten. Zwei Mal darf nun jeweils eine Gruppe von etwa 30 jungen Männern, die vom Stadtjugendamt in verschiedenen Einrichtungen untergebracht sind und dort betreut werden, beim FC Bayern unter professioneller Anleitung auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße kicken.

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Anschließend gibt es für alle Mittagessen in der Mitarbeiter-Kantine, dann geht es mit dem Mannschaftsbus der Bayern zurück in die städtische Wohnanlage. "Es ging alles sehr schnell", sagt Al-Mehiawi, die in ihrer Abteilung des Stadtjugendamts für die jugendlichen Flüchtlinge in München zuständig ist. Am 7. September kam der Auftrag aus dem Büro des Oberbürgermeisters, das Fußballprojekt mit zu organisieren, zwei Wochen später stehen nun schon die ersten jungen Fußballer auf dem Kunstrasenplatz des FC Bayern. "Wenn man so ein tolles Angebot bekommt, dann muss man es einfach auch nutzen."

"Sie kennen natürlich alle den FC Bayern"

Dabei müssen Tanja Al-Mehiawi und ihre Kollegen darauf achten, dass ja kein Neid unter den jungen Flüchtlingen entsteht. So sollen wenn möglich alle der etwa 1200 Jugendlichen, die von der Stadt betreut werden, die Möglichkeit erhalten, bei dem Fußballcamp dabei zu sein. Dass es aber jedes Mal genau Gleichaltrige sind, die von den Bayern-Jugendtrainern angeleitet werden, ist schlicht nicht möglich. Auch die knapp 30 jungen Männer, die am Mittwoch das erste Camp erleben, sind teilweise noch deutlich unter 18 Jahren, andere bereits volljährig. Sie wohnen derzeit in einer städtischen Unterkunft in Ramersdorf, alle aus dem Haus dürfen an diesem Mittwoch mitmachen.

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Als um 12.15 Uhr plötzlich die Bayern-Spieler Thomas Müller, Jérôme Boateng und Thiago Alcántara bei den Jugendlichen am Spielfeld auftauchen, umarmen viele die Stars spontan. "Sie kennen natürlich alle den FC Bayern", sagt Tanja Al-Mehiawi. Und auch die Spieler. Die drei Profifußballer tragen wie die Jugendlichen keinen Namenszug am Trikot. An diesem Tag sind alle gleich.

Die Flüchtlingshilfe des FC Bayern beschränkt sich aber nicht nur auf das Fußballcamp. Bereits Anfang September kündigte der Verein an, eine Million Euro für Flüchtlingsprojekte zu spenden, die Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bestimmen sollen. "Der FC Bayern setzt hier ein wichtiges Zeichen, und ich freue mich über das große Engagement des Vereins", sagt Reiter. "Deshalb habe ich auch gerne die Unterstützung der Stadt München zugesagt."

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