Fall Teresa Z. vor Gericht Entschuldigung erst auf Nachfrage

Er entschuldigt sich an diesem Vormittag erst auf Nachfrage. "Mir tut die Verletzung leid", sagt er leise. Der Schlag sei ein Reflex auf ihren Angriff gewesen. "Wie soll ich da sagen, dass mir das leid tut", fragt Frank W. nur. Er beharrt darauf, dass er aus der Angst, verletzt zu werden, zugeschlagen habe. Dass er in dem Moment keine andere Möglichkeit gesehen habe. Und er sagt: "Ich habe sicher nicht ausgeholt wie ein Preisboxer."

"Ich habe die ganze Zeit geschrien und geweint. Ich wollte nur, dass sie mich loslassen." So erzählt Teresa Z. später die Geschichte. Sie zeigt, wie Frank W. sie mit dem Ellbogen auf die Pritsche gedrückt und ihr das Gesicht zugehalten habe. Sie berichtet, wie sie gespuckt habe, wie sie sich weggedreht habe - dann seien die Schläge gekommen. "Es waren zwei, schnell hintereinander", sagt sie.

Vor dem Amtsgericht ist nur ein Tag für die Verhandlung angesetzt - das Urteil könnte also noch an diesem Dienstag fallen. Der Zeitplan allerdings ist straff: 13 Zeugen sowie ein Sachverständiger werden am Dienstag insgesamt gehört. Dem Beamten droht bei einer Verurteilung wegen vorsätzlicher Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Bekommt der Polizist zwölf Monate oder mehr, wird er wohl aus dem Dienst entfernt.

"Diese Leute entwickeln enorme Kräfte"

Entscheidend sind vor Gericht auch die Aussagen der Kollegen von Frank W.. Mindestens sechs Beamte befanden sich in der Zelle. "Ich gehe davon aus, dass sie Betäubungsmittel genommen hat. Diese Leute entwickeln enorme Kräfte, auch wenn sie nur 1,60 Meter groß sind", sagt ein Kollege von Frank W. über Teresa Z. "Ich habe noch nie eine Frau so ausrasten sehen", sagt ein anderer.

Es geht nun um Details - wie nah der Polizist der Frau vor dem Schlag war, ob sie fixiert war, ob Frank W. ausgeholt hat, ob Teresa Z. tatsächlich nach oben schnellte und ob der Beamte ein oder zwei Schläge abgegeben hat. Immer wieder hört man nun: "Weiß ich nicht" oder "Das habe ich nicht gesehen".

Selbst die Polizistin, die am nächsten dran war, weiß nicht mehr, ob der Kollege mit der Hand oder der Faust zugeschlagen hat. Sicher ist sie sich dagegen, dass er nicht ausgeholt hat. "Den Schlag habe ich als nicht so stark empfunden", sagt sie. Dann erzählt sie, die junge Frau habe noch auf der Wache gesagt, sie kenne einen Journalisten und werde die Polizisten anzeigen. Teresa Z. steht nun auf und verlässt den Gerichtssaal. Nach der Mittagspause ist sie wieder da.

Am Nachmittag werden weitere Beamte befragt. Der Dienstgruppenleiter aus der Au sagt, man habe nach dem Schlag kaum eine Verletzung bei Teresa Z. gesehen: "Es war nur ganz leicht geschwollen". Überhaupt scheint man sich auf der Wache wenig Sorgen um die Frau gemacht zu haben, stattdessen berichten die Beamten immer wieder, man habe nach dem Vorfall wissen wollen, ob sie ansteckende Krankheiten habe - wegen der Spuckattacke.

Die Staatsanwaltschaft beantragt schließlich, den Polizisten wegen Körperverletzung im Amt zu einer Strafe von zehn Monate zu verurteilen, die auf Bewährung ausgesetzt werden können. Reue konnte sie angesichts seiner Entschuldigung nicht erkennen, sagt die Staatsanwältin noch.

Franz J. Erlmeier, der die Nebenklägerin Teresa Z. vertritt, ist anderer Meinung. "Ein Polizeibeamter muss sich schon im Griff haben", sagt er. Und über Frank W.: "Er hat im bayerischen Polizeidienst nichts zu suchen." Der Anwalt fordert deshalb eine Strafe von 16 Monaten, die auf Bewährung ausgesetzt werden kann. Wird der Polizist zu mehr als zwölf Monaten verurteilt, muss er wohl aus dem Dienst ausscheiden. Allerdings ist dafür ein weiteres Verfahren nötig.